„Wir reißen uns drei Beine für die Kunden aus“

Haushaltswarengeschäfte sind selten geworden, aber es gibt sie noch. Werner Dröll führt eines davon im historischen Ortskern von Dreieichenhain.

Ein buntes Sortiment an Haushaltswaren bietet Werner Dröll auf 600 Quadratmetern in seinem Geschenkhaus in Dreieichenhain an. Foto: Arens-Dürr/IHK.

Töpfe, Pfannen, Kuchenformen – was in keiner Küche fehlen darf, führt Dröll auf 600 Quadratmetern Verkaufsfläche, dazu vieles, womit sich ein Tisch schön decken lässt. Auch Geschenkartikel, einige Elektro-Kleingeräte und Schmuck gehören zum Sortiment. „Ich denke, meine wichtigste Aufgabe ist es, für unsere Kunden eine Vorauswahl zu treffen und hier zu präsentieren. Dafür laufe ich mir auf Messen die Hacken ab, zum Beispiel in den zehn Hallen der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt“, erklärt er. Begeistert demonstriert er ein Raumparfüm, das er dort gefunden hat: „Es neutralisiert nicht nur Gerüche, sondern desinfiziert auch die Luft.“ Auch die Lampe „Seidenflamme“, die ein Kaminfeuer simuliert, hat er von der Messe mitgebracht.

Immer gehe es darum, dass Preis, Leistung und Design stimmen, eine angemessene Bandbreite im Laden präsentiert wird und regelmäßig Neues angeboten werden kann. Dass seine Kunden nicht mehr nur aus Dreieich, sondern selbst aus Darmstadt und Frankfurt kommen, ist ihm eine Bestätigung. „Ich höre oft, dass man bei mir das Richtige findet.“ Entspannter als in den Großstädten ist der Einkaufsbummel im beschaulichen Dreieichenhain mit seinen Fachwerkhäusern und der Burgruine allemal. Parkplätze für die Kundschaft hat Dröll im Hof.

Teekanne im Hexenhaus

In der dritten Generation führt der 56-Jährige das Traditionsgeschäft, dessen Räume sich auf Vorder- und Hinterhaus, Anbauten und bis in die Kellergewölbe erstrecken. Am Türsturz einer alten Stube mit dick überstrichenem Lehmstuck an der Decke ist die Jahreszahl 1592 zu lesen. Der Legende nach lebte die „Hexe vom Hayn“ in diesem Teil des Gebäudes. Heute findet der Kunde dort unterschiedlichstes Zubehör zum Kochen und Genießen von Kaffee und Tee.

Dröll hat eine Ausbildung zum Elektriker gemacht und Wirtschaftsinformatik studiert, bevor er ins Familienunternehmen einstieg. Entsprechend war der Internet-Handel für ihn von Anfang an eine Option. „Wir hatten früh einen Online-Shop begonnen und haben eine hohe Position im Google-Ranking erreicht. Aber im Internet gibt es fast nur noch Sonderpreise. Ich kann die Waren doch nicht im Laden regulär anbieten und online billiger“, sagt er und fragt sich, wie die Zukunft aussieht, wenn Firmen ständig unter Preis verkaufen. „Wir reißen uns drei Beine für unsere Kunden aus, aber wir müssen ja auch noch etwas verdienen.“ Dennoch bietet er weiterhin Waren aus seinem gesamten Sortiment nach Herstellern und Einsatzgebieten sortiert online an. Einen virtuellen Hochzeitstisch, wo Brautpaare ihre Wunschgeschenke platzieren können, richtete er schon 2002 ein.

Kein Interesse an Ausbildung

Viele seiner Kunden wollten die Artikel aber lieber ansehen und in die Hand nehmen. Außerdem werde der Service, den er und seine vier Mitarbeiterinnen bieten, gerne in Anspruch genommen. In der Beratung suche man gemeinsam mit dem Kunden nach dem von Preis und Qualität her am besten passenden Produkt. Wer sich unsicher sei, ob das Besteck oder die Gläser ins Wohnzimmer passen, könne sie probeweise mit nach Hause nehmen. Und Dröll hält Musterstoffe für Tischwäsche bereit, die auf Maß genäht wird. Auch der Tourismus spielt für das Geschenkhaus eine Rolle. Dröll berichtet: „Zu uns kommen Japaner, die wollen keine japanischen Messer, sondern unbedingt welche aus Solingen.“

Sorgen macht dem Händler die Fachkräftesituation: „Mindestens drei von uns müssen immer im Laden sein, um zu beraten, zu verkaufen, auszupacken und zu ordern. Ich würde gerne ausbilden. Aber es findet sich niemand, der Einzelhandelskaufmann lernen will.“

Unternehmen:

Geschenkhaus Dröll
Fahrgasse 36-38
63303 Dreieich/Dreieichenhain

Kontakt:

Werner Dröll
Telefon (06103) 82118
E-Mail mail@droell.com
Internet www.droell.com