Studie: Fashionhändler erreichen Kapazitätsgrenzen

Experten zeigen Logistikprobleme auf und erklären, wie sie gelöst werden können

Kleidung online bestellen und im Zweifelsfall problemlos wieder zurücksenden: Was für Kunden ein schöner Service ist und auch immer stärker genutzt wird, stellt Modehändler zunehmend vor Lieferprobleme. Das ergab ein Großversuch der Unternehmensberatung Kurt Salmon. „Die Ergebnisse bestätigen, was manche schon im Vorfeld befürchtet haben. Handel, Marken und Dienstleister sind mit ihrem Fulfillment vielfach nicht darauf vorbereitet, die hohen und weiter steigenden Kundenerwartungen an die Lieferzeit bei gleichzeitig wachsenden E-Commerce-Mengen erfüllen zu können“, so Dr. Sven Kromer, Partner bei Kurt Salmon, zur Fachzeitschrift „Logis­tik heute“.

Im Rahmen der Studie waren in der Vorweihnachtszeit 2018 Bestellungen bei rund 60 Modehändlern in Deutschland aufgegeben worden. Das Ergebnis: Im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum erhöhte sich die Lieferzeit von 3,1 auf 4,8 Tage. Außerdem konnten rund 40 Prozent der Pakete nicht in der angegebenen Lieferfrist zugestellt werden. Jeder vierte Händler kündigte schon bei der Bestellung eine Verzögerung an, wovon wiederum rund ein Drittel nicht einmal die verlängerte Lieferzeit einhalten konnte.

Als Gründe für die offensichtlichen Zustellschwierigkeiten machten die Unternehmensberater hauptsächlich Logistikprobleme aus. Dr. Sven Kromer nannte hier „sowohl Kapazitätsprobleme in den Lagern als auch auf der letzten Meile“. In den Lagern sei die Automatisierung vielfach nicht auf einem modernen Standard, zudem fehlten Arbeitskräfte. Intelligente Systeme würden auch auf der letzten Meile noch nicht ausreichend genutzt.

Ein Mittel zur Optimierung der Supply Chain sehen die Autoren der Studie unter anderem in einer Verbesserung der Bestandstransparenz in Echtzeit. Immerhin wurden viele Händler in dieser Beziehung bereits aktiv. Bei annähernd 50 Prozent lässt sich inzwischen online abrufen, ob das jeweilige Kleidungsstück in der gewünschten Farbe und Größe verfügbar ist. Noch 2017 konnten lediglich 28 Prozent der Fashionhändler diesen Service anbieten. 20 Prozent sind heute in der Lage, die vorhandene Menge der verlangten Artikel in Größe und Farbe exakt oder zumindest annähernd anzugeben.

Hinzu kommt noch ein weiterer Punkt: „Mehr als 90 Prozent der Händler kommissionieren die Waren für E-Commerce-Aufträge weiterhin im Logistikzentrum“, so Dr. Sven Krömer im Gespräch mit „Logistik heute“. „Pick&Pack in der Filiale würde die Lieferzeiten deutlich verkürzen.“ Dazu müssten dort allerdings zunächst einmal die notwendigen Kapazitäten geschaffen werden.