Vielversprechende Erfahrungen mit der Vier-Tage-Woche

Wenn Donnerstag schon Freitag ist

Neue Arbeitszeitmodelle dienen nicht nur der Steigerung der Arbeitgeberattraktivität.

Ralf Freudenthal ist Gründer der Innovationsberatung Futurebirds, die auf zukunftsfähige Arbeitsformen spezialisiert ist. Foto: Futurebirds

„Die Zeit ist reif“, lautete die Überschrift des Spiegel im Jahr 1955. Während der Staat damals vornehmlich aus wirtschaftlichen Gründen weiterhin für eine 48-Stunden-Woche einstand, setzte sich die Gewerkschaft für eine Reduzierung der Arbeitszeit ein.

Nach und nach experimentierten erste Unternehmen damit, die 48 Stunden auf fünf Tage zusammenzudrängen. Weiterhin wurde die Arbeitszeit im Laufe der Zeit um einige Stunden verringert. Obwohl die Ergebnisse gut waren, dauerte es noch viele Jahre, bis sich die 40-Stunden-Woche in Deutschland als Standard durchsetzen konnte.

Fünf Tage die Woche – etwas mehr als acht Stunden am Tag. So sieht die normale Arbeitswoche eines Angestellten laut Statistischem Bundesamt in der Regel heute aus. Doch ist das in Zeiten von mobilen Arbeitsmöglichkeiten und dem Wunsch nach mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch zeitgemäß?

Noch ist das Gerüst zu starr

Laut einer Befragung des Statistischen Bundesamtes würde jeder Zweite gerne weniger arbeiten. 39,4 Prozent der Befragten würden gerne bis zu zehn Stunden weniger, 8,3 Prozent sogar über zehn Stunden pro Woche weniger arbeiten.

Betrachten wir unsere heutigen Lebensmodelle, ist dieser Trend nicht verwunderlich: Neben dem Job wünscht man sich ausreichend Zeit mit der Familie und für Freunde. Darüber hinaus sucht man auch noch Zeit für sich. Vorbei scheint offenbar die Zeit, in der die Karriere an erster Stelle steht.

Zu starr erscheint deshalb vielen das Modell, von Montag bis Freitag den ganzen Tag in einem Bürogebäude zu sitzen. Zumal wir mittlerweile auch über die technischen Möglichkeiten verfügen, unsere E-Mails an anderen Orten zu bearbeiten oder online an Meetings teilzunehmen.

Dies wird ebenfalls eindringlich durch eine Studie des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2019 bestätigt: 96 Prozent aller Befragten wünschen sich, ihre Arbeitszeit frei einteilen zu können, 82 Prozent eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Was heißt das für die Unternehmen?

Aus der Perspektive der Arbeitgeber ist es demnach mehr als sinnvoll, sich mit dieser Entwicklung ernsthaft zu befassen. Und damals wie heute beginnen bereits erste Unternehmen, mit neuen Modellen zu experimentieren.

Die Flexibilisierung der täglichen Arbeitszeit ist sicher eine bereits bekannte Form. Homeoffice, Jobsharing, Zeitkonten sind weitere Möglichkeiten. Dabei findet die Flexibilisierung allerdings immer nur im Rahmen der 40-Stunden-Woche statt.

Interessant sind deshalb Modelle, die ebendiesen Rahmen neu denken. So finden sich bereits zahlreiche Unternehmen, die heute nur noch eine Vier-Tage-Woche haben.

So zum Beispiel ein Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich. Zehn Prozent der Belegschaft lebt das Angebot der Vier-Tage-Woche bereits. Die meisten Mitarbeiter, die diese Möglichkeit nutzen, sind Mütter und Väter. Oder aber Kollegen, die pendeln müssen und froh sind, das nur an vier Tagen tun zu müssen. Wiederum andere nutzen den freien Tag, um sich weiterzubilden, zu studieren – oder ganz für sich. Es gibt sogar einige Führungskräfte, die dieses Modell in Anspruch nehmen.

Finanziell bedeutet das in diesem Fall, dass die Mitarbeiter dafür auf ein Fünftel ihres Einkommens verzichten. Denn einen vollen Ausgleich zahlt das Unternehmen nicht. Trotzdem steigt die Nachfrage kontinuierlich. Das Beispiel zeigt, dass das Leben neben der Arbeit eine immer wichtigere Rolle spielt.

Produktivität profitiert

Interessanterweise berichten die Unternehmen eines: Ihre Mitarbeiter sind produktiver. Dies liegt oft daran, dass die Firmen dazu auch ihre Arbeitsorganisation entsprechend modernisieren. Sie praktizieren agilere Formen der Arbeit. Diese sind stark darauf ausgerichtet, die anfallenden Aufgaben zu fokussieren und effektiv zu kommunizieren.

Außerdem ist es eben auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter, die zu mehr Identifikation mit dem Unternehmen, der Arbeit und somit zu mehr Produktivität führt.

Somit können neu gedachte Arbeitszeitmodelle nicht nur die Zufriedenheit der Mitarbeiter verbessern. Sie steigern die Attraktivität des Arbeitgebers und sie sichern – richtig eingeführt – die Produktivität. Dabei ist zu beachten, dass nie nur ein Element alleine die Lösung schafft. Es ist immer die ganzheitliche Betrachtung.

Autor:

Ralf Freudenthal
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