Wie KI die Unternehmenskommunikation verändert

Wer sich nicht mit KI befasst, den wird sie den Job kosten

Aufgeschlossenheit ist eine der wichtigsten Eigenschaften für Mitarbeiter in der Unternehmenskommunikation. Dennoch stehen viele von ihnen neuen Technologien wie etwa Automatisierung und künstlicher Intelligenz (KI) skeptisch gegenüber. Jeden Technologietrend zu bejubeln, wäre genauso falsch, wie ihn von vornherein kategorisch abzulehnen. Entscheidend ist, die neuen Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen.

Gabriele Horcher ist Kommunikations-Wissenschaftlerin, Vortrags-Rednerin und Geschäftsführerin der Möller Horcher Public Relations in Offenbach. Foto: Möller Horcher

KI verändert bereits heute die Art und Weise, wie wir in der Kommunikation arbeiten: Digitale, sprachgesteuerte Assistenten helfen, schneller an relevante Informationen zu kommen, Dinge zu bestellen oder sogar Fotos und Grafiken zu bearbeiten. Es gibt Funktionen wie Text-zu-Sprache oder Sprache-zu-Text, Übersetzungen von Texten und Gesprächen, automatisierte Bilderkennung oder Texterstellung. Wiederkehrende Prozesse zu automatisieren, spart viel Zeit, verbessert den Durchsatz und die Ergebnismenge enorm.

KI kann aber nicht nur Zeit sparen, sondern auch ganz neue Erkenntnisse erbringen. Durch die Analyse von Verhalten etwa in Social Media, aber auch von Anrufen und Gesprächen, die Auswertung und Interpretation von Gesichtsausdrücken oder von Körpersignalen wie Herz- und Atemfrequenz können Algorithmen nicht nur herausfinden, was eine Person in einem bestimmten Moment will – sie erkennen, wie sie sich in diesem Moment fühlt oder ganz generell tickt. So lassen sich die spezifische Ansprache, das Angebotsportfolio und sogar der individuelle Preis anpassen.

Der österreichische Managementwissenschaftler Fredmund Malik sagt, er kenne keinen erfolgreichen Manager, der nicht im Laufe seines Lebens mehrmals seine Arbeitsmethodik angepasst habe. Genau das ist die Chance, die KI eröffnet. Sie kann hochspezialisierte, wiederkehrende Aufgaben erledigen – deutlich schneller und besser als Menschen. Davon kann auch der kreative Bereich profitieren. Denn wer in der Unternehmenskommunikation klagt nicht, dass ihm Zeit zum Entwickeln von guten Strategien oder für ein sinnvolles Messaging fehlt?

Was KI dagegen heute und morgen noch nicht kann, ist, einen Kommunikationsjob mit vielfältigen Aufgaben zu ersetzen. Mittelfristig wird es in den Marketing-Abteilungen aber neben den menschenorientierten Mitarbeitern auch deutlich mehr faktenorientierte Menschen geben, die besser mit der Analyse von Daten und mit den neuen, datengetriebenen Technologien zurechtkommen.

Unternehmen sind gut beraten, Ressourcen für die notwendigen Schritte in ihrer Kommunikation zur Verfügung zu stellen. Um realistische Ziele und Grenzen zu setzen, muss sich die zuständige Abteilung zunächst ein Bild vom derzeitigen Status der technischen Möglichkeiten und Einsatzszenarien machen. Häufig bieten Branchenverbände, Messe- und Kongressveranstalter Vorträge und Workshops zu den Trendthemen an. Auch Inhouse-Workshops sind möglich.

Während die Ziele meist schnell festgelegt sind, ist es deutlich schwieriger, Grenzen zu ziehen. Oft gelingt dies erst in einem nächsten Schritt.

Indem die Unternehmenskommunikation mit Automatisierung und KI experimentiert, trainiert sie ihre Zukunftsfähigkeit. Für die Recherche nach passenden Tools empfiehlt es sich, jemanden zu benennen, der sowohl technologie-affin ist als auch gut Englisch spricht. Viele Technologieanbieter offerieren kostenfreie Probe-Accounts und unterstützen Anwender beim Experimentieren.

Prinzipiell kann jedes Unternehmen jeden Schritt auf dem Weg zu Automatisierung und KI selbst gehen – Prüfung und Implementierung eingeschlossen. Letztlich ist es eine reine Zeitfrage, ob ein Unternehmen auf externe Experten zurückgreifen möchte oder sich das Know-how lieber komplett selbst aufbaut.

Fazit

Der Wandel in der Unternehmenskommunikation ist allgegenwärtig. Auch für mittelständische Unternehmen gilt es, dies zu akzeptieren – und die Veränderungen aktiv mitzugestalten. Eine gesunde Skepsis gegenüber allzu rosigen Versprechungen in Sachen KI ist durchaus ratsam. Aber es wäre fatal, damit die eigene Untätigkeit entschuldigen zu wollen.


Beispiel-Anwendungen „Zeit sparen“

Digitale Assistenten – Alexa Nutzung über PC
https://bit.ly/2ChWQ5f

Fotos bearbeiten – Adobe Interactive Agent
https://bit.ly/2iAwjWV

Text-zu-Sprache – Amazon Webservices
https://amzn.to/2SUzojX

Übersetzung von Texten – DeepL
https://www.deepl.com/translator

Übersetzung Gespräch – Microsoft Translator App
https://bit.ly/2GhR73l

Bilderkennung – Google Vision
https://cloud.google.com/vision/

Texterstellung –Retresco
https://www.retresco.de/

Beispiel-Anwendungen „Neue Erkenntnisse zu Kunden“

Analyse von Anrufen – Mattersight
https://www.mattersight.com/

Gesichtsausdrücke – affectiva
https://www.affectiva.com/

Atem-/Herzschlagfrequenz – EQ-Radio
http://eqradio.csail.mit.edu/


Autorin:

Gabriele Horcher
Telefon (069) 80 90 96-52
gabriele.horcher@moeller-horcher.de
www.moeller-horcher.de