International engagiert in Zeiten von Corona

Mitarbeiter auf Reisen

Ob Betriebe ausländische Mitarbeiter in Deutschland beschäftigen oder ihre deutschen Fachkräfte zu Montagearbeiten ins Ausland entsenden – Internationalität ist in vielen Unternehmen an der Tagesordnung. Wenn wir nicht gerade eine Pandemie haben.

Wegen Corona sind Grenzen geschlossen und Ein- und Ausreisen von Fachkräften erheblich erschwert. Foto: Uwe – stock.adobe.com

Um den Arbeitsmarktzugang für Fachkräfte aus Staaten außerhalb der Europäischen Union zu erleichtern, trat am 1. März 2020 das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Kaum galt es, kam das Virus und mit ihm weltweite Reisebeschränkungen. Die lassen Fachkräfteeinwanderungen derzeit unmöglich erscheinen.

Tatsächlich konnten coronabedingt seit dem 17. März 2020 in Deutschland kaum Einreisen aus Drittstaaten (Staaten, die die nicht in den Listen der EU- oder EFTA-Staaten aufgeführt sind) nach Deutschland stattfinden. Deutsche Auslandsvertretungen wurden gehalten, keine Visaanträge mehr anzunehmen. Die Ausländerbehörden vor Ort haben den Publikumsverkehr eingeschränkt. Teilweise wurde auf Online-Verfahren umgestellt, und nur zögerlich werden wieder Termine vergeben. Die Beschränkungen wirken sich erheblich auf die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte aus.

Nicht nur Ausländer, die eine Beschäftigung in Deutschland aufnehmen wollten, sondern auch Fachkräfte, die bereits in Deutschland arbeiten, sind davon betroffen. Zum Beispiel dann, wenn es um die Verlängerung ihres Arbeitsvisums geht. Die Politik hat nun reagiert: Die Ausländerbehörden sollen unkomplizierter Visa und Aufenthaltsgenehmigungen vergeben. Die Erleichterungen kommen auch Arbeitgebern zugute, die ausländische Fachkräfte beschäftigen.

Wer darf jetzt ins Land?

Wer aus einem Drittstaat kommt und kein längerfristiges Aufenthaltsrecht hat, kann ohne dringenden Grund kaum einreisen. Ausnahmen gelten für Ausländer aus wichtigen Berufsgruppen („essential functions or needs“), wie Gesundheitspersonal und -forscher, Fachkräfte für Pflegeberufe sowie für Grenzgänger und Transportpersonal im Warenverkehr. Für sie sollen die Verfahren beschleunigt werden. Für Fachkräfte anderer Berufe kommt es dagegen wegen der Reisebeschränkungen und der teilweise weiter eingeschränkten Öffnungszeiten der Ausländerbehörden zu weiteren Verzögerungen.

Aufenthaltstitel verlängern

Wenn ausländische Fachkräfte derzeit mit einem Aufenthaltstitel in Deutschland beschäftigt sind und dessen Gültigkeit abläuft, hat das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) Erleichterungen vorgesehen. So sind beispielsweise Anträge formlos möglich. Können sie nicht bearbeitet werden, gilt der Aufenthaltstitel bis zur Entscheidung der Ausländerbehörde als fortbestehend (Fiktionswirkung). In der Praxis bedeutet das: Wird eine

Bescheinigung aufgrund der besonderen Umstände nicht ausgestellt, genügt die Eingangsbestätigung für den Verlängerungsantrag durch die Behörde als Nachweis – in Notfällen sogar elektronisch ohne Unterschrift und Stempel.

Besonderheiten gelten für Inhaber von Schengen-Visa, die mit ihrem Visum coronabedingt nicht aus Deutschland ausreisen können. Sie dürfen bis zum 30. September in Deutschland bleiben und ausnahmsweise sogar einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Jetzt entsenden?

Auch für deutsche Arbeitnehmer, die für ihr Unternehmen kurz- oder langfristig im Ausland arbeiten sollen, sind die Hürden hoch. Unzählige Visa-, Quarantäne- oder andere länderspezifische Sonderregularien sind zu beachten. Ob eine Tätigkeit möglich ist oder nicht, muss immer im Einzelfall betrachtet werden. Eine sorgfältige Recherche ist notwendig. Von Normalität für Unternehmen und Fachkräfte, die international engagiert sind, kann leider derzeit keine Rede sein.

www.offenbach.ihk.de/international

Autorin

Silvia Schubert-Kester
Telefon 069 8207-252
schubert@offenbach.ihk.de