100 Jahre und vier Generationen

Leder und Pfeifen aus Offenbach

Krieg, Schicksalsschläge, Strukturwandel – die Kopp GmbH & Co. KG in Offenbach hat all das überstanden. Mit großer Sparsamkeit, starkem Willen und strategischem Geschick lenkt Bernd Kopp die Geschicke des Unternehmens seit 1958, wobei ihm seine Söhne Thilo und Oliver, die Urenkel des Gründers, inzwischen zur Seite stehen.

Martin Wess, seine Frau Frederike Wess, Prokuristin Karla Kühn und im Vordergrund Bernd Kopp. Foto: Kopp

Am 15. April 1919 wagte Martin Wess den Schritt in die Selbstständigkeit. Als Feintäschnermeister bediente er Kunden wie Goldpfeil mit Zigarrenetuis und zahlreiche renommierte Uhrenhersteller mit Lederetuis. Seine Kinder Gottfried und Frederike halfen ihm, später auch Frederikes Mann Friedrich Kopp. In der Blütezeit der Lederwarenproduktion hatten sie rund 100 Mitarbeiter. Wess betrieb sogar eine kleine Produktionsstätte mit angeschlossenem Vertriebsbüro in der New Yorker Fifth Avenue.

Der Enkel des Firmengründers kam im Kriegsjahr 1940 zur Welt. Sein Vater fiel kurz vor dem Sieg der Alliierten. Das Firmengebäude wurde fast gänzlich zerstört. Martin Wess starb 1947, zwei Jahre später sein Sohn Gottfried. Frederike Kopp führte die Geschäfte bis 1954 mit ihrer Prokuristin Karla Kühn, bis sie der damals unheilbaren Tuberkulose erlag. Mit 14 Jahren war Bernd Kopp Vollwaise. Nach dem Besuch der kaufmännischen Schule heuerte er auf Überseedampfern Richtung Südamerika an.

Gelungene Spezialisierung

Als dem Unternehmen 1958 die Insolvenz drohte, stellte sich der Gründerenkel der Herausforderung. Mit 18 Jahren übernahm er die Anteile von seiner Tante Alice Wess und stellte gemeinsam mit der Feintäschnerfamilie Kurth die Modellpalette um. Statt auf belederte Reiseweckeretuis setzten sie auf Pfeifentaschen und Tabakbeutel und entwickelten das Unternehmen zu einem der größten Anbieter für Raucherzubehör aus Leder.

1971 gründete Kopp mit Lothar Otto die Firma Otto & Kopp, ein Importunternehmen für Tabakpfeifen. 1979 ging er eine erfolgreiche Partnerschaft mit Michael Kohlhase ein (Kohlhase & Kopp). Im Jahr 2004 erwarb die Firma Otto & Kopp eine Beteiligung an dem Filialunternehmen Dürninger, dem ältesten Zigarrenhaus Deutschlands. 2010 fusionierten die Firmen Otto & Kopp und Martin Wess zur Kopp GmbH & Co. KG.

Bernd Kopps Sohn Oliver trat Ende der 90er Jahre in das Unternehmen ein. Sohn Thilo stieß knapp zehn Jahre später dazu. Beiden gelang es, die Firma zum führenden europäischen Anbieter von Markenpfeifen auszubauen.

Im Jubiläumsjahr erweitern die Brüder das Portfolio des Familienbetriebs und übernehmen den Filter- und Reinigerproduzenten White Elephant – Robert Maderholz in Ettenstatt bei Nürnberg (Kopp – Smoking Systems). Aktuell beschäftigt die Unternehmensgruppe Kopp 270 Mitarbeiter.

www.kopp-pfeifen.de

IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner (2.v.r.) gratulierte dem Gründerenkel Bernd Kopp (mit Pfeife) und seinen Söhnen Thilo (l.) und Oliver (r.) zum außergewöhnlichen Unternehmensjubiläum. Foto: Philip Benz