Kidztest GmbH in Dietzenbach bietet Bewertungsvideo-Plattform für Kinder

„Wir wollen nicht nerven“

Jeder Nutzer von klassischen Video-Plattformen im Web kennt das: Bevor man sich das eigentliche Filmchen anschauen kann, kommt erst ein Werbeblock. Klar, die Webseitenbetreiber verdienen mit dieser Werbung ihr Geld. Geld verdienen will die Dietzenbacher Kidztest GmbH mit ihrer Videoplattform für Kinder von neun bis 15 Jahren auch.

Die Kidztest-Macher (v.l.n.r.): Erik Borner (Gründer), Masood Bashary (Marketing) und Theo Balon (Vertrieb). Nicht auf dem Bild, aber im Team sind Markus Rath (Programmierung) und Stefan Friedrich (Geschäftsführer). Foto: Linke/IHK

Aber: „Wir wollen nicht mit Werbung nerven“, erklärt Gründer Erik Borner, der zusammen mit Stefan Friedrich die Geschäftsführung des Start-up-Unternehmens stellt. Vorfinanziert von einem Dietzenbacher Unternehmer, der an das Potenzial der Geschäftsidee glaubt.

„Hi, ich möchte euch heute meine Schlittschuhe vorstellen.“ Ob nun Schlittschuhe oder Füller, Skateboard und Computerspiel, mit diesem Satz beginnen mehr oder weniger alle Videotestberichte von Kindern und Jugendlichen. Es werden die Vor- und Nachteile der Produkte genannt, abschließend erfolgt eine Bewertung von „wow“ (Note 1) bis „no“ (Note 5). „Wir haben tatsächlich etwas Einzigartiges ins Leben gerufen, eine eigenständige und unabhängige Meinungsplattform  für Kids und Jugendliche. Von Eltern, zusammen mit Kids, für Kids gemacht“, so Borner.

In Zeiten von „Fake-News“ und „Fake-Bewertungen“ oder den Meinungen einzelner Blogger wolle Kidztest mit seiner „Stiftung Warentest für Kids“ zum „Qualitätssiegel der Ehrlichsten der Gesellschaft“, der Kinder, werden. „Bei uns sagen die Jugendlichen, frei von der Leber weg, ihre Meinung über alles, was sie toll oder nicht so toll finden. Deren Kreativität sind natürlich keine Grenzen gesetzt. In kurzen Videochecks berichten sie über alles, was ihnen wichtig ist: von der Milch im Kühlschrank über Sportsachen bis hin zum Schulzeug, Elektronik, Kosmetik, Computer, Klamotten, Spielen oder dem Park um die Ecke – einfach alles, was sie täglich umgibt“, verdeutlicht Borner. Einen pädagogischen Effekt sieht er auch. Wenn die neuen Turnschuhe nach kurzer Zeit kaputt seien, werde hinterfragt, warum sie kaputt sind. Borner: „Bei uns beschäftigen sich die Kids und Jugendlichen wieder mit dem Wert einer Sache. Sie gehen der Qualität und den Versprechen der Hersteller in kurzen Bewertungsvideos auf den Grund und werden damit zu echten Meinungsmachern.“ Für jeden Videocheck bekämen sie Punkte – sogenannte „Kidcoins“ – und dafür „coole“ Prämien, die sie wiederum bewerten könnten. „Wir haben zudem einige ,Benefits‘ für die Jugendlichen selbst, wie soziales Engagement innerhalb der Community, Sensibilisierung für sicheres Chatten untereinander – hier arbeiten wir mit einem weiteren hessischen Start-up zusammen – und die Möglichkeit der Spende der erreichten Prämien an ausgewählte, regionale Einrichtungen und vieles mehr“, so Borner. Die Prämien würden von Unternehmen zur Verfügung gestellt. Für diesen besonderen „Dauerwerbeplatz“ müssen diese Unternehmen natürlich eine Gebühr zahlen. Man nehme aber nicht jeden, sondern nur ausgewählte Partner. Werbung auf der Webseite soll nur im eingeschränkten Umfang möglich sein, dafür wäre sie umso begehrlicher. So die Geschäftsidee. Erste Erfolge konnten schon gefeiert werden. Borner: „Wir starteten unseren Softlaunch mit der Nürnberger Spielwarenmesse im Februar 2017. Die Verhandlungen mit ersten Prämienpartnern verliefen vielversprechend. Auch die Kids sind schon aktiv beim Testen. Täglich kommen bisher im Schnitt zwei neue Test-Videos hinzu. Ein Anfang ist also gemacht, um eine Internetseite zu werden, durch die sich die Kinder automatisch wieder mehr mit der realen Welt beschäftigen, alles was sie dort umgibt, genauestens unter die Lupe nehmen und ihre Meinung darüber dann auf Kidztest mit anderen teilen.“

Kids und Jugendliche, die Tester werden wollen, melden sich mit Spitznamen und Passwort kostenlos an. Der Kids-Bereich soll laut Betreiber eine reine Zone für Kinder sein. Die einzigen zugelassenen Erwachsenen seien die Kidztest-Mitarbeiter. Neue Mitglieder würden erst freigeschaltet, wenn sie ein erstes eigenes Video hochgeladen haben, in dem sie unbedingt selbst auftreten müssen, damit sicher ist, dass es sich wirklich um ein Kind handelt, und dies dann den Betreiber-Check bestanden habe. „Jedes einzelne Video wird überprüft. Das dürfte weltweit einzigartig sein“, so Borner. Besonders auffällige Schimpfwörter seien tabu. Persönliche Daten dürften ebenfalls nicht genannt werden. Datenverkauf käme für das Unternehmen ohnehin nicht in Frage. Für die Zukunft sei eine Kidztest-TV-Show geplant. Verhandlungen mit weiteren Investoren und Fernsehsendern sind die nächsten Schritte des jungen Unternehmens. Kann so ein Geschäftsmodell funktionieren? Die Kidztest-Macher sind davon überzeugt. Die Rückmeldung auf der diesjährigen CeBIT sei gewesen: „Dieses noch kleine, hessische Start-up mit großen Zielen hat das Potenzial, die Internet-Bewertungswelt ganz neu zu definieren – durch die entwaffnende Echtheit der Ehrlichsten der Gesellschaft.“

Autor:

Klaus Linke
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