Flüchtling hat seine Wunschausbildung zum Fachinformatiker begonnen

Keine „Extrawurst“

Mit Unterstützung der IHK Offenbach am Main hat der afghanische Flüchtling Mohammed Heidari seine Wunschberufsausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei Atos Deutschland in Langen jüngst beginnen können.

V.l.n.r.: Jana Maria Kühnl, Leiterin des IHK-Projektes „Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung“, Auszubildender Mohammed Heidari und Atos-Regionalleiter Nick Skala. Foto: Linke/IHK

Der 21-Jährige kam 2010 nach Deutschland. „Zuerst war ich in Bad Hersfeld untergebracht. Dort habe ich meinen Hauptschul- und dann meinen Realschulabschluss im Bereich Mechatronik gemacht“, erklärt Heidari in fließendem Deutsch. Danach sei er ins Rhein-Main-Gebiet gegangen. „Ich wollte einen IT-Beruf erlernen. In Bad Hersfeld waren die Möglichkeiten nicht so vorhanden“, erklärt er.

Doch zuerst jobbte er in der Frachtabfertigung des Frankfurter Flughafens, verdiente sich das Geld für den Führerschein. Jana Maria Kühnl, Leiterin des IHK-Projektes „Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung“, fährt fort: „Herr Heidari hatte aus den Medien von unserem Projekt erfahren und kam von sich aus im vergangenen Februar zu uns in die Beratung, mit dem Wunsch, eine Fachinformatiker-Ausbildung machen zu wollen.“

Bei Atos-Regionalleiter Nick Skala wurden die IHK-Berufsberater fündig. „Für mich war es wichtig, dass die IHK uns Unterstützung bei Formalitäten angeboten hat. Ich habe aber gleich klargemacht, dass es bei uns keine ,Extrawurst‘ gibt und Herr Heidari sich unserem ganz normalen Auswahlverfahren unterziehen muss“, so Skala. Das sei aber kein Problem gewesen. „Am nächsten Tag waren die Bewerbungsunterlagen auf meinem Tisch. Das hat uns gefallen und wir luden ihn zum Vorstellungsgespräch ein“, ergänzt er. Auch da habe Heidari einen guten Eindruck hinterlassen und kam in die engere Wahl, wurde zu einem Probearbeitstag eingeladen. Skala: „Es war dann eine Team-Entscheidung, dass Herr Heidari zu uns passt. Er hatte alle Hürden mit Bravour gemeistert, im Gegensatz zu vielen anderen Bewerbern, denen oft der Wille, die Flexibilität und die Einsatzbereitschaft fehlen.“

Die Kundendienst- und Vertriebsstelle von Atos, einem internationalen Anbieter für digitale Services, in Langen besteht aus 20 Mitarbeitern. Deutschlandweit sind es nach Konzernangaben rund 10.000 und weltweit zirka 100.000 Beschäftigte. Atos bietet unter anderem IT-Services für die Olympischen und Paralympischen Spiele.

Heidari hat auch schon das nächste Ziel vor Augen: „Wenn alles klappt und es sich mit der Ausbildung vereinbaren lässt, beginne ich im Februar 2017 mit dem berufsbegleitenden Fachabitur.“ Skala unterstützt ihn: „Für eine Karriere im Atos-Konzern ist das sicher hilfreich.“