Weiterbildung im Zeitalter der digitalen Transformation

Zukunftsfähig mit qualifizierten Fachkräften

Ohne berufliche Weiterbildung drohen strukturelle Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel. Die Initiative ProAbschluss hilft, solchen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Die digitale Transformation fordert Mitarbeiter und Unternehmen. Foto: Gorodenkoff Productions OU

Arbeit 4.0 ist keine Zukunftsvision. Vielmehr hat die Zukunft der Arbeit längst begonnen. Die wachsende internationale Vernetzung zwischen Mensch und Maschine, aber auch von Maschinen untereinander, verändert die Produktionsweise grundlegend und schafft neue Produkte und Dienstleistungen.

Arbeiten wird zunehmend vernetzter, digitaler und flexibler – und wir befinden uns bereits mitten im Umbruch. „Wohin die Reise geht, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ungewiss. Sicher ist aber, dass sich die Kompetenzerfordernisse an die Beschäftigten aktuell verändern und sich in Zukunft weiter verändern werden“, betont Claus Kapelke, Vorstandsvorsitzender des Vereins Weiterbildung Hessen e. V., und ergänzt: „Neben den Grundlagen der Digitalisierung und Kompetenzen der Informations- und Kommunikationstechnik werden dazu vor allem personale Kompetenzen zum selbstorganisierten, kreativen Handeln und zur Bewältigung von Herausforderungen unter Nutzung digitaler Technologien stehen.“

„Bis zum Jahr 2030 werden bundesweit rund sieben Millionen Arbeitsplätze in Deutschland von der digitalen Transformation betroffen sein. Einerseits werden Routinetätigkeiten in Fertigung und Labor, einfache Tätigkeiten in Handel, Finanzdienstleistungen oder Logistik sowie mittlere Managementtätigkeiten in Unternehmensorganisation und Verwaltung wegfallen, gleichzeitig aber Stellen in qualifizierten IT- und technischen Berufen sowie personenbezogenen Dienstleistungen neu entstehen“, erläutert Dr. Rainer Behrend, Volkswirt und Bildungsforscher von Weiterbildung Hessen e. V., und ergänzt: „Hinzu kommt, dass rund 60 Prozent der zukünftigen Berufe der Generation Z aktuell noch gar nicht existieren.“

Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass dieser strukturelle Wandel reibungslos verlaufen wird. Auf der einen Seite droht durch den Wegfall von Arbeitsplätzen ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite dürften die Unternehmen noch mehr Schwierigkeiten bekommen, offene Stellen überhaupt zu besetzen.

„Je zielgerichteter und effektiver das berufliche Weiterbildungsangebot und je umfassender die Weiterbildungsbeteiligung ist, umso weniger Menschen werden ihre Arbeit durch die Digitalisierung verlieren. Außerdem steigt die Zahl der Arbeitsplätze, die durch qualifiziertes Personal besetzt werden können“, ist Kapelke sicher und betont: „Unter anderem aus Fördermitteln der hessischen Initiative ProAbschluss sind Weiterbildungsmaßnahmen finanzierbar, welche die berufliche Qualifikation im Zeitalter der digitalen Transformation erhöhen.“

Nachqualifizierung nützt Mitarbeitern und Unternehmen

Gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen und der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds werden im Bundesland Hessen Beratung und Finanzhilfen bereitgestellt, die es Beschäftigten erleichtern, einen Berufsabschluss nachzuholen. Die Initiative ProAbschluss hilft damit gleichermaßen Mitarbeitern und Unternehmen mit Fachkräfte-Engpass.

Antragsberechtigt sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Hessen, die mindestens 21 Jahre alt sind und noch keinen anerkannten Berufsabschluss in ihrem ausgeübten Beruf haben. Auch geringfügig Beschäftigte, für die der Arbeitgeber Sozialbeiträge bezahlt, werden gefördert. In einer kostenfreien Beratung werden zunächst individuelle Wege und Möglichkeiten ermittelt, die zu einem Berufsabschluss führen können. Finanziell kann fast jede abschlussbezogene Weiterbildungsmaßnahme unterstützt werden. Die Förderung besteht aus einem Zuschuss von 50 Prozent der Teilnahme- und Prüfungsgebühren bis zu einer Höchstgrenze von 4.000 Euro je Qualifizierungsscheck. Der gemeinnützige Verein Weiterbildung Hessen e.V. betreut ProAbschluss administrativ.

www.proabschluss.de
www.weiterbildunghessen.de