Reingeschaut bei … Barramundi Aquakultur

Vom Geschmackserlebnis zur Geschäftsidee

Auf 1.000 Quadratmetern gedeihen in einem Gewächshaus in Hainburg statt Kräutern und Blumen exotische Speisefische.

Fritz Beindorff und Michael Enke sind begeistert von der Aquakultur. Sie ermöglicht es ihnen, ein gesundes Lebensmittel nachhaltig zu produzieren.
Fotos: Arens-Dürr/IHK

Bei einem Urlaub in Australien wurde dem Offenbacher Zahnarzt und Unternehmer Michael Enke ein Barramundi aufgetischt. Er war begeistert vom Geschmack des Edelfischs und wunderte sich, dass die in Australien und Asien beliebte Delikatesse in unseren Breiten kaum zu finden ist.

Enke befasste sich intensiv mit dem Thema Aquakultur, also der Aufzucht und Produktion von Wasserlebewesen. Im März 2017 mietete er sich in dem Hainburger Gewächshaus ein und begann eine Anlage zu konstruieren. In einem Seminar zur Aquakultur lernte er Fritz Beindorff kennen. Seit Ende 2017 arbeiten sie zusammen.

Fliegende Fische

Der Barramundi ist speziell. Er lebt im Salz- und im Süßwasser. Im Lauf seines Lebens wechselt er das Geschlecht. „Die Zucht ist deshalb nicht so einfach“, weiß Enke. „In der Tierwelt können unterschiedliche Parameter solche Veränderungen auslösen. Temperatur und Licht spielen eine Rolle, auch der Salzgehalt der Gewässer. Das ist kompliziert.“ Deshalb lassen er und Beindorff Jungfische einfliegen und ziehen sie auf. „Wenn wir die Setzlinge bekommen, sind sie ungefähr 2,5 Zentimeter groß“, erklärt Beindorff und berichtet: „Wir beziehen sie von zertifizierten Händlern, hauptsächlich aus Australien, teilweise aus Thailand. Die Kisten kommen per Luftfracht Express. Darin sind die Tiere in Tüten mit ausreichend Sauerstoff verpackt. Schon am Flughafen wird untersucht, ob sie gesund sind. Sie dürfen keine Medikamenten- oder Hormonkuren bekommen haben. Wir setzen sie schnellstmöglich in die Jungfischbecken. Später ziehen sie in die Mastbecken um, bis sie ein bis zwei Kilogramm schwer sind. Wir sind die einzige Barramundi-Aquakultur-Anlage in Deutschland.“

Es läuft rund

In der Fischaufzucht rauscht und blubbert es. Rohre ragen in runde Süßwasser-Bassins, in denen silbrige Laiber hin- und herschwimmen. „Das ist ein geschlossenes Aquakultursystem (Recirculating Aquaculture System). Die Rundbecken sind aus Edelstahl gefertigt. Sie sind einfach zu reinigen. Über einen Abfluss im Boden gelangt das Wasser in eine Box, wo der Fischkot separiert wird. Dann durchfließt es zwei Zylinder mit Biofiltermedien, die mit Bakterien besiedelt sind. Sie bauen Rückstände wie Nitrit und Ammonium ab. Das gereinigte Wasser wird zurück ins Fischbecken geleitet“, beschreibt Beindorff die Anlage.

„Vorne, wo es ein bisschen sprudelt, ist die Sauerstoffzufuhr“, erklärt der frühere Berufssoldat und Unternehmensberater. Im Winter wird die Halle beheizt. Im Sommer passt das Gewächshausklima für die Tropenfische. Gefüttert wird über mehrere zeitgesteuerte Automaten, damit jedes Tier angemessene Portionen bekommt. Fischmehl dient als Proteinquelle. Außerdem erhalten die Barramundis Weizen sowie verschiedene Vitamine und Mineralien. „Unser Futter ist mehrfach zertifiziert – nach ASC, Global G.A.P, Naturland und Bio“, nennt er ein entscheidendes Qualitätsmerkmal für die Fische.

Ein Bassin fasst 20.000 Liter Wasser, in dem bis zu 1.000 Individuen leben. Die Besatzdichte liege bei maximal 50 Kilo Fisch pro Kubikmeter Wasser, damit die Barramundis stressfrei leben, die Haltung artgerecht und mit dem Tierwohl vereinbar ist. Täglich stehen Wasserproben, Qualitätskontrollen und regelmäßig Untersuchungen durch einen spezialisierten Tierarzt auf dem Programm. Ein strenges Hygieneregime und Überwachungssysteme sind im Einsatz.

Der Barramundi ist ein Barsch, der in seiner Heimat Australien „König der Fische“ genannt wird. Sein
Fleisch ist von fester Konsistenz. Es verfügt über einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und ist fett- wie grätenarm.

Kein Fisch auf Halde

In Hainburg gibt es weder Ladentheke noch Gefrierfach. Wie viele ausgewachsene Tiere jeweils aufbereitet werden, hängt von den eingegangenen Bestellungen ab. „Als Lebensmittelproduzenten dürfen wir schlachten. Vorher betäuben wir die Fische mit einem Elektroschock. Sobald das Tier tot ist, wird es geschuppt, ausgenommen und gewaschen. Wir liefern den Frischfisch innerhalb von 24 Stunden“, sagt Beindorff.

Kunden hat das Unternehmen zum Beispiel in der gehobenen Hotellerie und Gastronomie. Sushi-Restaurantbetreiber schätzen die hessischen Barramundis ebenso wie Privatpersonen. Bestellt wird telefonisch oder per E-Mail und demnächst auch im Online-Shop.

Enke sieht das Unternehmen, in das er bislang 600.000 Euro investiert hat, auf dem richtigen Weg: „Das ist ein lukratives Geschäft. Wir produzieren regional und haben kurze Transportwege. Die Fische sind frei von Antibiotika, Hormonen und Mikroplastik. Die Frische und die Qualität kommen bei den Kunden sehr gut an.“

www.barramundi-aquakultur.de

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
arens@offenbach.ihk.de