Reverse Mentoring: Wenn der Azubi den Chef coacht

Alt lernt von Jung: Von dieser umgekehrten Form der Wissensvermittlung können Unternehmen enorm profitieren – wenn sie das Konzept richtig umsetzen

Augmented Reality? Internet of Things? Artificial Intelligence? Viele ältere Mitarbeiter im Unternehmen – auch Führungskräfte – können mit den modernen, digitalen Trends im Arbeitsleben oft nur wenig anfangen. Eine Methode, das zu ändern, kann das sogenannte „Reverse Mentoring“ sein. Dabei dreht sich die Zielrichtung des vielerorts bereits üblichen Mentorings um: Statt vom älteren, höhergestellten Mitarbeiter zum jüngeren Kollegen findet der Wissenstransfer genau in die andere Richtung statt.

„Ziel ist es, die digitale Fitness im Unternehmen zu erhöhen, Prozesse und Strukturen zu verjüngen, altgewohnte Denk- und Arbeitsweisen an die Erfordernisse der Zukunft anzupassen sowie ältere Kollegen, Führungskräfte und das Topmanagement mit der Lebenswelt der Millennials vertraut zu machen“, schreibt die Autorin und Diplom-Betriebswirtin Anne M. Schüller, die auch als Businesscoach erfolgreich tätig ist, in einem Beitrag für die „Wirtschaftswoche“. Sie verweist auf Großkonzerne wie Henkel, Bosch oder Allianz, die Reverse Mentoring bereits praktizieren. Ihrer Ansicht nach bietet sich dieses Konzept aber auch für kleine und mittlere Betriebe an.

Voraussetzung für den Erfolg ist dabei, dass es zwischen den Beteiligten keine Konkurrenzsituation und keine direkte hierarchische Abhängigkeit geben darf. Experten wie Julian Knorr, Gründer und Vorstand der Digitalberatung Onestoptransformation AG, betonen außerdem, dass Unternehmen den organisatorischen und kulturellen Rahmen für Reverse Mentoring schaffen müssen. Das heißt: Der Austausch muss auf gegenseitigem Vertrauen, Offenheit und Lernbereitschaft beruhen.

Sind die grundlegenden Voraussetzungen erfüllt, profitieren alle Beteiligten von dem Konzept: Der Mentee eignet sich notwendige Kenntnisse an und gewinnt zusätzlich eine neue Sicht auf betriebliche Abläufe. Mentor oder Mentorin machen ihrerseits wichtige Erfahrungen, indem sie einen Einblick in die Tätigkeit der Führungsebene des Unternehmens bekommen, ihr berufliches Netzwerk erweitern und sich im Betrieb einen Namen machen können. Das Unternehmen schließlich erhöht seine digitale Kompetenz. Außerdem kann modernes Reverse Mentoring helfen, im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte das Corporate Branding zu verbessern – gerade für kleine und mittlere Unternehmen ein nicht zu unterschätzender Vorteil!