30 Jahre Excon

Offen für neue Ideen, Partner und Geschäftsmodelle

1988 ging die Excon in Neu-Isenburg an den Start. Das Tätigkeitsfeld war die Sicherstellung von Fahrzeugen. 30 Jahre später ist sie als agiler mittelständischer Dienstleister aufgestellt, hat einen hohen Digitalisierungsgrad erreicht und befasst sich intensiv mit dem Thema künstliche Intelligenz (KI). Die Excon Gruppe umfasst sieben Gesellschaften und Beteiligungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie vier eigenständige Landesgesellschaften in Belgien, Italien, Polen und Spanien.

Bruno Hohmann und Bettina Guggemos leiten unterschiedliche Zweige der Excon Services GmbH. Foto: Arens-Dürr/IHK

„Die Anfänge reichen bis 1987 zurück“, berichtet Bruno Hohmann, Geschäftsführer der Excon Insurance Services GmbH, und führt aus: „Ausschlaggebend waren Kontakte zu Soldaten und Polizisten. Personen aus diesen Berufsgruppen werden früh in den Ruhestand entlassen. Sie kennen die rechtlichen Grenzen und halten sie ein. Als Mitarbeiter von Excon wurden sie im bankennahen Bereich geschult und zur Sicherstellung von Fahrzeugen eingesetzt, deren Halter ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber Banken nicht nachgekommen waren.“

Excon sei der erste Anbieter für diese Dienstleistung gewesen, die mit einer Inkassolizenz verbunden war. Zur Sicherstellung kamen die Überführung, die Bewertung und Verwertung der Pkw. Sukzessive wurden weitere Services für Banken entwickelt, zum Beispiel die Verwaltung von Fahrzeugbriefen. „Outsourcing ist ein großes Thema. Unsere Kunden können unterschiedlichste Aufgaben ausgliedern, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören.“

Für Automobilhersteller begann Excon Händler-Audits zu übernehmen. Im Jahr 2000 erfolgte die europaweite Expansion. „2003 hatten wir Aufträge für 32 Märkte in Europa“, sagt Hohmann. Aktuell finden europaweit 30.000 Audits pro Jahr statt, die die Händler dank Digitalisierung heute selbst durchführen können. Mit dem Online-Handel taten sich weitere Geschäftsfelder auf. Bettina Guggemos, Geschäftsführerin der Excon Automotive Services GmbH, erklärt: „Die Rabattierungen im Onlinegeschäft müssen konform mit Vorgaben der Hersteller sein. Wir prüfen das weltweit zum Beispiel durch Testkäufe.“

Den Wandel der Mobilität und die prognostizierten Entwicklungen hat Guggemos im Blick. „Natürlich ist der Automotive-Markt stark im Fluss. E-Mobilität ist ein großes Thema, ein anderes ist Car-Sharing“, sagt sie. „Aber auch dort gibt es Prozesse, die optimiert werden können. Wir reagieren mit entsprechenden Vorschlägen und Angeboten. Uns gehen die Ideen und die Arbeit nie aus.“

Die Finanzkrise 2008 gab den Ausschlag, ein drittes Standbein zu schaffen. „Mit dem Eintritt in den Versicherungsmarkt bewegten wir uns bewusst weg von Automotive“, erklärt Hohmann. Der Fokus liegt hier auf der Schadenregulierung im Gebäudebereich. „Wir sind für fast alle großen Versicherer tätig“, berichtet er. Der Aufwand schwanke stark. Bei einem großen Sturmereignis fielen auf einen Schlag 1.000 Aufträge an. „Unser Netzwerk muss auch Massen abwickeln können. Deshalb haben wir ein System, das sich anpasst“, berichtet er.

KI-Nutzung trotz Hindernissen

In den bestehenden Systemen nutzt Excon eigene Algorithmen für Datenanalysen. Beim retrospektiven Durchrechnen von Datenwolken erkennt der Computer Muster und ermittelt Ableitungen für die Zukunft. „Prozessverbesserungen lassen sich damit zum Beispiel bei der Risikoprüfung für Banken erreichen“, sagt Hohmann. Kritisch sei die juristische Seite, meint er: „Moderne Fahrzeuge sind vernetzt. Der Hersteller bekommt Daten. Er darf sie nutzen, aber nicht an Dritte übermitteln.“ Guggemos sagt: „Wir brauchen die Datenbasis, um die KI darüber laufen zu lassen. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat uns um ein Jahr zurückgeworfen.“

Häufig gehe es um nach innen gerichtete Standardprozesse. KI könne Mitarbeitern immer wieder gleich anfallende Aufgaben abnehmen und mit geringerer Fehlerquote schneller und billiger erledigen. Die Mitarbeiter hätten die Chance, wertschöpfendere Tätigkeiten zu übernehmen. Gehe die Initiative zur Automatisierung von Kunden aus, sei die Kooperationsbereitschaft grundlegend.

Schnittstelle Beratung – Versicherung – IT

Im Gebäudeversicherungsbereich lässt sich mit Hilfe von KI beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für einen Schadenseintritt gut prognostizieren. Dies – so berichtet Hohmann – könnte die Basis für ein eigenes Versicherungsprodukt, ein Präventionsprodukt, sein. „Mit Hilfe von KI können wir berechnen, welche Maßnahmen notwendig sind, um einem Schaden vorzubeugen. Die Verbindung mit Smart-Home-Technik wäre möglich. Es wäre eine Win-win-Lösung für alle Beteiligten. Während die Idee bei den Versicherungsnehmern willkommen ist, sind die Versicherer träge.“

Potenziale nutzen

Unter dem Namen Excon Information Management GmbH / EIM entwickelt ein Start-up unter Leitung von Benjamin Hermanns die Automatisierung von Prozessen weiter. Hermanns hat beispielsweise die Workflowprozesse, die über unterschiedliche Kommunikationswege auf Banken einprasseln, kanalisiert. Er hat eine Software zur Posteingangsverbesserung, „die Posteingangsstraße“, programmiert, die auf Bildanalytik basiert. Excon hat zur Gründung nicht nur den Namen, sondern auch Wagniskapital beigesteuert. Das zeige die Offenheit für neue Ideen – auch solche, die im Austausch mit Konkurrenten oder Partnern entstehen. Maßgeblich für die Umsetzung sei die Einhaltung eines hohen Qualitätsstandards. Im „Innovation-Lab“ in Neu-Isenburg bietet das Unternehmen Räume, in denen sich Start-ups entfalten können. Mit den Blockchain Awards hat Excon einen Wettbewerb ins Leben gerufen, der Initiativen auszeichnet, die die Digitalisierung deutlich beschleunigen.

„Es ist für Mittelständler in diesen Zeiten existenziell, Stärken zusammenzubringen. Mitarbeiter sind schwierig zu bekommen. Das Gehaltsniveau ist hoch. Die Märkte sind in Bewegung. Deshalb ist es wichtig, strategische Prozesse gemeinsam mit Partnern und durch den Austausch in Netzwerken voranzubringen“, ist Hohmann sicher.

www.excon.com

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
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