Neues aus Berlin und Brüssel

Wer abends nach der Arbeit nicht mehr mit dem Nahverkehr nach Hause kommt, dem helfen Betriebe zunehmend durch Unterkunft, Führerschein, Dienstwagen oder Job-Fahrrad. Foto: Getty Images

Ausbildung: Wohnortnähe ist ein wichtiger Faktor

BERLIN. Im Wettbewerb um den Nachwuchs müssen sich gerade Betriebe in ländlichen Regionen immer mehr einfallen lassen. Sie können aber nicht alle Probleme allein lösen – darauf weist DIHK-Vize-Chef Achim Dercks hin. Da zunehmend erfahrene Fachkräfte der Babyboomer-Generation in Rente gehen, suchten die Betriebe dringend Nachwuchs, berichtet Dercks. In den DIHK-Umfragen bezeichneten rund 60 Prozent der Befragten den Fachkräftemangel als wichtiges Geschäftsrisiko.

„Damit steigt auch der Wettbewerb unter den Betrieben – und gerade für Unternehmen auf dem Land ist das eine besondere Herausforderung“, betont Dercks. Die Lösungen fallen situationsgerecht aus: „Wer abends nach der Arbeit beispielsweise vom Landhotel nicht mehr mit dem Nahverkehr nach Hause kommt, dem helfen Betriebe zunehmend durch Unterkunft, Führerschein, Dienstwagen oder Job-Fahrrad.“

Allerdings seien die Firmen im ländlichen Raum noch mit weiteren Rahmenbedingungen konfrontiert, „die sie nicht allein angehen können“, so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer weiter. In den vergangenen Jahren seien vielerorts ganze Schulen oder Klassen geschlossen worden, sodass die Azubis heute lange Wege auf sich nehmen müssten. „Hier brauchen wir neue, innovative Wege wie virtuelle Klassenzimmer und flexible Klassengrößen“, sagte Dercks. Die Wohnortnähe sei für viele junge Menschen durchaus ein Grund, sich für eine berufliche Bildung in Unternehmen vor Ort zu entscheiden – „das gelingt aber nur mit entsprechender Berufsschule in der Nähe“.

Abschreibungsregeln überfällig

BERLIN. DIHK-Präsident Eric Schweitzer plädiert für neue Abschreibungsregeln für digitale Wirtschaftsgüter. „Insbesondere Wirtschaft 4.0 macht zusätzliche Investitionen in den Unternehmen erforderlich. Zugleich müssen vorhandene Anlagen von den Betrieben schneller abgeschrieben werden. Doch all das geschieht bislang mit den technologiebedingt veralteten Vorgaben aus dem Jahr 2001“, betonte Schweitzer. Angesichts der strukturellen Herausforderungen und der aktuellen konjunkturellen Abschwächung sollte die Politik jetzt schnell handeln. „Langwierige Detaildiskussionen um die richtige Abgrenzung der relevanten Investitionen gilt es aus Sicht der Betriebe zu vermeiden“, so Schweitzer. „Stattdessen ist die zeitlich begrenzte Einführung einer pauschalen Verkürzung aller Abschreibungszeiträume angezeigt. Das brächte den Unternehmen schnell notwendige Entlastungen und verschaffte den Finanzbehörden die erforderliche Zeit, um die sogenannten AfA-Tabellen neu aufzustellen. Anschließend sollte dann auch eine regelmäßige Aktualisierung erfolgen – etwa spätestens alle fünf Jahre.“