IHK-Förderpreis Design to Business

Naturschutz als Statement auf dem Kopf

Nils Mayer, Absolvent der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, hat den IHK-Förderpreis Design to Business 2017 gewonnen. Prämiert wurde sein Projekt „Naturschutz“, ein Fahrradhelm aus Flachs, biobasiertem Epoxidharz und Kork.

Zur Herstellung von „Naturschutz“ werden Flachsfaser und biobasiertes Epoxidharz verwendet. Foto: Mayer

Der Preisträger demonstriert damit, wie Leichtbau und Stoßabsorption mit natürlichen Kompositwerkstoffen erreicht werden. Der Helm soll so Mensch und Natur gleichzeitig schützen. Bei einem Besuch in der IHK sprach er von seiner Idee, seinen Erfahrungen und Plänen.

Wie ist die Idee für „Naturschutz“ entstanden?

Ich selbst bin leidenschaftlicher Fahrradfahrer und wollte mit meinem Helm aus umweltfreundlichen Materialien eine Alternative zu den herkömmlichen Produkten schaffen. Dazu habe ich zu Anfang eine umfangreiche Materialrecherche gemacht. Es stellte sich schnell heraus, dass es neben der Omnipräsenz von Kohlenstoff- und Glasfaser nur wenige ökologische Alternativen gibt, die vom Gewicht, der Kraftverteilung und der Festigkeit her ähnliche Eigenschaften vorweisen.

Schließlich bin ich auf die Flachsfaser gestoßen. Es gibt allerdings nur einen einzigen Hersteller von Flachsfaserwerkstoffen. Ich habe Flachsfasergelege und -gewebe bezogen und versucht, einen Dienstleister zu finden, der mir die Außenschalung aus Flachs herstellt. Das ist mir nicht gelungen. Deshalb habe ich selbst Kenntnisse zur Herstellung aus dem Skibau und bei Anbietern erworben. Ich wollte auf jeden Fall ein Funktionsmodell herstellen, um die Entwurfsgrundlage zu bestätigen. Das Modell, das Sie jetzt in der Hand haben, ist im Zuge vieler Versuche und Tests mit zum Teil selbst gebautem Werkzeug in meiner eigenen Werkstatt entstanden.

Was macht den Faktor Design bei diesem Projekt aus?

Das Material spielt eine herausragende Rolle. Flachsfaser ist ein Nischenmaterial, das es auch neu zu ästhetisieren galt. Ich habe den Helm aus einer nahtlosen Fasermatte gefertigt und diese in einer Matrix aus biobasiertem Epoxidharz auf Recyclingbasis vergossen. Die Struktur der Flachsfaser bleibt an der Oberfläche sichtbar und verleiht dadurch dem Projekt eine ganz eigene Designsprache.

Warum sollte man „Naturschutz“ und keinen herkömmlichen Fahrradhelm kaufen? Was ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil?

Das Hauptargument sind die Materialien. Fahrradfahren ist eine umweltfreundliche Fortbewegungsart, zu der die im Radbereich weit verbreitete Kohlenstofffaser eigentlich nicht passt. Mit diesem Modell kann man Naturschutz quasi als Statement auf dem Kopf tragen.

Wie geht es für Sie weiter?

Ich bin aktuell auf der Suche nach einer Festanstellung als Designer. Inwiefern ich das Projekt weiterverfolgen kann, ist noch nicht klar. Möglicherweise werde ich mit dem Hersteller der Flachsfasermatten Kontakt aufnehmen. Dort könnte Interesse daran bestehen, sich das Projekt näher anzuschauen. Ebenso wäre es denkbar, mich im Rahmen eines Forschungsprojektes weiter mit der Erforschung nachhaltiger Materialien zu beschäftigen.

Autorin und Kontakt:

Mirjam Schwan
Telefon (069) 8207-251
schwan@offenbach.ihk.de