Es muss nicht immer Amazon sein

Unterschätzte Nischen-Plattformen

Amazon, Ebay und Alibaba sind „die großen Drei“ im Onlinehandel, die jede E-Commerce-Strategie berücksichtigen sollte. Doch auch Nischen-Marktplätze im Internet sind nicht zu vernachlässigen. Nische kann im E-Commerce das Zauberwort für Erfolg sein.

Die Cavalettis, die bunten Hindernisse am Boden, aber auch den Sattel, den Beinschutz fürs Pferd und die Stiefel für den Reiter gibt es auf einer Nischen-Plattform im Internet.

Egal, wohin sich Konsumenten im Internet wenden wollen: Von A wie auto.de bis Z wie Zalando ist für jede Branche und Zielgruppe garantiert etwas dabei. Wer kennt beispielsweise schon Cavallettis? Pferdefreunde jedoch wissen, dass man die Hindernisstangen auf www.ehorses.de findet. Ein kleines norddeutsches Unternehmen bietet sie dort für 22,50 Euro pro Stück an. Auch Pferdehändler und Stallvermieter tummeln sich auf der Plattform. Immobilienmakler nutzen sie für „Pferdeimmobilien“, Bauern für den Strohverkauf, Gebrauchtwagenhändler für Anhänger. Schubkarren, Eimer und Bürsten sind im Angebot. Fürs Recruiting ist die zugehörige Stellen- und Ausbildungsbörse interessant.

Auf „von Experten handverlesene“ Innen-
einrichtung und Dekorationsgegenstände
ist www.westwing.de spezialisiert. Auf
www.etsy.de wird von Künstlern und Unternehmen alles angeboten, was in Handarbeit oder individueller Anfertigung entstanden ist. Für Kfz-Ersatzteile gibt es www.teilehaber.de, www.stubhub.de für den (Weiter-)Verkauf
von Veranstaltungstickets. Wollhändler zeigen auf der Strickplattform www.ravelry.com Präsenz. Andere Plattformen sprechen keine eingegrenzte Zielgruppe, sondern eine breite Öffentlichkeit an und nehmen stattdessen Kunden in einer bestimmten Region in den Fokus, so wie www.atalanda.com .

Plattform statt Shop?

Der Verkauf über Plattformen – ob es eine der Großen oder eine Nischen-Website ist – bietet Unternehmen eine Reihe von Vorteilen: Während der eigene Online-Shop aufwendig beworben werden muss, erhalten sie dort ziemlich mühelos eine hohe Reichweite und vergrößern ihre Sichtbarkeit. Sie sind insgesamt auf ein geringeres Marketingbudget angewiesen, sparen gegebenenfalls die erheblichen Kosten eines Shop-Relaunchs ein und haben gute Chancen auf schnelles Wachstum.

Zugleich entstehen Cross-Selling-Effekte in das Ladengeschäft oder – falls vorhanden – den eigenen Online-Shop. Meist erfordert die Plattform-Software wenig technisches Wissen. Logistik und Auftragsabwicklung können oft zumindest teilweise an den Plattformanbieter abgegeben werden.

Dafür nehmen die Händler einen Kontrollverlust hin und machen sich vom Betreiber abhängig. Auf dessen Fortbestand und Entwicklung haben sie keinen Einfluss. Provisionszahlungen verringern ihre Margen und sie müssen sich dem Preiswettbewerb auf der Plattform stellen. Je nach Anbindungsmöglichkeiten an die Warenwirtschaft entsteht Aufwand, weil Daten und Preise regelmäßig aktualisiert werden müssen. Sind Unternehmen in mehreren Shops aktiv, müssen sie eine Lösung finden, um dem doppelten Verkauf derselben Bestände vorzubeugen. Automatisierung ist die einzige Lösung.

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Autorin

Dr. Angelika Niere
Telefon 069 2197-1590
angelika.niere@bieg-hessen.de