Industrieversicherer stellen sich digitalen Herausforderungen

Cybercrime, Haftungsfragen in autonomen Systemen und andere Problemfelder bieten Potenzial für neue Konzepte

Der Trend ist erkannt, neue Ziele sind gesetzt: Mehr als drei Viertel der deutschen Industrieversicherer erwarten in Zukunft eine Veränderung ihres Geschäftsmodells durch die Digitalisierung. 90 Prozent räumen dem Auf- und Ausbau ihrer digitalen Fähigkeiten in den nächsten Jahren hohe und höchste Priorität ein. So fasst der Industrieversicherungsmakler Marsh die Ergebnisse seiner Studie „State of Play – Digitalisierung in der deutschen Industrieversicherung“ zusammen, die Marsh vor einiger Zeit zusammen mit der Strategieberatung Oliver Wyman durchgeführt hat. Doch die Umsetzung ist nicht so einfach. In einem zusammenfassenden Fazit kommen die Autoren der Studie zu dem Schluss: „Um schnell genug vollumfänglich Kundenlösungen anbieten zu können, müssen Versicherer offen gegenüber digitalen Innovationen, Ideen und Partnern sein.“ Das bedeutet: Angesichts des zunehmenden Einsatzes künstlicher Intelligenz, des Internets der Dinge und anderer Trends hin zur Industrie 4.0 steht ein grundlegender Wandel an: vom reinen Policenverkäufer zum Partner in technologischen und digitalen Fragen.

Kooperationen rücken dabei mehr und mehr in den Fokus. „Risikoberatungs- und Präventionsdienste ergänzen die Kernleistung im reinen Produktgeschäft“, heißt es beispielsweise im „Zukunftsszenario Versicherung 2025“ von Oliver Wyman. Dadurch entstehen zahlreiche neue Chancen: „Hohes Potenzial bieten innovative Deckungskonzepte für neue Risiken im Kontext von Digitalisierungstrends: etwa Cyber-Attacken, Störungen in digitalisierten Lieferketten und neue Haftungstatbestände für autonome Systeme“, wie die Untersuchung prognostiziert. Auch im Immobilienbereich läuft die Entwicklung in eine ähnliche Richtung – nicht nur bei industriell oder gewerblich genutzten Objekten. Der Einzug digitalisierter Haustechnik ins Smart Home verschiebt den Schwerpunkt zum Beispiel in der privaten Hausratversicherung ebenfalls von der reinen Schadensregulierung hin zur kooperierenden Prävention. Mehrere große Versicherungskonzerne von Allianz bis zur Generali-Gruppe arbeiten bereits eng mit Anbietern von Smart-Home- Technologie zusammen.

„Zur Absicherung neuer Risiken braucht es Versicherungslösungen, die schnell und flexibel an die Bedürfnisse der versicherungsnehmenden Industrie angepasst werden können“, fasst es Christian Böhm, Vorsitzender des Arbeitskreises Versicherung im Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), zusammen. Er ist fest davon überzeugt: „Wir brauchen neben der Industrie 4.0 auch die Versicherung 4.0.“