SMC setzt auf Egelsbach

Kundennähe und großes Portfolio sichern den Erfolg

Die Baustelle gegenüber dem Gebäudekomplex von SMC ist unübersehbar. Der Standort wächst. 

Eine SMC-Mitarbeiterin montiert einen elektrischen Greifer an ein sogenanntes EA-Portal. Foto: SMC

SMC Deutschland wurde vor 42 Jahren als Tochterunternehmen der SMC Corporation, Tokio, gegründet. „Unser Konzern ist Weltmarktführer in der pneumatischen und elektrischen Automatisierungstechnik“, erklärt Marketingleiter Michael Junkermann und führt aus: „Ursprünglich ging es um Ventile, Zylinder und Pneumatik, heute grundsätzlich um Automatisierungstechnik. Mit unseren Produkten werden Waren hergestellt, diese mit Maschinen bewegt und Fertigungsstraßen zum Laufen gebracht. “

Am Hauptsitz in Egelsbach sind 466 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 100 Entwicklungsingenieure und 132 Fachkräfte in der Produktion. Deutschlandweit beraten 285 spezialisierte Vertriebsmitarbeiter Kunden aus diversen Branchen – allen voran dem Maschinenbau, aus dem Gesundheitsbereich, der Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie oder der Automobilherstellung. Der SMC-Kunde hat die Wahl zwischen vorhandenen Lösungen, die an seine Bedürfnisse angepasst werden können, und individuellen Entwicklungen.

Maßstab für den Weltmarkt

Noch vor zehn Jahren lag der Fokus von SMC Deutschland auf dem Vertrieb. Seitdem wurde das Unternehmen zu einem Entwicklungsstandort mit eigener Produktion transformiert. „Der Konzern nimmt Deutschland stärker als Exportweltmeister und Maschinenbaustandort wahr. Die Anforderungen des deutschen Marktes sind hoch und setzen Maßstäbe für den Weltmarkt. Daher liefern unsere deutschen Kunden ihr Know-how mit der Fertigung anspruchsvoller Maschinen und Anlagen in nahezu alle Länder“, so Junkermann.

Früher existierte in England für ganz Europa nur ein Entwicklungszentrum. „In diesem wurden jedoch fast nur deutsche Projekte umgesetzt, da von hier stets interessante Kundenanforderungen eingegangen sind. Wir greifen die Visionen der Unternehmen gerne auf, egal wie groß die Firmen und auch die Herausforderungen letztlich sind“, unterstreicht er. Brigitte Martinez Méndez, die für Public Relations (PR) verantwortlich ist, fügt hinzu: „Das beeinflusst wiederum unser Portfolio, was somit stetig wächst. Mit der Miniaturisierung, dem Verkleinern der Komponenten, beschäftigen wir uns schon seit vielen Jahren und sind stets bestrebt, die Entwicklungen auch für diesen Bereich voranzutreiben. Auch Produkte, die nicht in den Bereich Pneumatik fallen – wie Kühl- und Temperiergeräte oder Ionisierer, die für elektrostatische Entladung sorgen –, gehören zu unserem breitgefächerten Produktportfolio.“ Ähnlich verhält es sich mit dem Internet of Things. „Die Automatisierung will in die Cloud“, sagt Junkermann. „Nur mit einer intelligenten Steuerung können kleine Losgrößen gefertigt werden. Auch dieses Thema ist für SMC von großer Bedeutung und bei uns im Fokus.“

Im Industrial Application Center, einem großzügigen Raum, der für den jeweiligen Besucher mit individuellen Anwendungen ausgerüstet wird, treffen Kunden und Außendienstmitarbeiter zusammen. „Spezialisten aus dem Entwicklungsteam werden hinzugezogen, um Details zu diskutieren. Mal soll eine Anwendung zum Beispiel keine Störgeräusche erzeugen oder es muss eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht werden“, nennt er einzelne Herausforderungen.

Traditionell krisenfest

Im Mai 2020 sagt Junkermann: „Uns geht es den Umständen entsprechend gut.“ Andere Unternehmen in der Region haben Kurzarbeit angemeldet oder kämpfen um ihre Existenz. Wieso verkraftet SMC Deutschland die Corona-Pandemie fast unbeschadet? „Wir haben ein riesiges Portfolio und ein großes Lager. Das ist jetzt ein Segen“, meint er. „So sind wir auch in dieser schwierigen Phase lieferfähig. Wir profitieren von stabilen Lieferketten und unserer hohen Fertigungstiefe.“ Die Expertin für Public Relations weist auf die familiäre, japanische Unternehmenskultur hin: „Auch in Krisen steht der Konzern hinter seinem Personal und den Kunden. Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein werden gelebt, ganz besonders die Vorgabe ‚Der Kunde ist König‘.“ 

SMC fertigt weltweit, unter anderem auch in China. „Als die Corona-krise begann, hatten wir sofort ein Auge auf die Lieferketten und haben auch unsere Kunden angeschrieben. Homeoffice und Wechselschichten wurden eingeführt und zügig umgesetzt“, berichtet Junkermann. Die Geschäftsleitung habe schnell und unbürokratisch große Anstrengungen unternommen, um den sich hieraus ergebenden Herausforderungen entgegenzutreten. „Die Vertriebsmitarbeiter sind umgehend auf Telefon- und Videokonferenzen umgestiegen. Dort, wo das Standardgeschäft zurückging, haben unsere Mitarbeiter die Chance genutzt, um andere Aspekte anzusprechen oder Unternehmen beim Wechsel auf die Fertigung systemrelevanter Produkte wie Masken, Tests oder Filter zu unterstützen. Es haben sich teilweise für uns neue Geschäftsfelder aufgetan“, sagt er. Brigitte Martinez Méndez begrüßt es, dass Applikationsbeschreibungen und Fachbeiträge vermehrt angestoßen werden konnten. 

„Die Coronakrise wurde gelegentlich als großer Feldversuch bezeichnet, durch den die Firmen auch lernen können. So wird es sicher zukünftig weniger Reisetätigkeit und mehr Videokonferenzen geben, weil das nun mal Zeit und Geld spart. Auch das mobile Arbeiten wird sicherlich, wenn auch nur teilweise, bleiben. Wie dieses umgesetzt werden kann, dazu tauschen sich die Geschäftsführung und der Betriebsrat von SMC intensiv und sehr kooperativ aus“, lautet Junkermanns vorläufiges Fazit. 

Investition in den Standort

Für SMC Deutschland steht der nächste wichtige Schritt bevor: Ein neues Gebäude für Produktion und Lager ist geplant. „Die Konzernzentrale ist bereit, hier erheblich zu investieren“, freut sich der Marketingleiter. Es habe nicht zur Debatte gestanden, außerhalb Egelsbachs zu bauen. „Der Standort hat logistische Vorteile wie die Anbindung an die Autobahn und den Flugplatz. Die Gemeinde unterstützt uns, was sehr positiv ist, da viele Mitarbeiter in der Nähe ansässig sind. Außerdem ist die Region gut aufgestellt, was die ‚verlängerte Werkbank‘ angeht: Viele flexible Zulieferer übernehmen spezielle Aufgaben für SMC.“

Ob mit der Erweiterung neue Arbeitsplätze geschaffen werden, hängt laut Martinez Méndez von der Situation und den Anforderungen ab: „Zuletzt war es schwer, Fachkräfte zu finden. Vielleicht ändert sich das ja unter den Coronagegebenheiten.“ Grundsätzlich biete SMC gute Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Nachwuchskräfte. Zwölf Mitarbeiter absolvieren derzeit Ausbildungen zur Fachkraft für Lagerlogistik, zum Fachlageristen, Industriekaufmann und Zerspanungsmechaniker beziehungsweise ein duales Studium Engineering/Maschinenbau. Sie versichert: „Auch im Sommer 2020 werden wieder junge Menschen ihre Berufsausbildung bei SMC Deutschland beginnen.“

www.smc.de

Birgit Arens-Duerr
Autorin

Birgit Arens-Dürr
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