Mehr Recycling bei Gewerbeabfällen

Zu wertvoll zum Verbrennen

Die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) formuliert anspruchsvolle Vorgaben für ein hochwertiges Recycling. Laut Statistik betrifft das in Hessen rund 284.000 Gewerbebetriebe und 35.000 Baustellen.

Damit Rohstoffe aus Gewerbeabfällen in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können, müssen sie schon im Betrieb sortiert werden. Foto: firina – istockphoto.com

Die schon 2017 novellierte Verordnung zielt darauf, wertstoffhaltige Abfälle zu gewinnen, um diese mehr und besser als bisher wiederzuverwenden oder stofflich zu verwerten. Rohstoffe sollen in den Stoffkreislauf zurückgeführt und nicht „energetisch verwertet“ – also verbrannt – werden. Dazu müssen sie möglichst sortenrein gesammelt werden.

Es geht um die Fraktion Pappe, Papier und Karton sowie um Glas, Kunststoffe, Metalle, Holz, Textilien und Bioabfälle. Zusätzlich sind jene Abfälle zu separieren, für die es eine andere Rechtsgrundlage gibt. Dazu zählen Verpackungen, Elektrogeräte oder Batterien. Das ist für alle Gewerbebetriebe verbindlich, ob groß oder klein, Dienstleister oder Handwerker.

Im Bereich der Bau- und Abbruchabfälle sind Glas, Kunststoffe, Metall, Holz, Dämmmaterial, Bitumengemische, Baustoffe auf Gipsbasis, Beton, Ziegel und Fliesen-Keramik-Gemische zu sortieren. Das gilt auch für Bauabfälle aus betriebseigenen Baumaßnahmen.

Seltene Ausnahmen gibt es nur, wenn die Umsetzung technisch unmöglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist.

Abfallerzeuger und -besitzer haben zudem umfassende Dokumentationspflichten. Die getrennte Sammlung der verschiedenen Abfallfraktionen und die fachgerechte Entsorgung müssen mit Fotos, Lageplänen der Abfallsammelstellen, Wiegescheinen und Rechnungen belegt werden. Für die Dokumentation, die Behälterverwaltung oder das Abfuhrmanagement bieten einige Dienstleister übersichtliche Softwareunterstützung wie Handy-Apps an. Auch die hessischen Regierungspräsidien stellen auf ihren Webseiten eine Dokumentationshilfe zur Verfügung.

Erst 2019 haben sich die zuständigen Bundesländer auf einheitliche Maßstäbe für den Vollzug der Verordnung geeinigt. Dies zeigt, wie komplex die Materie ist. Auch wenn die Vollzugshinweise für betroffene Unternehmen keine Rechtskraft entfalten, bieten sie gute Anhaltspunkte, wie die Pflichten aus der Verordnung rechtskonform umgesetzt werden. Sie sind unter dem Stichwort „LAGA M34“ im Internet zu finden.

Autor:

Peter Sülzen
Telefon 069 8207-244
suelzen@offenbach.ihk.de

Die Gewerbeabfallverordnung in der Praxis

Wird die GewAbfV zumindest in Hessen einheitlich umgesetzt? Das beleuchtet die Veranstaltung aus Sicht des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, des Regierungspräsidiums als Vollzugsbehörde, eines Entsorgungsunternehmens sowie eines Abfallerzeugers aus der Region.

Termin: 12. März 2020, 14:00 bis 17:00 Uhr
Ort: IHK Offenbach am Main
www.ihkof.de/GewAbfV