Vom Industriegebiet zum Stadtquartier

Gegründet als Zufluchtsort von Hugenotten wurde Neu-Isenburg ab 1900 stark von Industrie geprägt. Seit einigen Jahrzehnten wandelt es sich zum modernen Dienstleistungsstandort.

Fotos: Stadt Neu-Isenburg/Groß & Partner

In direkter Nachbarschaft zu Frankfurt, Offenbach und dem Frankfurter Flughafen erfreut sich Neu-Isenburg insbesondere in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit als Wohn- und Arbeitsstandort. Die Entwicklung ist dynamisch: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist in den letzten fünf Jahren um 32 Prozent gestiegen, die der Einwohner um fünf Prozent. Das Gewerbesteuereinkommen wuchs 2019 auf rund 85 Millionen an, was etwas mehr als einem Drittel der kreisweiten Einnahmen entspricht.

Diese Dynamik spiegelt sich auch im Wandel des Stadtbildes wider. In unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum befindet sich das Gebiet „Stadtquartier Süd“. Auf einer Gesamtfläche von rund 105.100 Quadratmetern werden 750 Wohneinheiten für bis zu 1.700 Menschen und rund 1.900 Arbeitsplätze geschaffen.

Das sogenannte Agfa-Gelände schreibt bewegte Industriegeschichte. Vor 1927 wurden hier die bekannten Frankfurter Würstchen in der Wurstfabrik Luft produziert. In den 1920er-Jahren nahm die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) ihre Arbeit auf. Agraralkohol aus Kartoffeln, Getreide und Obst wurde gelagert, zur Reinigung weitergegeben und vertrieben. Es wurden daraus beispielsweise Spirituosen, Kosmetikprodukte oder Arzneimittel hergestellt. In den ADOX-Werken (später AGFA) wurden Film- und Fotoapparate sowie Zubehör produziert.

In den 60er-Jahren übernahm die bis heute ansässige Firma Dupont und fertigte Druckplatten an.

Geplant ist nun eine urbane Mischung aus Wohnungen, Kindertagesstätte, Büros, Hotels, Einzelhandel sowie öffentlichen Plätzen und Parks. Einen idealen Anschluss an den öffentlichen Verkehr wird die neue Schienenverbindung Regionaltangente West bieten. Einzelne historische Gebäude bleiben erhalten und sollen unter anderem Raum für junge Start-ups bieten.

Die Chancen für die Stadtentwicklung sind groß, gleichzeitig bestehen auch Risiken. Dass Wohnraum geschaffen wird, ist eine zentrale Aufgabe innerhalb der Metropolregion. Zudem bieten neue Nutzungskonzepte attraktive Anziehungspunkte für moderne Arbeitsraumgestaltung.

Durch den Wegfall gewerblich genutzter Flächen ist jedoch der Raum für Unternehmen, die sich vergrößern oder ansiedeln wollen, inzwischen nahezu ausgeschöpft. Deshalb wird es eine Herausforderung für die Entwicklung des Standorts Neu-Isenburg sein, die bestehenden Flächen zu reaktivieren und nachzuverdichten.

Autorin

Hannah Sudholt
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