Wichtige überregionale Verkehrsprojekte in der Region Offenbach

Wirtschaft braucht freie Wege

Ob Straße, Luft, Wasser oder Schiene – die Verkehrsanbindung der Region Offenbach ist ausgezeichnet. Riesig sind aber auch die Herausforderungen.

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An vielen Stellen stößt die Verkehrsinfrastruktur deutlich an ihre Kapazitätsgrenze. Im Interesse der Unternehmen setzt sich die IHK Offenbach am Main für eine bedarfsgerechte und zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur ein. Folgende Verkehrsprojekte stehen besonders im Fokus:

Erweiterung, Umbau, Ausbau

Trotz Freigabe des Seitenstreifens in den Morgen- und Abendstunden ist der Streckenabschnitt auf der A 3 zwischen dem Autobahnkreuz Offenbach und der Anschlussstelle Hanau einer der größten Stauschwerpunkte Deutschlands. Im Bundesverkehrswegeplan ist sowohl das Offenbacher Kreuz als auch die Strecke in der höchsten Dringlichkeitskategorie eingeordnet. Diese Priorisierung erfolgte erst nach massiver Intervention der IHK Offenbach am Main gemeinsam mit Partnern. Der Baubeginn ist seitens des Bundes bis 2030 vorgesehen.

Im Vorfeld müssen langwierige Planungsverfahren durchlaufen werden. Diese Aufgabe obliegt den Ländern und wird nach Gründung einer Infrastrukturgesellschaft für die Fernstraßen auf den Bund übergehen. Aufgrund von Kapazitätsengpässen bei der zuständigen Landesbehörde Hessen Mobil können aber vorerst nur die Planungen für das Autobahnkreuz Offenbach in Angriff genommen werden. Ähnliches ist für den Ausbau der Strecke und den Umbau der weiteren Knotenpunkte vorerst nicht vorgesehen. Der Bau wird sich damit auf unbestimmte Zeit verzögern. Die IHK setzt sich seit Jahren intensiv für die Projekte als Gesamtpaket ein und wirbt dafür, mit den Planungen schnellstmöglich zu beginnen. An den Knotenpunkten wie der Anschlussstelle Obertshausen sollten kurzfristige Maßnahmen den Verkehrsfluss optimieren.

Die B 486 zwischen Langen und Mörfelden-Walldorf ist seit Jahren Unfallschwerpunkt und Engstelle im Straßennetz. Der Ausbau auf vier Streifen soll die Verkehrssituation entschärfen und die Verbindungsfunktion stärken. Straßenbegleitend ist ein Geh- und Radweg vorgesehen, der eine Entflechtung von motorisiertem und nicht-motorisiertem Verkehr zulässt. Das Planfeststellungsverfahren läuft derzeit. 2018 soll es einen Erörterungstermin geben. Ohne Verzögerungen, beispielsweise verursacht durch Klagen, könnten die ersten Baumaßnahmen des Projekts in einigen Jahren starten. Die IHK hat seit Jahren für den vierstreifigen Ausbau auch gegenüber der Kommunalpolitik geworben.

Regionaltangente West

Mit der Regionaltangente West (RTW) soll eine 38 Kilometer lange Schienenverbindung von Bad Homburg und Oberursel über Frankfurt-Höchst, den Frankfurter Flughafen nach Neu-Isenburg und Dreieich geschaffen werden. In der Diskussion ist zurzeit eine mögliche Verlängerung nach Langen.

Das Projekt verbindet zahlreiche große Arbeitsstätten miteinander, ohne die Kapazitäten am hochbelasteten Frankfurter Hauptbahnhof und City-Tunnel weiter einzuschränken.

Für Reisende und Pendler ergeben sich große Zeiteinsparungen, weil Umstiege entfallen. Die Planungskosten werden gemeinsam von den umliegenden Städten und Kreisen getragen. Die Europäische Union gibt Zuschüsse. Die Planfeststellung für den letzten Bauabschnitt wird voraussichtlich im Frühjahr 2018 eingeleitet. Die IHK hat zum Beispiel durch eine Plakatkampagne auf die Bedeutung der RTW vor allem auch für die Unternehmen hingewiesen.

Planungsidee „Südtangente“

Mit einer südlich vom Main entlanggeführten Schienenstrecke von Aschaffenburg über Offenbach, Frankfurt Süd, Frankfurt Flughafen und gegebenenfalls weiter nach Wiesbaden würde die Ost-West-Verbindung in der Metropolregion erheblich gestärkt werden, ohne den Kapazitätsengpass Frankfurter City-Tunnel weiter zu belasten.

Die IHK setzt sich dafür ein, in einer verkehrlichen Untersuchung die Machbarkeit und den Nutzen des Projekts zu prüfen. Hierbei sollte insbesondere geprüft werden, wie eine Anbindung der umliegenden Städte und Gemeinden erfolgen kann. Dies könnte durch eine Verknüpfung mit dem S-Bahn-Netz über den Halt „Offenbach Ost“ gewährleistet werden. Denkbar wäre auch eine S-Bahn-Linie von Rödermark und Rodgau kommend über Offenbach, Frankfurt Süd und den Flughafen. Nicht nur der mittlere Teil des Kreises Offenbach, sondern auch der Süden von Frankfurt würde durch eine direkte Schienenverbindung zum Flughafen maßgeblich profitieren. Die Planungsidee sollte bei den Untersuchungen zur Ausweitung der Schieneninfrastruktur in der Metropolregion FRM berücksichtigt und künftig weiterverfolgt werden.

Verkehrsader Main

Durch eine Vertiefung der Fahrrinne auf dem Untermain von 2,90 auf 3,30 Meter wäre eine deutlich bessere Auslastung der Schiffe möglich. Die Binnenschifffahrt ist eine wichtige umweltfreundliche Alternative zur Bewältigung des wachsenden Güterverkehrs. Für einen flüssigen Verkehr auf dem Main sollte außerdem die Schleuse Mühlheim zwischen Hanau und Offenbach um eine Kammer erweitert werden.

Die Fahrrinnenvertiefung ist als Wasserstraßenprojekt in der höchsten Dringlichkeitskategorie des Bundesverkehrswegeplans eingeordnet. Der Baubeginn soll also prinzipiell bis 2030 erfolgen. Bisher fanden nur Voruntersuchungen statt. Noch ist kein offizielles Planfeststellungsverfahren in die Wege geleitet worden.

Autorin:

Judith Müller
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