Marktplatz: Gemeinsame Stellungnahme von Treffpunkt Offenbach e. V. und IHK

Zwei Bänke und fünf Fahrradständer reichen nicht aus

Der Offenbacher Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach e. V. und die IHK Offenbach am Main sind angesichts der Pläne zum Marktplatzumbau alarmiert und irritiert.

Wohin mit der Bushaltestelle am Marktplatz? Foto: Linke/IHK

Stefan Becker, Vorsitzender des Gewerbevereins Treffpunkt Offenbach e. V. und Geschäftsführer des Offenbacher Modehauses M. Schneider, betont: „Der Umbau des Marktplatzes soll die Innenstadt stärken. Ich frage mich, wie das gelingen soll, wenn die Interessen des Einzelhandels in der Politik kein Gehör finden. Wir haben uns für den Erhalt der Haltestelle auf Höhe der Schwanenapotheke eingesetzt, weil wir fest davon überzeugt sind, dass hier ein Treffpunkt für möglichst viele Menschen erhalten bleiben sollte.“

Eine moderne neue Haltestelle mit Sitzgelegenheiten, einer Überdachung und einer Infosäule könne einen Aufenthaltsort mitten in der Innenstadt schaffen. Die nun beschlossene Planung sehe an der Einmündung der Frankfurter Straße zum Marktplatz lediglich zwei Bänke und fünf Fahrradständer vor. Becker: „Wie damit mehr Aufenthaltsqualität geschaffen werden soll, ist mir rätselhaft. Die Stadt will unbedingt auf die Haltestelle verzichten und die Fahrgäste der Linie 101 sollen zukünftig an der Berliner Straße aus- und einsteigen. Die Bushaltestellen an der Berliner Straße dürfen nicht dazu führen, dass Verkehrsbeziehungen in Richtung Marktplatz eingeschränkt werden. Für die dadurch entstandene Fläche auf dem Marktplatz muss ein echter Anziehungs- und Identifikationspunkt her, wie es früher einmal das Uhrtürmchen an gleicher Stelle war. Hier sollen sich die Menschen zukünftig treffen, egal ob sie zum Einkaufen oder zum Essen oder aus anderen Gründen in die Innenstadt kommen.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner unterstützt die Forderungen des Einzelhandels: „Auch der Masterplan für Offenbach hat gezeigt, dass die Stärkung der Innenstadt die große Herausforderung in Offenbach ist.“ Die Politik müsse nun den Worten auch Taten folgen lassen. „Die Nichtbeachtung der Argumente des Einzelhandels beim Haltestellenkonzept durch die Tansania-Koalition ist kein guter Einstieg in die konkrete Umsetzungsphase“, so Weinbrenner.

Der Marktplatz sei nur ein Baustein für eine zu entwickelnde Zukunftsstrategie für die Innenstadt. Weinbrenner mahnt: „Beim Umbau muss alles glatt laufen. Sowohl die Kommunikation mit den Einzelhändlern und Hauseigentümern in der gesamten 25-monatigen Bauphase als auch die Kommunikation nach außen. Die Botschaft muss sein: Trotz Bauarbeiten ist die Innenstadt erreichbar und ein Besuch lohnt sich.“

Ein intensives Baustellenmarketing gebe es nicht zum Nulltarif. Hier müsse die Stadt ausreichende Mittel zur Verfügung stellen und gemeinsam mit dem Handel, den Marktbeschickern und den Gastronomen aktiv werden. „Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass in der gesamten Zeit die Einzelhändler in der Bieberer Straße und der Wilhelmsplatz für Kunden und Lieferanten erreichbar sind“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Die Wirtschaft begrüße die Idee, die Effekte des Marktplatzumbaus von einem externen Büro untersuchen zu lassen. „Die Planer gehen von einer Reduktion des Autoverkehrs um 30 Prozent aus. Wir sind skeptisch, ob der zukünftige Marktplatz aus verkehrlicher Sicht funktionieren wird. Deshalb sind auch die Auswirkungen auf das gesamte Verkehrssystem in der Innenstadt zu untersuchen. Zusätzlich sollten sowohl die Kunden als auch der Einzelhandel, die Gastronomie und die Marktbeschicker zu ihren Erfahrungen mit dem umgebauten Marktplatz befragt werden“, fordert Weinbrenner. Angesichts der dann vorliegenden Untersuchungsergebnisse müssten auch Nachbesserungen möglich sein.