Weiterbildung: So hilft der Staat Beschäftigten und Unternehmen

Förderprogramme halten Zuschüsse für Lehrgänge und Lohnfortzahlung bereit. Besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren davon.

Die Sorgen wachsen: Zwei von drei Unternehmen in Deutschland sehen mittlerweile im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre künftige Geschäftsentwicklung. Das ergab eine Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Und die Befürchtungen scheinen allein schon vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft berechtigt zu sein: Bis 2060 wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter hierzulande voraussichtlich um 20 Prozent sinken. Hinzu kommt die zunehmende Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung. Sie macht auf der einen Seite viele Jobs überflüssig, gleichzeitig werden ganz neue Qualifikationen und Ausbildungsinhalte notwendig. „Angesichts dieser Herausforderungen ist es wichtig, mehr Menschen als bisher besser für das Arbeitsleben zu qualifizieren“, sagt DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer.

Der Gesetzgeber trägt dieser Entwicklung seit Anfang des Jahres mit dem neuen Qualifizierungschancengesetz Rechnung. Sein Ziel ist es, „frühzeitig und präventiv die Beschäftigungsfähigkeit der oder des Einzelnen zu verbessern, präventiv dem Eintritt und der Verfestigung von Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken sowie Anpassungs- und Qualifizierungsbedarfe dem Betrieb transparent zu machen“, wie es in der Gesetzesbegründung heißt. Interessant vor allem für kleine und mittlere Unternehmen: Unter dem Stichwort „Weiterbildungsförderung Beschäftigter“ werden Qualifikationsmaßnahmen finanziell gefördert, die im Rahmen eines bestehenden Arbeitsverhältnisses stattfinden.

So übernimmt die BA einen Teil der Lohnfortzahlung, wenn Arbeitnehmer bei laufendem Gehalt für eine Weiterbildung freigestellt werden. Außerdem erstattet die Bundesagentur Lehrgangskosten für Umschulungen und Teilqualifizierungen sowie für Vorbereitungslehrgänge auf externe Prüfungen. Grundsätzlich sollen sich die Unternehmen laut Paragraph 82 des Sozialgesetzbuches III aber „in angemessenem Umfang an den Lehrgangskosten beteiligen“. Ausschlaggebend für die Höhe der Zuschüsse zu Lehrgängen ist deshalb die Größe des Unternehmens. Betriebe mit zehn bis 250 Beschäftigten können sich 50 Prozent der Kosten erstatten lassen. Arbeitgeber, die zwischen 250 und 2.500 Mitarbeiter beschäftigen, erhalten Zuschüsse in Höhe von 25 Prozent. Bei großen Firmen mit mehr als 2.500 Beschäftigten sind es immerhin noch 15 Prozent, die bei einer entsprechenden Betriebsvereinbarung zur Weiterbildung auf bis zu 20 Prozent steigen können. Einen Sonderfall bilden kleine Betriebe von weniger als zehn Mitarbeitern: Hier trägt die BA die Weiterbildungskosten zu 100 Prozent und die Lohnfortzahlung zu 75 Prozent.

Bedingung für die Zuschüsse ist allerdings, dass die Weiterbildungsmaßnahme folgende fünf Kriterien erfüllt:

  • Inhalte, die dort vermittelt werden, müssen über kurzfristige und ausschließlich arbeitsplatzbezogene Anpassungsfortbildungen hinausgehen.
  • Seit dem Erwerb des Berufsabschlusses der Teilnehmer müssen mindestens vier Jahre vergangen sein.
  • Beschäftigte dürfen in den zurückliegenden vier Jahren vor der Antragstellung keine andere nach dieser Vorschrift geförderte Maßnahme zur beruflichen Weiterbildung genutzt haben.
  • Die Maßnahme hat eine Mindestdauer von 160 Stunden und muss von einem zugelassenen Träger im Betrieb oder außerhalb des Betriebes durchgeführt werden.
  • Maßnahme und Träger müssen für die Förderung zugelassen sein.

Neben der Weiterbildungsförderung für Beschäftigte sind aber auch noch andere Qualifizierungsmaßnahmen zuschussfähig. So fördert die „Initiative Zukunftsstarter“ Menschen zwischen 25 und 35 Jahren, die keine Berufsausbildung haben. Wenn sie einen formalen Berufsabschluss nachholen, können sie sich etwa Lehrgangsgebühren und Fahrtkosten erstatten lassen. Unternehmen, die Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss beschäftigen, erhalten Zuschüsse für Ausfallzeiten, die durch die Weiterbildung entstehen, sowie einen Beitrag zu den Sozialversicherungsausgaben.

DIHK-Präsident Schweitzer hält das für ein sinnvolles Instrument. Es trage dazu bei, dass „Betriebe immer öfter bereit sind, auch Arbeitslosen ohne Ausbildung eine Chance zu geben“. Bis 2020 sollen mit der „Initiative Zukunftsstarter“ 120.000 Teilnehmer zu einer abgeschlossenen Ausbildung kommen.

Ein weiteres Instrument der BA ist der sogenannte Eingliederungszuschuss. Er hilft Betrieben, die Arbeitslose mit erschwerten Vermittlungsbedingungen einstellen. Das sind beispielsweise fehlende Schulabschlüsse, gesundheitliche Handicaps oder längere Arbeitslosigkeit. Eingliederungszuschüsse zum Arbeitsentgelt können für bis zu zwölf Monate (in Ausnahmefällen auch länger) beantragt werden. Auf diese Zuschüsse besteht allerdings kein Rechtsanspruch. Über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit bzw. das zuständige Jobcenter.