Online-Bewerbungen: Unternehmen könnten Chancen besser nutzen

58 Prozent setzen bei der Auswahl auf die elektronische Variante. Eigene Firmen-Tools und Apps werden aber noch zu selten genutzt

Immer mehr Unternehmen setzen beim Auswahlverfahren für offene Stellen auf Online-Bewerbungen. Nach einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom verlangen nur noch 27 Prozent der Personalchefs in Deutschland die Zusendung von Unterlagen auf dem Postweg und in der klassischen Papierform. 58 Prozent ziehen die elektronische Variante vor. Deren Vorteile: Die Auswahl der Bewerber im Vorfeld des persönlichen Gesprächs kann in der Regel ökonomischer und objektiver ablaufen als bei einer traditionellen Bewerbung.

Offenbar nutzen viele Betriebe die Möglichkeiten, die sich dadurch bieten, aber nicht vollständig aus. „Die meisten Unternehmen sehen die Online-Bewerbungsformulare nicht als Ersatz für die klassischen Bewerbungsunterlagen. Mehr als 80 Prozent fordern zusätzlich zu den gezielt erfassten Informationen ein Anschreiben und einen Lebenslauf an“, schreibt der Professor für Wirtschaftspsychologie Uwe Peter Kanning, der zu diesem Thema einen Feldversuch auf der Basis von 178 Stellenanzeigen durchgeführt hat. Seine Kritik: „Damit setzen sie sich der Gefahr aus, dass die Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten von nicht-validen Eindrücken (zum Beispiel Tippfehler, Selbstmarketing, Schmeichelei) verzerrt wird.“ So würden die Chancen, die in Online-Bewerbungsformularen liegen, „bestenfalls ansatzweise genutzt“. Im Idealfall werde die Auswahl für die Einladungen zum persönlichen Vorstellungsgespräch dagegen ausschließlich vom Computer getroffen – auf der Basis des zu Beginn erstellten Bewerbungsformulars.

Laut Bitkom nutzen ohnehin nur 20 Prozent der Unternehmen eigene Online-Bewerbungstools, mit denen Formulare ausgefüllt und eingescannte Dokumente hochgeladen werden müssen. 38 Prozent lassen sich die Unterlagen per E-Mail zuschicken. Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern verwendet immerhin bereits jedes dritte Online-Tools. Betriebe mit 50 bis 99 Mitarbeitern nutzen sie lediglich zu 19 Prozent.

Vor allem für die Besetzung offener Stellen mit internen Kandidaten bieten sich nach Einschätzung von Experten der Bitkom zum Beispiel auch mobile Apps an, mit denen Mitarbeiter sich direkt bewerben können. Entsprechende Apps verarbeiten die Anfrage, archivieren die Dokumente und verständigen den zuständigen Mitarbeiter in der Personalabteilung, der dann alles Weitere übernimmt. So entsteht ein einheitlicher Eingangskanal, mit dem Zeit und Kosten gespart werden können.