… reingeschaut ins „Paradies&Das“

Liefern und lachen

Im „Paradies&Das“ in Offenbach-Bürgel treffen sich Menschen zum Nichtstun, das Raum für Veränderung schafft. Sie kommen auch, um sich gegenseitig zu inspirieren, Ideen zu entwickeln und zufriedener zu werden.

Jetzt ist es höchste Zeit, zufrieden und glücklich zu werden. Jan Philip Johl will Wege dazu zeigen. Foto: Arens-Dürr/IHK.

Wer die Pforte zu dem 3.000 Quadratmeter großen Gartengrundstück öffnet, gibt zunächst sein Mobiltelefon ab. Der Besucher entkoppelt sich vom Alltag. Kein Anruf stört die Stille. Einfach und ursprünglich soll es in diesem Paradies zugehen, zu dem ein Steinhaus, zwei Pavillons und mehrere Hütten, die an ein Asterix-Dorf erinnern sollen, gehören. Es gibt viel Natur, keinen Strom, aber einen eigenen Brunnen, ökologische Toiletten und Duschen. Die große Holzterrasse im Zentrum der Hütten umgibt eine Feuerstelle und eine Hängematte. Nur die Flugzeuge am Himmel erinnern von Zeit zu Zeit an die Lage inmitten der Metropolregion.

„Arbeit erzeugt in dieser schnelllebigen Welt zunehmend Druck, das habe ich in unserer Firma erlebt“, berichtet Initiator Jan Philip Johl, dessen Familie bis 1992 Inhaber der Lederwarenmanufaktur Seeger in Offenbach war. Von Druck sollen der Bürgeler Garten und seine Besucher frei sein. „Hier kommen die Leute wie ein Schwarm zusammen und überlegen zum Beispiel Marketing- oder PR-Ideen, aber auch darüber hinaus in alle möglichen Richtungen.“ Er spricht von einem „Nestwerk“. Es gehe nicht primär darum, etwas zu produzieren, „zu liefern“, wie er es nennt. Jeder bringe ein, was er gut kann. Man ergänze sich und bleibe doch frei. Das ergebe eine Mischung aus Augenzwinkern und Funktionalität, die auf „liefern und lachen“ hinauslaufe. Hierarchiedenken findet Johl für solche Prozesse – und auch grundsätzlich – schlecht: „Das sind Ego-Spielchen, die daran hindern, mehr Geld zu verdienen, obwohl man weniger arbeitet. Hierarchie erzeugt Stillstand.“ Was er allerdings eingeführt hat, ist der „Hut der Verantwortung“, den einer übernimmt, aber auch weiterreichen kann.

„Nixtun“ gegen Burn-out

Zum Programm im „Paradies&Das“ gehört der „Nixtun-Workshop“. Johl erklärt dazu: „Man könnte ihn Resilienz-Seminar nennen. Viele Menschen leiden unter Burn-out. Sie müssen zu einem achtsamen Umgang mit sich selbst zurückfinden. Das ist ein wichtiges Thema für Unternehmen.“ Zu den Referenten gehört zum Beispiel ein früherer Personalberater, der nicht länger Führungskräfte vermittelt, sondern Lebensfreudekurse leitet. Eine Psychologin hilft den Teilnehmern mit dem Verfahren der systemischen Aufstellung, ihre Konflikte im beruflichen oder privaten Umfeld aufzuarbeiten. Wellness-Massagen sollen das körperliche Wohl fördern, genau wie vegane Speisen und der Verzicht auf Alkohol.

Darüber hinaus finden im „Paradies&Das“ Workshops zu individuell vereinbarten Schwerpunkten oder Seminare zur Teambildung statt. Dauer und Intensität sind variabel – vom Schnuppertermin bis zur mehrtägigen, zertifizierten Weiterbildung inklusive Übernachtung ist alles möglich. Auf Wunsch kommen Johl und seine Referenten ins Unternehmen und bieten auch an, einen Garten für Kunden nachzubauen, die ein eigenes „Paradies&Das“ für ihre Mitarbeiter schaffen wollen.

Der „Glüxionär“

„Ich komme aus einem traditionellen Unternehmen und kenne die Strukturen und Abläufe in den Betrieben“, erklärte der 52-jährige Johl, der in London und Straßburg Betriebswirtschaftslehre studiert hat. Seine „unkonventionelle Schiene“ empfiehlt er nicht als Alternative dazu, sondern als Ergänzung. „Die Mitarbeiter sollen sich auf ihre Berufung konzentrieren. Das macht sie zufriedener und effizienter. Menschen, die nicht zufrieden sind, sind unzuverlässig“, ist er überzeugt. Glück sei wichtiger als Reichtum und deshalb sei er lieber ‚Glüxionär‘ als Millionär. Sein Frankfurter Laden „Glück ist jetzt“ steht seit 2001 für seine Ideen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Patricia Schellenberger lädt er zu Treffen auf dem von ihnen so genannten „Happy Germany Platz“ vor dem Haus ein. Sie verkaufen gemäß der Familientradition Taschen sowie die von Johl erfundenen Glücksblumen, aber auch allerlei sonstige „Glücksprodukte“ wie die „Jetzt-Uhr“. „Das Siegel ‚Made in Happy Germany‘ habe ich schon 2006 in allen Klassen schützen lassen“, berichtet er.

Sicher hielten manche ihn für einen Spinner oder man unterstelle ihm Oberflächlichkeit. Tatsächlich sei es wichtig, Tiefgründiges einfach zu verpacken. Er sei ein Visionär, sagt Johl und beschreibt sich selbst: „Ich bin Kind geblieben und doch erwachsen geworden, denn ich übernehme Verantwortung.“

Informationen im Internet unter: 
www.paradies-und-das.com.