Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Eine Unmenge an Studien und Prognosen versucht diese Frage zu beantworten und zeichnet dabei gern ein düsteres Bild: Die Disruptivität der Digitalisierung führt zum Untergang Deutschlands als Wirtschaftsstandort. Künstliche Intelligenz beseitigt Jobs und verursacht drastisch steigende Arbeitslosigkeit. Und der demographische Wandel bewirkt massiven Fachkräftemangel.

Angst und Verunsicherung bei dem Blick in die Glaskugel sind groß. Beschäftigte bangen um ihre Jobs und ihre Zukunftsperspektiven. Unternehmen fragen sich, ob sie für den Arbeitsmarkt der Zukunft noch attraktiv sind, ob sie bereits die richtigen Vorkehrungen getroffen haben oder ob sie – gemäß den Worten des Philosophen Richard David Precht – nur die Liegestühle auf der Titanic umdekorieren.

Aber Angst war noch nie ein guter Ratgeber.

Deshalb plädiere ich dafür, den Wandel als Chance zu begreifen: Technische Entwicklungen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind als Treiber für Innovationen und Produktivitätssteigerung zu sehen. Gesellschaftspolitisches Verlangen nach mehr Menschlichkeit im Beruf, nach mehr Nachhaltigkeit und Agilität ist als gesellschaftlicher Fortschritt wahrzunehmen.

Unternehmen in allen Branchen erhalten die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und mitzugestalten. Beschäftigte profitieren von der globalen Vernetzung, die zu Veränderungen der Arbeitsbedingungen, insbesondere zur Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort führt und neuartige digitale Jobprofile entstehen lässt.

Digitale Nomaden, die nach Unabhängigkeit und Abwechslung im Beruf streben, werden keine Seltenheit sein. Für die neue Generation der Digital Natives, unsere Fachkräfte von morgen, sind Wertschätzung, Vertrauen, Diversity sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei der Berufswahl relevante Faktoren. Diese Bedürfnisse werden entscheidende Kriterien im Ringen um Fachkräfte sein und die Attraktivität des Arbeitgebers bestimmen. Wir sollen die Herausforderungen als Chance verstehen, die zukünftige Arbeitswelt menschlicher zu gestalten.

Ich plädiere daher für Optimismus statt Digitalphobie.

Ihre

Violetta Reimelt

Violetta Reimelt ist Geschäftsführerin der Viva FamilienService GmbH in Rödermark und Vizepräsidentin der IHK Offenbach am Main. Foto: IHK