Online-Handel mit regionalen Lebensmitteln

Vom Wochenmarkt an die Wohnungstür

Es ist Markttag, aber die Gelegenheit zum Einkaufen fehlt? Kein Problem. Das Start-up ‚Markthelden‘ liefert Frisches vom Offenbacher Wochenmarkt nach Bestellung im Internet direkt ins Haus.

André Klein hat „Markthelden“ in Offenbach gegründet und will seinen Online-Handel mit regionalen Lebensmitteln bald auf andere Städte im Rhein-Main-Gebiet ausdehnen. Foto: Klein

„Ich beschäftige mich leidenschaftlich gerne mit Geschäftsideen. Anfang 2016 entstand das Konzept zu ‚Markthelden‘“, sagt Gründer André Klein. Nach dem Bachelor-Examen sammelte der Wirtschaftswissenschaftler gerade Berufserfahrung im Digital-Bereich einer Unternehmensberatung und wusste, dass noch einige Monate bis zum Beginn seines Masterstudiums blieben. Der Zeitpunkt habe genau gepasst.

Der Einkauf bei „Markthelden“ funktioniert so: Im Online-Shop füllen die Kunden ihren virtuellen Korb bis Donnerstagabend mit Obst, Gemüse, Brot, Eiern, Fleisch oder anderen typischen Marktangeboten, die mit Preis, Herkunftsland und Händlernamen versehen sind. Sie können eine Wunschlieferzeit angeben, die „stundengenau“ eingehalten werden soll. Klein gibt die Bestellung an die Händler weiter, alles wird zusammengestellt und samstags zwischen 9:00 und 13:00 Uhr gegen eine Pauschale von 4,90 Euro geliefert – derzeit im Offenbacher Stadtgebiet sowie nach Frankfurt, Obertshausen, Heusenstamm und Neu-Isenburg.

Lokalität und Qualität

„Es gibt schon lange Firmen, die Lebensmittel von den Erzeugern zu den Kunden bringen. Ich fand das umständlich. Die Wege sind lang und damit auch die Kühlkette, die nicht unterbrochen werden darf. Mein Gedanke: Warum nicht lokale Wochenmärkte nutzen? Viele Kunden kennen die dortigen Händler. Sie vertrauen ihnen. Und wir sparen uns den Weg zum Bauernhof“, erklärt der 27-Jährige. Er fand Partner unter den Offenbacher Marktbestückern, von denen er sagt: „Sie sind der wichtigste Baustein, denn sie sind für die Lebensmittel verantwortlich. Sie stehen für Vertrauen, Lokalität und eben Qualität.“ Auch wichtig im Team seien die Fahrer, meist Studenten, von denen Klein sagt: „Sie repräsentieren ‚Markthelden‘ ja bei den Kunden.“

Der Service soll alle ansprechen, die Marktprodukte schätzen, es aber nicht auf den Offenbacher Wilhelmsplatz schaffen – sei es wegen Krankheit, Alter, Schwangerschaft oder Zeitmangel. Klein ist sicher: „Den Kunden bieten wir die Möglichkeit, sehr bequem an tolle, gesunde Lebensmittel zu gelangen. Unseren Händlern bringen wir einen Mehrwert durch die Online-Präsenz. Kaum einer hat eine eigene Website. Ein Stand auf dem Wochenmarkt mit all der Arbeit, die dahintersteckt, ist ja praktisch ein 24-Stunden-Job. Mit uns können die Händler nun allen Kunden sagen: ‚Schau mal, uns gibt es jetzt auch online. Du willst etwas von daheim aus bestellen? Dann geh‘ einfach auf ‚www.markthelden.de‘. Den Händlern bringen wir einen sicheren Mehrumsatz und sie wissen schon am Vortag, was sie über uns am kommenden Tag verdienen werden.

Harter Wettbewerb

Um das Start-up bekannter zu machen, setzt er bisher auf Kundenempfehlungen, Facebook und die Lokalpresse. „Wir konkurrieren mit Lieferdiensten von Supermärkten, Obstbox-Anbietern sowie jeglichen alternativen Lebensmittel-Lieferdiensten. Es gibt beispielsweise welche, die exakt portionierte Lebensmittel per Post für individuelle Rezepte nach Hause liefern. Das ist eine tolle Idee, aber aus meiner Sicht fehlt da die Regionalität“, sagt der Offenbacher. Amazon sei gerade stärker in den Online-Lebensmittelmarkt eingestiegen. „Wir haben sehr interessante Zeiten vor uns“, meint er und resümiert die bisherige Entwicklung seines Unternehmens: „Wir sehen wöchentlich einen Zuwachs an Kunden. Außerdem freuen wir uns darüber, dass die Rate der Wieder-Einkäufer hoch ist. Wir schließen daraus, dass sie in unserer Dienstleistung einen echten Nutzen sehen.“

Der durchschnittliche Warenwert der Bestellungen sei erfreulicherweise höher als zunächst erwartet. „Wir müssen uns trotzdem noch deutlich steigern. Insbesondere das operative Geschäft erfordert ein hohes Maß an Organisation. Und Marketing ist nun klar im Fokus.“

Anfangs habe er erwartet, dass Markthelden innerhalb von zwei, drei Monaten „laufen“ würde und schnell ein großer Kundenstamm wachse. Ganz so einfach sei es aber nicht. „Das war bislang eine sehr lehrreiche und erdende Zeit für mich. Um zu überzeugen, muss man harte Vorabarbeit leisten. Und das ist erst der Anfang. Nun gibt es die Internetseite seit knapp einem Jahr und wir können zufrieden mit dem Erreichten sein, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns“, weiß der Gründer. Wenn es nach ihm geht, gibt es seinen Service bald in weiteren Städten: „Als Nächstes wollen wir in Hanau präsent sein. Ich möchte ‚Markthelden‘ als echte Unterstützung der Händler etablieren – auch über Offenbachs Grenzen hinaus.“

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
E-Mail arens@offenbach.ihk.de