Unternehmer klagen über Bewerbermangel

Vorteile der dualen Berufsausbildung klar kommunizieren

Die duale Berufsausbildung gilt als Erfolgsmodell, um das Deutschland weltweit beneidet wird, und gerade in der Region Offenbach ist die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen weiterhin sehr hoch. Aber in manchen Branchen fehlen immer häufiger passende Bewerber.

Unternehmen schätzen es, den eigenen Nachwuchs selbst durch eine duale Ausbildung gezielt zu qualifizieren. Das Finden von geeigneten Jugendlichen wird aber immer schwieriger. Foto: Fotolia

Die Suche nach beruflich qualifizierten Arbeitnehmern wird für die Wirtschaft in der Region Offenbach immer schwieriger. Dies zeigen zum Beispiel die Ergebnisse der aktuellen IHK-Standortumfrage (siehe Seite 12). Aber auch das Finden von passenden Auszubildenden wird zusehends kompliziert.

Die Zahl der bei der IHK Offenbach am Main eingetragenen Ausbildungsverträge ist seit einigen Jahren nahezu konstant. Mit 1.347 Verträgen gab es zum 1. September 2016 ein Plus von 1,9 Prozent an neuen Auszubildenden in unserer Region. Und es hätten noch mehr sein können. Denn viele Ausbildungsstellen konnten nicht besetzt werden. Im vergangenen Ausbildungsjahr war dies bei jedem vierten Angebot der Fall. Gerade unter den Betrieben im Handel, im Logistikbereich und in der Hotellerie gibt es immer eine Nachfrage nach guten Bewerbern.

Unternehmer berichten immer häufiger, dass ihnen keine geeigneten Bewerbungen für die offenen Ausbildungsstellen zugehen. Darüber hinaus klagen sie über die zu geringe Ausbildungsreife einiger Bewerber. Damit sind zum Teil schlechte Noten gemeint, aber auch das unangemessene Sozialverhalten einiger junger Menschen. In einer IHK-Onlineumfrage bemängeln die Ausbildungsunternehmen auch, dass viele Bewerber keine klaren Berufsvorstellungen mitbringen.

Praktikum als Chance

Nicht die Ausbildungsplätze, sondern die geeigneten Bewerber werden knapp. Mit welchen Strategien können Unternehmen darauf reagieren? Es lohnt sich, die Ausschreibungen zu den Angeboten zu überdenken und interessante Formulierungen zu finden. Bewerbergruppen, die bisher vernachlässigt wurden, sollten Chancen bekommen. Denn wer beispielsweise nicht mit hervorragenden Schulnoten punkten kann, kann sich im Praktikum doch als für eine Ausbildung geeignet entpuppen. Mehr Praktika anzubieten ist generell von großer Bedeutung, damit Ausbildungsbetriebe und Schulabsolventen sich kennenlernen können. Erfolgversprechend für die Gewinnung von Auszubildenden sind außerdem ein gutes Ausbildungsmarketing und Kooperationen mit Schulen.

Ausbildung statt Studium

In der Region Offenbach ist der Trend zum weiteren Schulbesuch und zum Studium unter den Jugendlichen deutlich zu spüren. Viele von ihnen starten mit der Einschreibung an einer Hochschule. Sie fehlen unter den Bewerbern um Ausbildungsplätze. Das trifft vor allem kleinere und mittlere Unternehmen, die in der Öffentlichkeit weniger bekannt sind, auch solche, die nicht verkehrsgünstig liegen und deren Ausbildungsangebot in den Augen der Jugendlichen nicht attraktiv ist. Gerade diese Unternehmen müssen stärker ins Azubi-Marketing einsteigen, wenn sie auch zukünftig den eigenen Nachwuchs ausbilden wollen. Hier heißt es: die Werbetrommel rühren, die Bekanntheit steigern, das Image verbessern und überzeugen.

Auch gilt es deutlich zu kommunizieren: „Karriere mit Lehre“ – das sind keine leeren Worte. Eine Berufsausbildung mit anschließender Weiterbildung ist tatsächlich eine lohnende Alternative zum Studium. Beruflich Qualifizierte mit einer angeschlossenen Weiterbildung sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt und werden überdurchschnittlich gut bezahlt. Darüber hinaus liegt deren Arbeitslosenquote unter der von Akademikern. Schließlich sind sich Unternehmen sehr wohl bewusst: Durch die Berufsausbildung mit anschließender Weiterbildung haben sie die Möglichkeit, ihre Fachkräfte gezielt zu qualifizieren und weiter zu binden.

Autor:

Thomas Süsser
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