Aktueller IHK-Konjunkturklimaindex für die Region Offenbach

Schwere Zeiten für den Einzelhandel

Die konjunkturelle Stimmung in der Region Offenbach bleibt laut aktuellem Konjunkturklimaindex der IHK Offenbach am Main nahezu unverändert. Die derzeitige Geschäftslage liege weiter auf einem soliden Durchschnittsniveau. Der Einzelhandel weiche davon allerdings stark ab und steuere schweren Zeiten entgegen.

Der Blick auf 2017 ist bei den Einzelhändlern in der Region Offenbach deutlich eingetrübt. Foto: Fotolia

Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner: „Der IHK-Konjunkturklimaindex fällt im Bereich Einzelhandel auf einen Tiefstand. Die aktuelle Lage schätzen 17 Prozent der Unternehmen als gut ein, 58 Prozent als befriedigend und ein Viertel als schlecht. Der Blick auf 2017 ist bei den Einzelhändlern deutlich eingetrübt. Die Personal- und Investitionspläne werden dementsprechend zurückgestuft. In dieser Bewertung drückt sich die momentan schwierige Lage des stationären Einzelhandels aus.“

Die insgesamt positive Konsumstimmung komme bei den Einzelhändlern aus der Region Offenbach nicht an. Der Online-Handel setze die Händler in den Innenstädten stark unter Druck. „In der Rhein-Main-Region ist es für die kleinen und mittleren Handelszentren mit kurzen Wegen zu vielen großen, attraktiven Einzelhandelsstandorten und angesichts hoher Mieten schwer zu bestehen. Die Diskussionen über verkaufsoffene Sonntage und gerichtlich verfügte kurzfristige Absagen von Veranstaltungen verunsichern Einzelhändler, Kommunen und nicht zuletzt den Kunden. Sie nehmen den Einzelhändlern vor Ort die Chance, sich in besonderer Weise zu präsentieren und Umsätze zu generieren. Das Land Hessen muss schnell eine rechtssichere und einfache Lösung für vier verkaufsoffene Sonntage ohne konkreten Anlassbezug schaffen“, so Weinbrenner.

Vom Einzelhandel abgesehen, setze sich die solide wirtschaftliche Entwicklung in der Region Offenbach auch im neuen Jahr weiter fort. Weinbrenner: „Es gibt weder euphorische Sprünge nach oben noch konjunkturelle Rückschläge nach unten. Die vorsichtig abwartende Haltung der Unternehmen drückt sich in der Einschätzung zu den Investitions- und Exportplänen aus, die zwar leicht angehoben werden, aber verhalten bleiben.“

Diese Haltung der Unternehmen werde durch mehrere Unsicherheitsfaktoren bestimmt. Noch herrsche Unklarheit über die künftige Ausrichtung der Handelspolitik in den USA und Großbritannien. Es scheine aber nur eine Frage des Ausmaßes an protektionistischer Beschränkung zu sein, die die exportorientierte Wirtschaft Deutschlands empfindlich treffen könnte. Viele politische Krisen und Konflikte, zum Beispiel in der Türkei und Syrien, schwelten auch zu Beginn des Jahres weiter. Mit der anstehenden Bundestagswahl würden im Inland die Weichen für die politische und wirtschaftliche Ausrichtung in den kommenden Jahren gestellt. Auch in Frankreich und den Niederlanden stünden 2017 wichtige politische Entscheidungen an, die für den Kurs der Europäischen Union von Bedeutung seien.

„Trotzdem beweist die deutsche Wirtschaft Stabilität und wächst seit einigen Jahren kontinuierlich. 2016 hat sie mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,9 Prozent eine gute Performance hingelegt“, erklärte Weinbrenner. Geprägt sei das wirtschaftliche Umfeld durch die steigenden Beschäftigungszahlen, eine niedrige, aber leicht anziehende Inflation, den schwachen Euro, niedrige Zinsen, Überschüsse im Staatshaushalt und einen starken privaten und staatlichen Konsum.

„Um diese Stabilität beizubehalten und Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen, braucht es aber trotz Unsicherheiten mehr Investitionen auf staatlicher wie privater Seite. Die Steigerung der öffentlichen Investitionen und die Verbesserung der Investitionsanreize für Unternehmen müssen zentrale Handlungsfelder der jetzigen und künftigen Regierung werden“, forderte Weinbrenner abschließend.

Die kompletten IHK-Konjunkturumfrageergebnisse sind unter

www.ihkof.de/konjunktur

abrufbar.