Produkt- und Markenpiraterie

Keine Entwarnung in Sicht

Deutschland ist das von Marken- und Produktpiraterie am stärksten betroffene Industrieland in der EU. Dies bestätigt die aktuelle Zollbilanz: Der Wert der sichergestellten Waren beträgt fast 200 Millionen Euro.

Besonders dreiste Produktfälschungen werden jedes Jahr mit dem Plagiarius ausgezeichnet. 2019 „gewann“ das Schrägsitzventil „Typ 2000“ den ersten Preis. Links ist das Original der Bürkert Werke GmbH & Co. KG, Ingelfingen, abgebildet. Rechts das Plagiat von Ningbo ACME Industrial Automation Co., Ltd., Ningbo, VR China. Foto: Aktion Plagiarius e.V.

An den Grenzen wurden rund 37.700 Beschlagnahmungen (2017: 21.500) vorgenommen. Zirka 75 Prozent der sichergestellten Waren – Bekleidung, Schuhe, Handtaschen, Sonnenbrillen und Schmuck – kamen aus China und Hongkong. Trotz der guten Arbeit der Zollbehörden kann keine Entwarnung gegeben werden.

Die Fälscher machen auch vor Medikamenten und Nahrungsmitteln nicht halt. Die Anonymität des Kaufs im Internet und auf Plattformen beflügelt den Handel mit Plagiaten. Dabei werden häufig die Vorgaben zur Produktsicherheit oder zu Schadstoffgrenzen nicht eingehalten, was für Verbraucher gefährlich sein kann. Dafür stehen auch die Zahlen des EU-Schnellwarnsystems für gefährliche Nichtlebensmittel. 2018 wurden für Deutschland 62 Prozent Waren, bei denen es sich meist auch um Fälschungen gehandelt hat, wegen Verletzungsgefahren aus dem Verkehr gezogen. Insbesondere bei Medikamenten, die über das Internet gekauft werden, ist Vorsicht geboten. Der DIHK empfiehlt daher Verbrauchern und Unternehmen, im Fachhandel einzukaufen und die dortige Beratung in Anspruch zu nehmen. Im Übrigen bieten Geschäfte vor Ort auch Umtauschkonditionen – die Fälscher dagegen nicht.

Was tun?

Unternehmen sind gut beraten, sich ihre Geschäftspartner sorgfältig auszusuchen und vor der Vergabe von Aufträgen Informationen einzuholen. Samples oder Prototypen dürfen nur seriösen Partnern überlassen werden. Ein umfassendes Schutzrechtsmanagement, das gewerbliche Schutzrechte (Marken, Patente, Designrechte, Gebrauchsmuster) genauso einschließt wie den Geschäftsgeheimnisschutz, ist ein Muss. Der Zoll kann nämlich an den Außengrenzen der EU nur dann für Unternehmen tätig werden, wenn Schutzrechte bestehen. Auch die eigene Organisationsstruktur sollte auf Lücken, die zum Abfluss von Know-how beitragen können, kritisch überprüft werden.

Ein Austausch mit anderen Betroffenen über Branchen hinweg kann wichtige Hilfe bieten, zum Beispiel durch eine Mitgliedschaft im Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM) e.V. Die Erfahrungen, die andere bereits beim Kampf gegen Marken- und Produktpiraterie gemacht haben, können für das eigene Unternehmen nützlich sein.

Autorin:

Dr. Doris Möller
Deutscher Industrie- und
Handelskammertag (DIHK)

Kontakt:

Daniel Kühn
Telefon (069) 8207-225
kuehn@offenbach.ihk.de