Image der dualen Berufsausbildung muss noch besser werden

Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt weiter

Mit 1.371 neuen Ausbildungsverträgen erreichte die IHK Offenbach am Main im aktuellen Ausbildungsjahr ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr (1,8 Prozent). Trotz gestiegener Bewerberzahlen bei der Agentur für Arbeit Offenbach ist die Anzahl an unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätzen ebenfalls von 51 (2016) auf 82 gestiegen.

Auszubildende sind die Fachkräfte von morgen. Foto: auremar – stock.adobe.com

IHK-Vizepräsident Hans-Joachim Giegerich erklärte: „Im Saldo gibt es deutlich mehr offene Stellen als unversorgte Bewerber. Inzwischen geben 30 Prozent der Betriebe bei einer IHK-Umfrage an, dass nicht alle angebotenen Plätze besetzt werden konnten. Dass die Zahl der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsplätze um 180 gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, liegt daran, dass die Betriebe verstärkt eigene Wege, wie Teilnahme an Bildungsmessen, Soziale Medien oder Schulkooperationen, einschlagen und diese Stellen nicht mehr bei der Arbeitsagentur melden.“ Gleichzeitig zeige die wachsende Bewerberzahl, dass die Akquise durch die Agentur für Arbeit in den Schulen offensichtlich erfolgreich sei.

Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach, präsentierte die aktuellen Ausbildungsmarktzahlen: „Im Agenturbezirk waren im abgelaufenen Berichtsjahr 3.154 junge Leute ausbildungssuchend gemeldet, 8,8 Prozent mehr als 2015/16. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen zurück auf 2.048, das sind acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Wir freuen uns, dass mehr junge Leute als im Vorjahr Interesse an einer Ausbildung gezeigt haben und viele auch den Weg in die Ausbildung gefunden haben.

Auch in Zukunft braucht der Arbeitsmarkt Fachkräfte. Und zwar insbesondere Fachkräfte, die ihre praktischen und theoretischen Fähigkeiten in einer dualen Berufsausbildung erworben haben. Die duale Berufsausbildung fristet im Ansehen vieler Jugendlicher und ihrer Eltern leider eher ein Schattendasein. Gerade Eltern mit nichtdeutschem Hintergrund ist häufig nicht bewusst, dass eine duale Berufsausbildung ein Einstieg in eine solide, lebenslange berufliche Laufbahn sein kann – und man alle Karrieremöglichkeiten offen hat, bis hin zum Studium. An der Aufgabe, Mütter und Väter besser zu informieren, müssen wir noch stärker arbeiten. Und weiterhin müssen wir natürlich auch daran arbeiten, die Jugendlichen für die duale Ausbildung zu begeistern.

Ausbildungsbetrieben möchte ich ans Herz legen, sich mit den Jugendlichen auseinanderzusetzen, die jetzt da sind – und nicht zu hoffen, dass in ein paar Jahren bessere vor der Tür stehen. Unternehmen tun gut daran, den jungen Leuten eine Chance zu geben, die jetzt ausbildungswillig sind – auch wenn sie ihnen vielleicht nicht hundertprozentig gefallen. Erstens entwickeln sich junge Leute, gerade in diesem Alter, beständig weiter. Viele machen Riesenfortschritte, wenn sie den geschützten Raum Schule verlassen. Zudem gibt es pädagogische und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten: beispielsweise die Assistierte Ausbildung für eine pädagogische Begleitung von Anfang an und ausbildungsbegleitende Hilfen zum Abbau von Schwächen, die während der Ausbildung auftreten.

Junge Menschen mit Fluchthintergrund werden den Bedarf an Fachkräften nicht alleine decken können. Häufig sind die jungen Erwachsenen, die als Flüchtlinge bei uns leben und bleiben wollen, sehr motiviert, sehr fleißig und haben ein sehr gutes Gespür dafür, dass die Integration in Arbeit ein wesentlicher Schritt in ihre Integration insgesamt ist. Aber selbst die engagiertesten unter ihnen werden nicht nach zwei Jahren Deutschunterricht aufschließen können zu den Jugendlichen, die hier groß geworden sind. Dazu braucht es viel mehr Zeit.“

Zur Situation im Handwerk sagte Alfred Will, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Berufliche Bildung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main: „Es ist wichtig, Eltern, Schülern, Schulen und Quereinsteigern wie Studien-Neuorientierern Informationen aus einer Hand anzubieten, um die Vielfalt der Karriereperspektiven durch die Duale Bildung im Handwerk erfolgreich darzulegen. Gemeinsam mit unseren regionalen Partnern, wie etwa den Kreishandwerkerschaften, haben wir eine Reihe von Beratungsangeboten und Praktikumsprogrammen im Angebot, die auf den Bedarf verschiedener Schulabgänger, bis hin zu Abiturienten, maßgeschneidert sind. Mit Erfolg: Wir haben 50 Studenten ins Handwerk vermittelt, mehr als 1.200 Schüler für Praktikumstage in unseren Berufsbildungszentren begrüßen dürfen, besonders talentierte durch unser Programm Handwerkstalente gefördert und durch das Programm ‚Passgenaue Besetzung‘ mehr als 50 Ausbildungsverhältnisse vermitteln können.“ Auch im Bereich der Werbung intensiviere das Handwerk seine Bemühungen um den Nachwuchs: „Es ist wichtig, die Sprache der Zielgruppe zu sprechen, etwa durch eine eigene WhatsApp-Sprechstunde und soziale Netzwerke. Dabei regionalisieren wir unsere bundesweite Dachmarkenkampagne ,Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht von nebenan‘, um die 130 Karrierewege im Handwerk bekannter zu machen“, sagt Will.

Initiative Ausbildungsbotschafter

Giegerich verkündete: „Um Schüler wieder für eine Berufsausbildung zu begeistern, startet die IHK 2018 die Initiative Ausbildungsbotschafter. Auszubildende werden von uns zu Ausbildungsbotschaftern geschult und werben dann in den Schulen für die jeweiligen Berufe. Außerdem sollen durch einen digitalen ,Ausbildungsatlas‘ alle Ausbildungsmöglichkeiten in der Region Offenbach transparent gemacht werden.“

Ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt dabei sei die Flüchtlingsarbeit. Für das im Februar 2016 gestartete IHK-Projekt „Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung“ zog Giegerich folgende Zwischenbilanz: „Wir organisierten drei Berufsorientierungscamps in gewerblich-technischen Berufen mit insgesamt 105 Teilnehmern, 36 Flüchtlinge wurden in Einstiegsqualifizierungen vermittelt, 15 in Praktika, 20 in eine Berufsausbildung und vier in eine Festanstellung. Fünf besuchen weiterführende Schulen oder studieren.“