Kammern informieren und werten Ausbildung auf

Mehr unbesetzte Ausbildungsplätze

Mit 1.392 neuen Ausbildungsverträgen verzeichnet die IHK Offenbach am Main im aktuellen Ausbildungsjahr ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahr (-1,0 Prozent). Die Agentur für Arbeit Offenbach meldet konstante Bewerberzahlen. Die Anzahl der unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätze ist von 155 (2018) auf 235 gestiegen (plus 52 Prozent). Gleichzeitig boten die Unternehmen 8,5 Prozent mehr Ausbildungsstellen an.

Auf der Bildungsmesse gOFfit beschreiben Ausbilder und Auszubildende von Unternehmen und Institutionen den Besuchern unterschiedlichste Berufs- und Ausbildungswege. Foto: Byczek/IHK

Hans-Joachim Giegerich, Vizepräsident der IHK Offenbach am Main, berichtet: „Im Saldo gibt es deutlich mehr offene Stellen als unversorgte Bewerber. Inzwischen geben 30 Prozent der Betriebe bei einer IHK-Umfrage an, dass nicht alle angebotenen Plätze besetzt werden konnten. Die Steigerung um 52 Prozent bei den nicht besetzten Ausbildungsstellen beschreibt, wie ernst die Lage für die Wirtschaft ist. Fachkräfte sind die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen.“

Guter Einstieg ins Berufsleben

Thomas Iser, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach, sagt: „3.432 junge Leute waren im Agenturbezirk ausbildungssuchend gemeldet, 0,1 Prozent mehr als 2017/18. Nur 67 Jugendliche sind unversorgt geblieben, 4,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen stieg auf 2.388 an. Immer mehr Ausbildungsbetriebe melden offene Ausbildungsstellen bei uns. Wir wissen aber auch, dass Betriebe mitunter händeringend nach Nachwuchskräften suchen. Der Arbeitsmarkt braucht weiterhin qualifizierte Fachkräfte. Daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn die wirtschaftliche Entwicklung an Dynamik verliert. Leider hat die duale Berufsausbildung bei vielen Jugendlichen und Eltern kein gutes Ansehen. Insbesondere Eltern mit nichtdeutschem Hintergrund wissen manchmal nicht, dass eine duale Berufsausbildung ein anerkannter und erfolgversprechender Einstieg in das Berufsleben ist. Wir werden weiter daran arbeiten, Mütter und Väter besser zu informieren.

Ausbildungsbetriebe gehen mehr und mehr dazu über, auch den jungen Leuten eine Chance zu geben, die vielleicht nicht hundertprozentig ihren Vorstellungen entsprechen. Das finde ich richtig, denn wir müssen mit denen arbeiten, die jetzt da sind. Zudem gibt es pädagogische und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten: beispielsweise die assistierte Ausbildung (AsA) für eine pädagogische Begleitung von Anfang an und ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) zum Abbau von Schwächen, die während der Ausbildung auftreten. Unser Arbeitgeber-Service kann Betriebe dazu fachkundig beraten.

Die Agentur für Arbeit wird perspektivisch noch näher an den Jugendlichen sein und noch früher beginnen, mit ihnen zu arbeiten. Unsere Berufsberatung wird bereits in den ‚Vor-Vor-Entlassklassen‘ in den Schulen präsent und ansprechbar sein, um die Jugendlichen abzuholen und früher in den Berufsorientierungsprozess einzusteigen. Auch an Gymnasien wird die Berufsberatung mittelfristig stärker Präsenz zeigen, um Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen frühzeitig über die Möglichkeiten der dualen Ausbildung zu informieren.“

Berufsschulen besser ausstatten

Zur Situation im Handwerk berichtete Handwerkskammerpräsident Bernd Ehinger: „Im Oktober haben wir im gesamten Kammerbezirk Frankfurt-Rhein-Main mit 3.832 neuen Ausbildungsverträgen ein leichtes Plus im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet, davon 174 in Offenbach und 535 in Offenbach Land. Um die berufliche Bildung in den gesellschaftlichen Fokus zur rücken, sind nun strategisch verschiedene Aspekte wichtig, um die Attraktivität der Ausbildung zu stärken. Einerseits sind wir gemeinsam mit den Fachverbänden dabei, neue pädagogische Konzepte und eine gute Ausstattung der Berufsbildungszentren zu entwickeln und auf den Weg zu bringen. Von Seiten der Politik wünschen wir uns darüber hinaus Unterstützung hinsichtlich der Ausstattung der Berufsschulen, um die Gleichwertigkeit von dualer und akademischer Bildung stärker zu verankern. Als Handwerkskammer gehen wir auch verstärkt auf unsere Mitglieder zu, um Bewerber und Unternehmen zusammenzubringen.“

Für Giegerich steht fest: „Fachkräftesicherung ist ein wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft in der Region Offenbach. Absolventen einer dualen Berufsausbildung oder der höheren Berufsbildung sind am Arbeitsmarkt gefragt wie nie zuvor. Um das System der betrieblichen Berufsausbildung für Jugendliche wieder attraktiver zu machen, muss sich auch dieses System weiterentwickeln. Zum Beispiel benötigen wir modular aufgebaute Ausbildungsvorbereitungen, gute Nachhilfeangebote für leistungsschwächere Auszubildende und interessante Angebote für leistungsstarke Schulabgänger.“

Um die Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung konkret zu unterstützen, bietet die IHK unterschiedliche Formate an. „Dazu gehören die Bildungsmesse ,gOFfit‘, die Nacht der Ausbildung in Offenbach und Rödermark, die IHK-Ausbildungsbotschafter, Azubi-Speed-Datings und Angebote zur Integration von Migranten in Ausbildung“, zählt der IHK-Vizepräsident einige Initiativen auf.

„Neben den Ausbildungsmessen, der WhatsApp-Sprechstunde für Ausbildungsinteressierte, dem Infoangebot ,yourPUSH‘ für Studienneuorientierer an der Goethe-Uni und weiteren Angeboten geht das Handwerk in Sachen Image darüber hinaus zusätzliche Wege“, sagt Ehinger und führt aus: „Gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern macht das Handwerk verstärkt die Karriereperspektiven der beruflichen Bildung erlebbar, so etwa mit den Partnern der ,Fraport Skyliners‘. Die Experten der  Kreishandwerkerschaft Offenbach bieten gemeinsam mit den Handballern der HSG Rodgau Nieder-Roden ausgewählte Ausbildungsinfo-Aktionen zum Thema Handwerk an.“

Kontakt:

Thomas Süsser
Telefon (069) 8207-313
suesser@offenbach.ihk.de