Birgit Arens-Dürr hat bei

Kisten Haas

reingeschaut

Birgit Arens-Duerr

1865 als Schreinerbetrieb gegründet, stellt das Unternehmen Kisten Haas heute Industrieverpackungen her. Es behauptet sich auf einem unruhigen Markt.

Marcus Wanka (l.) und Murat Karanfil (r.) sehen Kisten Haas auf einem guten Zukunftskurs. / Foto: Arens-Dürr/IHK

Was tut ein Maschinenbauunternehmen, wenn es eine Anlage nach China liefern will? Es ruft bei Kisten Haas in Dietzenbach an, damit die Ware sicher verpackt wird und wohlbehalten ihr Ziel erreicht, gleich ob sie per See-, Land- oder Luftfracht transportiert wird.

„Wenn wir eine solche Anfrage bekommen, nimmt einer unserer Projektleiter beim Kunden Aufmaß“, erklärt Marcus Wanka, der Kisten Haas seit 2020 zusammen mit Gründerenkel Tibor Szekelyi leitet. Der nächste Schritt betrifft die Art der Verpackung. Reicht eine Palette, soll es eine Kiste oder ein Verschlag sein? Es ist auch zu klären, ob beim Kunden oder bei Haas verpackt werden soll. Auf Wunsch kümmern sich die Dietzenbacher in Kooperation mit Logistikpartnern zusätzlich um die Auslieferung.

Sind alle Antworten gefunden, wird das Verpackungsmaterial hergestellt. Auf dem Gelände und in den Hallen von Kisten Haas lagern immer 1.500 bis 2.000 Kubikmeter Holz. „Wir verarbeiten bis zu 1.000 Kubikmeter pro Monat. Das sind 20 bis 25 Lkw-Ladungen“, rechnet Wanka vor. Vor allem handelt es sich um Schnittholz. „Wir fertigen am Standort aus nachhaltigem Holz, das wir zu 95 Prozent aus Deutschland beziehen. Andere kaufen die Verpackung zu oder haben ihre Produktion ins Ausland verlagert“, berichtet er.

Für Luftfracht bietet Kisten Haas eine Besonderheit: Das Unternehmen ist „Reglementierter Beauftragter gemäß Luftfahrt-Bundesamt“ mit eigenen Kontrollgeräten. Das bedeutet: Güter, die auf Sprengstoff oder andere verbotene Substanzen untersucht und als sicher befunden wurden, können bei Kisten Haas komplett verpackt und versiegelt werden. Es entfällt die Kontrolle am Flughafen. Das spart Zeit und Geld. Die Verpackungsgarantie bleibt erhalten und die Airline kann das Frachtgut direkt ins Flugzeug laden.

Branche unter Druck

Holz ist derzeit teure Mangelware. „Zuerst haben die Chinesen alles aufgekauft, dann die Amerikaner. Deutschland ist zum viertgrößten Holzexportland aufgestiegen“, sagt der Geschäftsführer. „Zeitweise gab es Lieferprobleme. Dank guter Lieferanten haben wir es trotzdem hingekriegt. Allerdings mussten wir Preise hinnehmen, die in diesem Sommer 150 Prozent höher lagen als sonst.“ Derzeit sei es entspannter, weil die Nachfrage aus China und den USA nachgelassen hat.

Einen „kleinen Knick“ hat Kisten Haas zu Anfang der Pandemie verzeichnet. Murat Karanfil, zuständig für Vertrieb und Marketing, berichtet, dass Kontaktaufnahme und Akquise erschwert waren. „Jeder hatte Angst und war zögerlich. Aber wir haben Kunden aus den richtigen Branchen wie Automation, Druckmaschinen, Automobil. Wenn der eine etwas schwächer war, lief es beim anderen gut.“ Weder Kurzarbeit noch Hilfsgelder wurden in Anspruch genommen. Aktuell sei es schwierig, Verpacker für Industriegüter zu finden. „Viele unserer 70 Mitarbeiter sind schon lange im Betrieb. Der Nachwuchs fehlt. Sicher ist das Lohnniveau ein Problem und junge Menschen interessieren sich wenig fürs Handwerk“, meint Wanka.

Wachsen ist nicht alles

„Wir sind trotz der Größe noch ein Familienbetrieb“, stellt er fest. Entscheidungen fallen zügig. Das große Lager und die eigene Fertigung garantieren Unabhängigkeit und Flexibilität. „Innerhalb von fünf Jahren hat sich der Umsatz verdoppelt. Wir müssen uns fragen, ob wir weiterwachsen wollen. Verändern wollen wir uns nicht, eher geht es um Optimierung. Deshalb haben wir zum Beispiel eine neue, computergesteuerte Säge gekauft. Sie erleichtert die Arbeit und vermindert den Verschnitt. Außerdem hilft uns ein Energiemanagement-Berater, den CO2-Ausstoß zu verringern“, berichtet Wanka. Mit Dietzenbach ist er sehr zufrieden. „Die Infrastruktur ist top. Glasfaser haben wir inzwischen auch. Es wird etwas getan“, lobt er den Standort.

Wie sich das Unternehmen entwickeln wird, sei auch von der Politik abhängig. „Die neue Regierung muss den Mittelstand im Auge behalten und nicht nur die Interessen der großen Konzerne.“

www.kistenhaas.de