Die passende Methode ist entscheidend

Mehr Zeit für Strategieentwicklung

Unternehmen tun gut daran, gelegentlich ihre Strategie zu hinterfragen und neu zu justieren. Das kostet Stunden und vielleicht sogar Tage, zahlt sich im Anschluss aber aus.

Im Workshop entwickelt das Team gemeinsam seine Strategie. Das kostet zuerst Zeit, hilft aber anschließend, sie einzusparen. Grafik: Pastuszka

Holzhackerwettbewerb: Eines der Teams hackt und hackt, gerät aber immer weiter ins Hintertreffen – es geht einfach viel zu langsam. Ein Zuschauer ruft dem Team zu: „Schärft doch mal eure Äxte!“ Doch einer aus dem Team wischt sich mit rotem Kopf den Schweiß ab und antwortet: „Das geht nicht! Wir haben keine Zeit, wir müssen Holz hacken!“

In vielen Unternehmen sieht es ganz ähnlich aus. Das operative Geschäft ist am dringlichsten und irgendein Feuer muss immer gelöscht werden. So fehlt oft die Zeit, sich ausreichend mit den grundlegenden Fragen zu beschäftigen: Sind wir noch richtig unterwegs? Haben wir die passenden Antworten auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen? Wie werden wir langfristig erfolgreich sein? Mit anderen Worten: Was ist unsere Strategie für die Zukunft?

Die schlechte Nachricht: Gute Antworten auf diese Fragen zu finden braucht Zeit – und die sollte man sich unbedingt nehmen. Die gute Nachricht: Es braucht gar nicht so viel Zeit wie befürchtet, um Klarheit über die grundlegende strategische Richtung zu gewinnen! Es muss kein komplexer und langwieriger Prozess sein. Mit den richtigen Methoden, etwas Vorbereitung und einem guten Team ist schon in kurzer Zeit eine Menge erreichbar.

Wenn man sich von der Vorstellung losmacht, ein perfektes, wasserdichtes Ergebnis zu produzieren, kann schon in nur einem Tag der Kern einer Strategie entworfen werden, die in weiteren Schritten geschärft und umgesetzt wird.

So gelingt der Strategieworkshop

  1. Tapetenwechsel: Raus aus dem operativen Stress und der gewohnten Umgebung, Zeit nehmen und Abstand gewinnen! Abseits des Tagesgeschäfts und des Arbeitsplatzes kommen oft die besten Ideen. Ideal ist eine inspirierende Location, z. B. irgendwo im Grünen.
  2. Unterschiedliche Perspektiven nutzen: Die besten Zutaten für eine robuste Strategie sind unterschiedliche Blickrichtungen, und zwar gleich zu Beginn. Das gelingt am besten mit einem möglichst heterogenen Team. Statt mit den „üblichen Verdächtigen“ zu arbeiten, gilt es, das Gruppendenken zu überwinden, das sich gerne in eingeschwungenen Teams breitmacht. Warum nicht einen Externen einladen oder einen Moderator nutzen?
  3. Kritisch hinterfragen, offen diskutieren: Manchmal muss man liebgewonnene Ansichten über Bord werfen, was aber bedeutet, dass diese kritisch hinterfragt werden müssen. Dazu braucht man eine offene und wertschätzende Diskussionskultur. Querdenker haben oft unbequeme, aber nützliche Ansichten. Werden diese nicht wertschätzend aufgenommen, ziehen sie sich zurück und behalten ihren Input für sich. Also: alle Ideen sammeln.
  4. Strukturiert arbeiten und die richtige Flughöhe wahren: Um effizient zu arbeiten, braucht man eine klare Struktur, an der man sich entlanghangelt. Es gibt zahlreiche Standardwerkzeuge in der Strategieentwicklung, die helfen, sich die richtigen Fragen zu stellen. Dazu gehört beispielsweise die SWOT-Analyse, mit deren Hilfe Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats) gegenübergestellt werden. Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, einen geeigneten Satz von Werkzeugen auszuwählen. Einfacher geht es mit der Strategy-Explorer-Methode, die bereits wichtige Werkzeuge integriert und so die komplette Strategieentwicklung auf einer einzigen Seite ermöglicht. Diese wird im Posterformat aufgehängt und im Team mit Haftnotizen bearbeitet. Damit lässt sich auf intuitive, interaktive und schlanke Weise ein in sich stimmiges strategisches Gesamtbild erarbeiten.

Zeit investieren, Zeit gewinnen

Bei alldem gilt es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, anstatt im operativen Klein-Klein unterzugehen. Gerade hier kann ein erfahrener Moderator dem Team helfen, sich nicht zu verzetteln und effektiv zu einem Ergebnis zu gelangen.

Natürlich kostet so ein Workshop erst einmal Zeit, aber die ist gut investiert – in einen erfolgversprechenden Kurs für die Zukunft. Die Erfahrung zeigt, dass es oft schwierig ist, einen Anfang zu finden. Sobald der gemacht ist, läuft es aber und es entstehen schnell wertvolle Ergebnisse. Allerdings muss man „dranbleiben“, die Strategie in konkrete Maßnahmen umsetzen, diese verfolgen und von Zeit zu Zeit erneut hinterfragen.

Im übertragenen Sinne lautet die Empfehlung: Axt schärfen, richtig loslegen und regelmäßig überprüfen, ob das Werkzeug noch scharf genug ist.

Dr. Stefan Pastuszka aus Hainburg beschreibt in seinem 2019 im Offenbacher Gabal-Verlag veröffentlichten Buch „Strategy Explorer – das Strategiewerkzeug für Teams“ eine Methode zur unkomplizierten Entwicklung von Unternehmensstrategien (ISBN: 978-3-86936-934-1). Foto: Gregor Szypula

Autor:

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