Birgit Arens-Dürr hat bei

ProWalk, Optimus & Neuron

reingeschaut

Birgit Arens-Duerr

Mit den drei aufeinander abgestimmten Firmen Pro Walk, Optimus und Neuron bietet der Unternehmer passgenaue Hilfsmittel und Therapien für die neurologische und neuropädiatrische Rehabilitation.

Der Weg dorthin hat in den 1980er-Jahren begonnen. Preisler arbeitet damals als leitender Physiotherapeut an der Universitätskinderklinik in Frankfurt. Die Intensivmedizin macht gerade große Fortschritte. „Seitdem überleben auch schwerstbetroffene Menschen, zum Beispiel Kinder mit angeborener Querschnittslähmung. Wenn sie hochquerschnittgelähmt sind, können sie aber nie laufen. Die Beine können das Körpergewicht nicht tragen. Wenn ein Mensch nur liegt, versteifen die Gelenke und die Knochen werden brüchig“, berichtet er.

Preisler will helfen. Er recherchiert und stößt auf Ideen, die in den USA Mitte des letzten Jahrhunderts für Contergan-Kinder entwickelt wurden, die ohne Beine zur Welt gekommen waren. Über einen der beteiligten Forscher und nach langem Suchen findet er ein Konzept. „Das wollte hier aber niemand haben. So hat es 1990 im Keller bei mir zu Hause angefangen“, schildert er den Start von Pro Walk.

Menschen können von Geburt an, durch Krankheit, Schlaganfall oder Unfall in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sein. Pro Walk entwickelt und vertreibt über den Sanitätsfachhandel Produkte, die ihnen das Laufen, Stehen, Greifen oder Sitzen ermöglichen. Ein solches ist der „SwivelWalker“. Preisler erklärt: „Ein Kind wird in das speziell angepasste Gerät gestellt und bewegt sich durch Gewichtsverlagerung aufrecht fort. Dadurch bekommt der Körper an den Muskeln immer einen Stimulus. Das Kind liegt nicht auf dem Rücken und schaut an die Decke, sondern steht aufrecht wie Altersgenossen.“ Auch
für Kopf, Oberkörper, Arm, Bein und Fuß
hat er Lösungsansätze. Manche funktionieren rein mechanisch, andere mit Elektronik, die zum Beispiel durch Kopfbewegungen gesteuert wird. So kann es gelingen, dass sich eine gelähmte Hand wieder öffnet und schließt.

1999 folgt die Gründung von Optimus, einem Zentrum für technische Orthopädie: Es versorgt Patienten mit eigens angefertigten Sitzschalen für Rollstühle sowie Prothesen und Orthesen. Seit 2013 rundet Preisler sein Angebot mit dem Therapiezentrum Neuron ab. „20 Therapeuten bieten in Egelsbach Physio- und Ergotherapie an. Krankenhäuser und Altenheime der umliegenden Region nutzen ebenfalls die Möglichkeit, ihre Patienten und Bewohner von den Spezialisten des Therapiezentrums behandeln zu lassen, denn sie suchen die Patienten vor Ort auf. „Die Patienten müssen auf die Beine und nach vorne kommen, je früher desto besser“, sagt der Unternehmer. Es gibt unzählige Trainingsgeräte, darunter ein Treppensystem, dessen Stufenhöhe variabel einstellbar ist und Laufbänder mit Geländern zum Festhalten sowie einen Gangroboter, der dem Patienten das eigene Körpergewicht beim Gehen abnimmt. Auch ein Ganganalyselabor steht zur Verfügung.

Dass die Unternehmensgruppe 70 Mitarbeiter beschäftigt, zeigt den hohen Bedarf an ihren Leistungen. „In den letzten fünf Jahren sind wir stetig mit einer Wachstumsrate von zehn bis 15 Prozent gewachsen,“ berichtet Preisler stolz.

Die Corona-Pandemie hat diese Erfolgsgeschichte jäh unterbrochen. „Wir brauchen
den Patientenkontakt und der war plötzlich kaum noch möglich. Mitte März ist der Bereich der Therapie massiv eingebrochen, weil Altersheime zu Hochsicherheitstrakten und Kliniken zu Coronastationen umfunktioniert wurden. 

Die Mitarbeiter mussten sofort in Kurzarbeit, auch in der Orthopädietechnik und bei Pro Walk ging kaum noch etwas, weil der Außendienst nirgendwohin durfte. Inzwischen sehen wir wieder deutlich mehr Patienten. Die Bedingungen sind aber weiterhin erschwert“, sagt er und spricht davon, wie belastend die Situation für alle Beteiligten und auch für ihn als Arbeitgeber ist. Vorübergehend könne er Engpässe überbrücken und unter erschwerten Bedingungen arbeiten. Aber sein Appell lautet klar: „Die Politik muss handeln und wieder Planungssicherheit ermöglichen.“

www.prowalk.de
www.optimus-ot.de
www.neuron-therapiezentrum.de

Im Zentrum für technische Orthopädie Optimus fertigen die Mitarbeiter von Benedikt Preisler (l.) in aufwendiger Handarbeit Hilfsmittel wie Orthesen, Korsette oder Sitzschalen.
Foto: Arens-Dürr/IHK