Das neue Gesetz betrifft nicht nur Großunternehmen

Sorgen mit der Lieferkettensorgfalt?

Im Juni 2021 hat die Bundesregierung das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG, Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten) verabschiedet. Darin wird die Verantwortung deutscher Unternehmen zur Achtung von Menschenrechten in globalen Lieferketten erstmals verbindlich geregelt. Was bedeutet das konkret?

 Lieferketten können sehr lang sein, sie zu überprüfen ein aufwendiges Unterfangen. / Foto: tuastockphoto – stock.adobe.com

Zu den Sorgfaltspflichten gehört, ein Risikomanagement einzurichten, um die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen und Schädigungen der Umwelt zu identifizieren und zu vermeiden. Die Sorgfaltspflichten beziehen sich auf das eigene Geschäft, auf das Handeln eines Vertragspartners und auch das von weiteren (mittelbaren) Zulieferern. Unternehmen sind also nicht nur im eigenen Haus, sondern entlang der gesamten Lieferkette verantwortlich.

Keine Entwarnung für kleine und mittlere Betriebe

Das Gesetz tritt in der ersten Stufe 2023 für Unternehmen ab 3.000 Mitarbeitenden in Kraft, 2024 auch für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitenden. Können sich also kleinere und mittelständische Betriebe entspannt zurücklehnen? Die Antwort ist leider ein klares Nein. Je nach Konstellation der Lieferkette, der Größe von Zulieferern und Kunden sowie anderen Faktoren sind auch sie dem Gesetz unterworfen.

Zum Fragenkomplex, wer betroffen ist, wie Firmen sich vorbereiten können und wie und wo sie in der Praxis ansetzen können, bot die IHK eine dreiteilige Webinarreihe an. Beim Auftakt „Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz – rechtliche Hintergründe, praktische Ansätze“ gab Dr. Nima Ghassemi-Tabar, Rechtsanwalt bei der Deloitte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Experte für Corporate Governance und Compliance-Management-Systeme, konkrete Hinweise: „Ein wichtiger Schritt im Unternehmen ist die Risikoanalyse. Der risikobasierte Ansatz zeigt auf, wo genauer geprüft werden muss und wo ein tieferer Einstieg nötig ist. Man kann in der Praxis nicht jeden Zulieferer einzeln prüfen, sondern muss standardisierte Prozesse etablieren.“

Anhand von konkreten Beispielen zeigt sich, wer tatsächlich vom neuen Gesetz betroffen ist. Ein möglicher Fall: Ein Unternehmen mit weniger als 1.000 Arbeitnehmern in Deutschland stellt Produkte her, für die von Zulieferern unterschiedlichster Größe Vorprodukte bezogen werden. Einige davon sind selbst dem LkSG unterworfen, andere nicht. Das Unternehmen hat also sowohl Kunden, die dem LkSG unterliegen, als auch solche, für die es nicht von Belang ist. In diesem Fall wird es durch die Vertragsbeziehung zu einem Unternehmen (Kunde), das dem LkSG unterliegt, quasi selbst verpflichtet. Denn nach § 6 Abs. 4 Nr. 2 LkSG muss der „Endkunde den Produzenten verpflichten, die Risiken auch entlang seiner eigenen Lieferkette weiter zu adressieren“.

Am besten frühzeitig beginnen

Von seinen Erfahrungen mit dem LkSG berichtete Harald Krug, Konzernbereichsleiter Unternehmensentwicklung der ANWR Group eG in Mainhausen. Für das Unternehmen arbeiten 1.400 Menschen. Es ist laut eigener Auskunft die größte europäische Einkaufskooperation im Bereich Schuhe, Sport- und Lederwaren.

Krug beschrieb die Herausforderung: „Wir haben 2.000 Lieferanten, die zum Großteil in asiatischen Ländern fertigen. Zunächst haben wir über das Vertragsmanagement geschaut, mit welchen Lieferanten es regelmäßiges Geschäft gibt. Dort setzen wir an. Einmalkunden lassen wir erst mal außen vor.“

Im Webinar gab er den Teilnehmern mit, das Thema LkSG als „Kernaufgabe zu realisieren, denn um diesen Kelch kommt man nicht herum“. Sein Tipp lautet: „Fangen Sie damit so früh wie möglich an, denn es kostet Zeit und Ressourcen.“

Dass viele Unternehmen noch nicht so weit sind, zeigte eine Befragung unter den Webinar-Teilnehmern: Bei 64 Prozent der vertretenen Unternehmen ist noch nicht entschieden, in welcher Abteilung die Umsetzung des LkSG angesiedelt werden soll.

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Quelle: Deloitte

Autorin

Silvia Schubert-Kester
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