Produkte, Know-how und Service weltweit gefragt

Vom Zusatzgeschäft zum Branchenprimus

Statt Löten, Schweißen, Schrauben oder Nähen ist Kleben heute oft die bessere Alternative. Spezialisiert darauf ist die Bodo Möller Chemie GmbH. Aus der Zentrale in Offenbach steuert das Unternehmen Aktivitäten an über 30 Standorten und in 60 Ländern in Europa, Asien, den USA und Afrika.

Die Bodo Möller Chemie GmbH handelt nicht nur mit den Klebstoffen führender Hersteller, sondern findet für ihre Kunden in eigenen Forschungseinrichtungen die bestmöglichen Anwendungslösungen. / Fotos: Bodo Möller Chemie

„Der Chemiehandel war ursprünglich Bodos Zusatzgeschäft“, berichtet Frank Haug. Nach Offenbach zog der Spediteur Bodo Möller in den 1970er-Jahren mit dem benachbarten Schwesterunternehmen Transbest, das heute noch von seiner Tochter Korinna Möller-Boxberger mit geleitet wird. Der Kunststoff-Chemiker Haug stieg 2000 mit einem klaren Ziel als Geschäftsführer bei Bodo Möller Chemie ein: Er hatte sich vorgenommen, Marktführer für Klebstoffe zu werden. „Ich habe nur ein Thema belegt und konsequent über 20 Jahre ausgebaut“, sagt er. Heute hat das Unternehmen 260 Mitarbeiter, davon 50 in der Senefelder Straße. Das Führungsteam hier wird komplettiert durch Jürgen Rietschle.

Es gibt unterschiedlichste Arten von Klebstoffen. Kein Hersteller hat alle im Angebot, sondern jeder von ihnen ist spezialisiert. Haug sagt, er hat zu jedem Klebstoff den wichtigsten Lieferanten gewonnen: „Jetzt sind wir der einzige Anbieter, der zu jeder Klebstoffart und -chemie den jeweiligen Marktführer wie Henkel, Huntsman, DOW und DuPont repräsentiert.“ 

Frank Haug 

hat dem Unternehmen ein charakteristisches Profil gegeben, mit dem es am Markt reüssiert. 

Früher sei er auf der Suche nach Neukunden oft abgewiesen worden. Das erlebt er nun anders: „Heute kommen die Firmen und sagen, bei der Bodo Möller Chemie bekomme ich alle Marktführer aus einer Hand. Sonst muss ja ich selbst mit sechs Herstellern reden.“ Dank der richtigen Partner auf Herstellerseite konnte er das Unternehmen vergrößern, das Portfolio um Ingenieur- und Laborservices sowie einen strukturierten Vertrieb erweitern. So sei er selbst Marktführer in Europa geworden.

„Zu unseren Kunden zählt alles, was Räder und Flügel hat – also Automotive, Bahn, Luft- und Raumfahrt. In der Elektro- und Elektronikindustrie sind wir auch gut aufgestellt, und wir beliefern die Komposit-Branche, Textilhersteller sowie die Farben-, Kunststoff- und Schmierstoffindustrie“, berichtet der Geschäftsführer.

Nicht Händler, sondern Anbieter von Lösungen

Das Besondere ist die Expertise von Bodo Möller Chemie. „Wir machen Chemie für den Konstrukteur verarbeitbar. Es gibt niemanden, der das sonst anbietet“, sagt er und geht ins Detail: „Der Konstrukteur braucht lineare Konstruktionsdaten. Aber Kunststoff verhält sich nicht linear, sondern elastisch und plastisch. Wir sind der Dolmetscher, der Chemie für die Industrie in konstruktive Daten übersetzt. So verstehen unsere Kunden das Material und können es verarbeiten. Es geht nicht um den Preis oder das Produkt, sondern um die Lösung.“

In eigenen „Adhesive Competence Centern“ in Polen, China und Mexiko werden Anwendungen getestet. Man wisse nicht immer im Voraus, welcher Klebstoff am besten geeignet ist. „Lieber ein Silikon oder ein Polyurethan? Man muss vielleicht mit beiden oder mehreren Produkten nach der Lösung suchen“, sagt der Experte. „Wir haben sieben Klebefachingenieure. Sie sind Ansprechpartner für unsere Kunden und unterstützen sie in der Auslegung der Klebstoffe von der Chemie her“, berichtet er. Auch Sachverständige beschäftigt Bodo Möller Chemie. Sie beurteilen sicherheitsrelevante Verklebungen, zum Beispiel an Hochhausfenstern oder Autos, und erstellen Prozess- und Arbeitsanweisungen.

Großen Wert legt das Unternehmen auf eine gute, globale Kundenbetreuung. „Unsere Kunden erwarten die gleiche Leistung wie in Europa auch in China und den USA. In China läuft das schon sehr gut. In den USA sind wir in der Start-up-Phase. Wir brauchen noch fünf, sechs Jahre, dann ist Bodo Möller Chemie der einzige globale Klebstoffspezialist mit dieser technischen Ausstattung und einem solchen Service“, prognostiziert er.

Zukunftsprojekte im Blick

Auf die richtigen Trends und Innovationen zu setzen, ist für Haug entscheidend. Das war für ihn und sein Team früh die Elektromobilität. Heute ist sie ein guter Umsatzbringer. Der 3-D-Druck ist ein anderes Zukunftsthema. „Unsere Drucker stehen bei einem Kooperationspartner in Darmstadt. Wir betreiben sie mit Henkel-Produkten und bieten alle gängigen Verfahren mit polymeren Wirkstoffen an, die es gibt – sowohl mit festem wie mit flüssigem Kunststoff“, berichtet er. In leitfähigen Silikonen, grundlegend etwa für Anwendungen in der 5-G-Technologie, sieht er ebenfalls großes Potenzial. Jetzt wird in Offenbach ein Schneidplotter für den individuellen Zuschnitt von Silikonpads eingerichtet. Auch leitfähige Tinten für smarte Anwendungen hat das Unternehmen im Fokus. „Wir investieren immer 20 bis 30 Prozent des Umsatzes in Innovation“, sagt Haug.

Bodo Möller Chemie hat die Corona-Pandemie gut verkraftet. Staatliche Unterstützung  wurde schnell und unbürokratisch bereitgestellt. Nach einem Einbruch im zweiten Quartal 2020 laufen die Geschäfte nun besser denn je. Aber es fehlt an Material, um die große Nachfrage, die vor allem aus dem Inland kommt, zu befriedigen. „Die Coronahilfen werden ausgegeben – am Bau, auf Schiene und Straße. Auch der Konsum ist gestiegen“, erklärt Haug. Zu 20 bis 30 Prozent sei Bodo Möller Chemie unterversorgt. Das werde sich nicht in absehbarer Zeit ändern. Und trotzdem sieht es gut aus: „Wir wachsen dieses Jahr um 35 Prozent und das wird so weitergehen. Wir haben fortlaufend neue Projekte.“

Europa ist sich selbst im Weg

Dass er lokal und global agiert, bietet Haug Einsichten und Vergleichsmöglichkeiten. Dabei kommt Europa nicht gut weg: „Europäische Politik beschäftigt sich zu wenig mit Zukunft. Wir verpassen den Anschluss wegen Kleinstaaterei und Kleindenkerei. Es fehlt Innovation. Wir sind uns selbst im Weg.“ Das koste Europa die Zukunftsfähigkeit. Wichtige Themen wie Kernfusion, Elektrifizierung und Wasserstoff erhielten zu wenig Aufmerksamkeit. Vor allem werde zu wenig in sie investiert.

„Die Politik muss schneller und effizienter agieren. Sie braucht mehr Mut, Selbstbewusstsein und Losgelöstheit von Parteiprogrammen. Wir müssen Schlüsseltechnologien wie Halbleiterproduktion, Batterietechnik und Fotovoltaik zurückholen. Die Wirtschaft darf nicht abhängig sein.“ Der Unternehmer hat genug Ideen, wie Europa und Deutschland besser vorankommen könnten.

Wenn auch manches besser werden muss, soll die Bodo-Möller-Chemie-Zentrale in Offenbach bleiben. Von hier aus will Haug die Marktführerschaft in Europa halten und sie in China und den USA erlangen. Alle Standorte sollen wachsen, mehr Produkte anbieten und denselben Servicegedanken wie in Offenbach verfolgen. „2021 erreichen wir einen Umsatz von mindestens 130 Millionen Euro. In vier, fünf Jahren sollen es 250 Millionen Euro sein. Das ist wichtig, denn dann sind wir global aufgestellt und kosteneffektiv. In zehn Jahren können wir 500 Millionen Euro Jahresumsatz erreichen. Als ich vor Jahren gesagt habe, dass ich 50 Millionen Euro anstrebe, wurde ich von manchen Leuten für verrückt erklärt. Aber mit fairem, gutem Miteinander und wenn man nach vorne schauend die Marktposition ausbaut, sind solche Vorgaben realistisch.“

www.bm-chemie.com

Birgit Arens-Duerr

Autorin

Birgit Arens-Dürr
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