Nachruf

Zum Tod von Rudolf Thiels

Am 18. Dezember 2017 ist der frühere Präsident der IHK Offenbach am Main, Rudolf Thiels, im Alter von 93 Jahren verstorben. Er war ein bedeutender Unternehmer und ein großer Verfechter der sozialen Marktwirtschaft. Nicht nur unternehmerischer Sachverstand war ihm eigen, sondern er trug ganz selbstverständlich auch soziale Verantwortung als Unternehmer.

Vorstandssprecher der MAN Roland Druckmaschinen AG in Offenbach wurde Rudolf Thiels in einer Zeit, als das Unternehmen in einer Krise steckte. Er übernahm Verantwortung in diesen schwierigen Zeiten und musste damals harte, aber notwendige Entscheidungen treffen. Er war ein Mann klarer Worte und er handelte konsequent. Als er bei MAN Roland ausschied, war die Fortführung des Unternehmens gesichert und damit auch viele Arbeitsplätze.

Sein ehrenamtliches Engagement in der IHK Offenbach am Main begann 1966 als Mitglied der Vollversammlung, der er bis 1994 angehörte: ganze 28 Jahre. Er war zudem Mitglied der Etatkommission. Von 1976 bis 1986 war er IHK-Vizepräsident. Im Jahr 1986 wurde er dann zum Präsidenten der IHK gewählt. Dieses Amt führte er bis 1994 aus. Für sein großes ehrenamtliches Engagement für die regionale Wirtschaft wurde er mit der Verdienstmedaille der IHK in Silber und in Gold ausgezeichnet.

Sein Wirken war stets langfristig angelegt. Die Ausbildung und Qualifizierung junger Menschen war ihm ein besonderes Anliegen. In seiner Präsidentschaft hat er die Offenbacher Stiftung für Berufsbildung wieder aktiviert, die noch heute dazu dient, die berufliche Bildung zu fördern sowie benachteiligte Jugendliche und Migranten beim Einstieg in das Berufsleben zu unterstützen. Rudolf Thiels hat diese Stiftung und ihre Kapitalausstattung mit persönlichen Zustiftungen gestärkt. Hiervon profitiert die IHK noch heute.

Auch die ersten Kontakte der IHK Offenbach am Main zu Litauen Anfang der 90er Jahre fand er richtig und hat das Engagement der IHK befürwortet. Er führte Gespräche mit der ersten frei gewählten Ministerpräsidentin Litauens und gab grünes Licht für Beratungsprojekte der IHK. Ihm war es wichtig, diese Länder in der Phase der Transformation zu demokratischen Gesellschaften sowie zu marktwirtschaftlichen Strukturen mit Rat und Tat zu unterstützen. Dies galt übrigens auch für die IHK Erfurt nach der Wiedervereinigung, die durch die IHK Offenbach beraten wurde.

Der Verstorbene war jemand, der sich nicht heraushielt aus der Politik, wenngleich er laute Töne vermieden hat. Er hat den politischen Einfluss der IHK verstärkt. An der Spitze der IHK hat er in den 1980er Jahren dazu beigetragen, die Selbstblockade der Offenbacher Kommunalpolitik zu durchbrechen, als er die großen Parteien an einen Tisch holte. Zudem sorgte er dafür, dass mit der Veranstaltungsreihe „Offenbacher Dialog“ Unternehmer mit Bundes- und Landespolitikern zu wirtschaftspolitischen Fragestellungen diskutieren konnten.

Rudolf Thiels und seine Frau fühlten sich der IHK eng verbunden. Im Umgang mit der Belegschaft zeigte er große Menschlichkeit. Er besuchte immer die Weihnachtsfeiern, Betriebsausflüge und er förderte den Betriebssport. Er ließ es sich nicht nehmen, zu den IHK-Fußball-Turnieren zu kommen und seine Mannschaft anzufeuern.

Wir sind unserem ehemaligen IHK-Präsidenten für sein großes Engagement für die regionale Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach zu großem Dank verpflichtet. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Foto: IHK

Kirsten Schoder-Steinmüller
IHK-Präsidentin

Markus Weinbrenner
IHK-Hauptgeschäftsführer