Soft Skills bei der Bildung nicht vergessen

Auf Betriebe und Beschäftigte kommen große Herausforderungen zu – doch das ist vielen Betroffenen noch nicht ausreichend bewusst.

Kommunikationstalent, Teamfähigkeit, soziale Kompetenz: Sogenannte Soft Skills gewinnen auf dem internationalen Arbeitsmarkt zunehmend an Bedeutung. Deshalb sollten sie künftig auch viel stärker als bisher Gegenstand von Weiterbildungsmaßnahmen sein.

Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der europäischen Wirtschaftshochschule ESCP Europe nach einer Befragung von 300 Studierenden und Personalverantwortlichen in Deutschland und Italien. Bei der Frage, wie wichtig Soft Skills im Vergleich zu fachlichen Kenntnissen seien, gehen die Ansichten in diesen beiden Gruppen allerdings weit auseinander. So erklärten fast 95 Prozent der Studierenden zwar, in ihrem letzten Praktikum seien die „weichen Fähigkeiten“ wichtig bis sehr wichtig gewesen. Aber nur zwei Prozent gaben an, dass Soft Skills diese hohe Bedeutung auch im Vergleich mit eher technisch geprägten Fachkenntnissen besäßen. Unter den Personalern vertrat dagegen fast die Hälfte (48 Prozent) diese Ansicht – maß den Soft Skills relativ gesehen also eine noch größere Bedeutung bei.

Unterschiede gab es auch in der Einschätzung, welche Fähigkeiten am wichtigsten seien. Bei den Studenten landete hier die Kommunikationsfähigkeit auf dem ersten Platz, Personalverantwortliche halten Teamfähigkeit für die wichtigste Soft Skill. Eine weitere Diskrepanz: Der Berufsnachwuchs nannte die Pflege von Netzwerken als eine der bedeutendsten Aufgaben im Bereich der Soft Skills. Ihre künftigen Arbeitgeber schätzen dagegen vor allem Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit, kundenorientiertes Handeln, berufsethisches Handeln und Innovationsfähigkeit.

Diese Unterschiede ändern allerdings nichts am Gesamtergebnis der Studie: Die Bedeutung von Soft Skills ist in den vergangenen sechs bis elf Jahren deutlich gestiegen. Das hängt auch mit dem Trend zu einer zunehmenden Digitalisierung von Arbeitsprozessen zusammen (siehe auch unser Titelthema). Denn diese Entwicklung geht stark mit der Ausweitung von Kommunikationskanälen einher. Fähigkeiten auf diesem Gebiet sind also mehr und mehr notwendig. Die Wirtschaftsforscher der ESCP fordern deshalb, entsprechende Bildungsangebote zu verstärken, und zwar nicht nur von Schulen und Hochschulen. Auch Unternehmen müssten Angebote zur Förderung von Soft Skills in ihre Weiterbildungsprogramme aufnehmen.