Argentinien

Silberstreifen am Wirtschaftshorizont

Argentinien. Der Name kommt vom lateinischen Wort für Silber – argentum – und liefert einen Hinweis darauf, welche Schätze die Eroberer auf seinem Territorium zu finden glaubten. Heute ist das Land zwar nicht arm, aber im internationalen Vergleich deutlich zurückgefallen. Mit dem Regierungswechsel und dem Amtsantritt des konservativen Politikers Mauricio Macri im Dezember 2015 besteht nun Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Argentinien meldet sich auf dem Weltmarkt zurück. Foto: Fotolia.

Die neue Regierung hat umfassende Wirtschaftsreformen eingeleitet, mit denen die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas wieder in Schwung kommen soll. Der Außenhandel sowie der Devisen- und Kapitalverkehr wurden dereguliert, der Wechselkurs freigegeben. Und Argentinien hat einen Schlussstrich unter den jahrelangen Schuldenstreit mit Gläubigern gezogen und seine Schulden beglichen. Damit haben Staat und Unternehmen wieder Zugang zum internationalen Kapitalmarkt.

Barbara Konner, Hauptgeschäftsführerin der Auslandshandelskammern (AHKs) Argentinien, Paraguay und Uruguay, meint: „Der Umschwung ist schon eingeleitet, die Devisenkontrollen aufgehoben und es sind bereits auf 87 Prozent aller Produkte die Importrestriktionen weggefallen.“

Doch aller Anfang ist schwer. Noch schwächelt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Der Konsum leidet unter der Abwertung des Pesos, dem Inflationsanstieg und den entsprechend gesunkenen Realeinkommen. Auch die Krise in Brasilien hat Auswirkungen auf die argentinische Industrie. Es braucht ein bisschen Zeit, bis die Reformen greifen und der Aufschwung ankommt. 2017 erwartet das Land dann laut Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH ein kräftiges reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um drei bis vier Prozent. Der internationale Handel und steigende Investitionen sollen dazu einen maßgeblichen Beitrag leisten. Die neue Regierung steht zu ihrem Bekenntnis zu freien Märkten, sie setzt sich für den Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen dem Mercosur (gemeinsamer Markt Südamerikas) und der EU ein. Zölle und Steuern sollen abgebaut werden.

Argentinien ist ein großes Land mit einer Bevölkerungsdichte von 15,5 Einwohnern pro Quadratkilometer (im Vergleich: Deutschland 226 Einwohner pro Quadratkilometer). Bei etwas über 43 Mio. Einwohnern auf einer Fläche, die fast achtmal so groß ist wie Deutschland, gibt es reichlich Platz, dementsprechend spielt der Agrarsektor für das Land eine große Rolle. Und Argentinien hat Nachholbedarf bei Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur, aber auch im Energiesektor, in der Baubranche sowie der Abfallwirtschaft. Für deutsche Unternehmen können sich in diesem Umfeld gute Chancen ergeben.

Die IHK Offenbach am Main plant gemeinsam mit der IHK Frankfurt und der AHK Argentinien für den 22. November 2016 eine Veranstaltung zu den Rahmenbedingungen und Marktchancen in Argentinien. Im Kontext der veränderten Situation im Land sollen unter anderem Beiträge von Marktexperten zu Wirtschaftsthemen, Markterschließung, Finanzierung sowie Erfahrungsberichte interessierte Unternehmen auf die neue Öffnung einstimmen.

Autorin und Kontakt:

Silvia Schubert-Kester
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