Birgit Arens hat bei

Pizzycle

reingeschaut

Birgit Arens-Duerr

Pizzaverpackungen sollten nicht nach einmaliger Benutzung in der Umwelt oder im Müll landen, sondern wiederverwendet werden. Am besten bis zu 1.000-mal. Diesen Gedanken haben drei junge Offenbacher zur Produktreife entwickelt.

Marlene Bruch und Filip Raktic ist Nachhaltigkeit wichtig. Mit ihren Pizzycles wollen sie zum sorgsamen Umgang mit Ressourcen beitragen. / Foto: Arens/IHK

Corona, und jetzt? – hieß 2020 ein Projekt an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG). Studierende sollten Ideen finden, die in die Pandemiezeit passen. Angesichts der Berge von Pizzaschachteln, die sich gerade in Parks und öffentlichen Anlagen häuften, kamen die beiden HfG-Studentinnen Luise Hornbach und Marlene Bruch darauf, eine wiederverwendbare Pizzaverpackung zu entwickeln.

Sie dachten über Form, Funktion und Größe nach, tüftelten an einem einfachen, zuverlässigen Verschluss, recherchierten zu Material, Herstellungsverfahren und Produzenten. Sie bauten Modelle in Pappmaché und schließlich einen Prototyp per 3D-Druck. Das Ergebnis tauften sie Pizzycle und gründeten ein gleichnamiges Unternehmen.

Ihre Verpackung besteht aus zwei identischen Polypropylen-Schalen, die intuitiv ineinandergeschoben werden. Anders als die herkömmlichen Pizza-Pappkartons sind sie rund. „Die Form folgt dem Produkt und ermöglicht den effizientesten Umgang mit dem Material“, erklärt Marlene Bruch. Winzige Luftschlitze verhindern, dass Kondensationsfeuchtigkeit die Pizza aufweicht. Die Schalen lassen sich platzsparend stapeln und eignen sich auch als Teller. „Mit einem Steakmesser sollte man darin nicht hantieren, aber ein normales Messer oder einen Pizzaroller halten sie aus,“ versichert sie.

Die Gründerinnen und ihr Kompagnon Filip Raketic, der Jura und Nachhaltigkeitswissenschaften studiert hat, haben sich für einen Durchmesser von 33 Zentimetern entschieden. Die Höhe beträgt 4,4 Zentimeter. „Damit decken wir den ganzen Markt ab, mit Ausnahme sehr großer Partypizzen“, sagt Raketic. Weitere Formate könnten folgen. Die Schalen passen zwar in eine Haushaltsspülmaschine. Aber zur Rückgabe braucht Pizzycle nur ausgewischt zu werden. Denn bevor die nächste Pizza hineinkommt, wird die Verpackung vom Verleiher professionell in einer Industrie- oder Gastronomiespülmaschine gereinigt.

„Wir haben uns für ein lebensmittelkonformes, extrem strapazierfähiges, hitzebeständiges Material entschieden. Die Schalen können mehrere hundertmal verwendet werden. Der Kunststoff ist zu 100 Prozent recycelbar“, berichtet Bruch. Sie zeigte Pizzycle auf ihrem populären Instagram-Account #greendesigns. „Darauf haben wir Anfragen aus der ganzen Welt bekommen, zum Beispiel aus Neuseeland und aus Alaska.“

Im Januar 2022 gründeten die drei jungen Unternehmer eine GmbH. Das Design und den Markennamen ließen sie schützen. Im März startete die Produktion bei einem deutschen Hersteller im Spritzgussverfahren und sie verkauften die ersten Pizzycles.

Als Kunden sehen sie zuerst Mehrwegdienstleister, die mit Restaurants und Pizzabäckern kooperieren. Die Schalen können in unterschiedlichen Farben hergestellt und mit Logos versehen werden. „Auch Pizzerien, die selbstständig Pfand auf die Verpackung erheben, können wir beliefern. Grundsätzlich verschließen wir uns keinen Kunden. Natürlich gilt: Je höher die abgenommene Stückzahl ist, desto günstiger wird der Preis“, erklärt Raketic.

Ganz aus der Hand geben und ihre Erfindung verkaufen wollen die drei nicht. „Wir lernen viel dabei. Wir möchten Pizzycle weiterentwickeln und perfektionieren“, beschreibt Raketic, wie es mit den nachhaltigen Verpackungen aus Offenbach weitergehen soll.

www.pizzycle.com