Reingeschaut bei Screwfix

Import aus dem Vereinigten Königreich

Die britische Baumarktkette Screwfix setzt auf eine Omni-Kanalstrategie – den parallelen Verkauf über Katalog, online, App und stationären Handel. 2014 hat das Unternehmen seine Deutschlandzentrale in Offenbach eröffnet. Weitere Märkte in 18 deutschen Städten folgten.

Florian Welz im Screwfix-Markt in Offenbach, wo sich die Deutschlandzentrale des Unternehmens befindet. Foto: Arens-Dürr/IHK

Florian Welz ist der Deutschland-Chef des Unternehmens. Zu Beginn seiner Screwfix-Karriere stand – so berichtet er – ein ausgiebiges Training im Vereinigten Königreich: „Ich habe Erfahrungen in Lager, Service, Verkauf und Logistik gesammelt und viele Kundengespräche geführt.“ Dabei beobachtete er wesentliche Unterschiede zu den deutschen Handelsunternehmen, für die er zuvor tätig war. Er präzisiert: „Bei Screwfix haben wir immer das Ziel, unseren Kunden die Produkte an die Hand zu geben, mit denen sie ihr jeweiliges Projekt bestmöglich fertigstellen können.“ Produktbewertungen von Kunden beeinflussen zudem erheblich das Sortiment.

Auch pflege der britische Handel einen speziellen Umgang mit den Käufern. „Wir gehen aktiv auf unsere Kunden zu, begrüßen sie und nehmen sie und ihre Wünsche ernst. Unsere Kunden sind die Experten ihres Projektes. Wir wissen auch, dass für viele die Zeit kostbar ist, und helfen dabei, schnell ans Ziel zu kommen“, sagt der 37-Jährige.

Allerdings gebe es nicht nur zwischen den Unternehmen hier und dort Unterschiede, sondern auch zwischen den Kunden: „Die deutschen Hand- und Heimwerker wollen beispielsweise gerne Produkte wie Arbeitskleidung oder elektrisches Werkzeug anfassen. Das Screwfix-Konzept funktioniert aber in beiden Ländern.“ Außerdem seien die Briten freigiebiger mit ihren Daten. Sie bestellten mehr per Smartphone und Tablet. „In Deutschland liegt der Anteil der Online-Käufe im Baumarktbereich zwischen 10 und 15 Prozent, verglichen mit Großbritannien hinken wir hier einige Jahre hinterher. Ich sehe hier ein großes Potenzial – auch für Screwfix“, sagt Welz.

An Welz und seinen Mitarbeitern ist es nun, das im Gründungsland Bewährte mit dem in Einklang zu bringen, was der deutsche Kunde wünscht. Vor allem soll Screwfix hier bekannter werden und sich weiter in der umkämpften Baumarktbranche etablieren.

Kleiner Laden – großes Lager

An der Mühlheimer Straße in Offenbach ist Screwfix in ein Gebäude eingezogen, in dem sich früher schon ein Baumarkt befand. Es beherbergt nun ein großes Lager, ein Callcenter und einen kleinen Verkaufsraum. Auf gerade 120 Quadratmetern wird nur ein Ausschnitt aus dem Sortiment präsentiert, darunter Arbeitsschuhe, -bekleidung und -geräte. „Wir bieten Profigeräte für jedermann, die es zum Teil sonst nur im Fachhandel gibt, und hochwertiges Zubehör. Ein Gewerbeschein muss nicht vorgelegt werden. Außerdem achten wir auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ein transparentes Preisgefüge“, versichert Welz.

Das gesamte Sortiment von 10.000 Artikeln zeigen ein alle drei Monate aktualisierter Katalog und der Internetauftritt. Mitarbeiter empfangen den Kunden sowohl im Ausstellungsbereich als auch an der Verkaufstheke – der Weg vom Eingang dorthin ist kurz. „Guter und schneller Service sind uns wichtig. Unser ‚Click&Collect‘ System ermöglicht es unseren Kunden, dass die bestellte Ware nur fünf Minuten nach der Bestellung abholbereit ist. Die Ware kann im Markt abgeholt werden. Wir liefern aber auch nach Hause, in die Werkstatt oder auf die Baustelle – und zwar am nächsten Werktag bei einer Bestellung bis 19:00 Uhr“, verspricht der Deutschland-Chef.

Die Vorteile von Offenbach

Für Offenbach hätten zunächst die gute Infrastruktur und die Lage gesprochen. „Von unserer Deutschlandzentrale aus sind wir schnell in allen umliegenden Märkten. Ausfallstraßen wie die Mühlheimer Straße sind typische Standorte für Screwfix. Denn die Handwerker, die den größten Teil unserer Kunden ausmachen, kommen auf dem Weg von und zur Arbeit am Markt vorbei“, berichtet Welz.

Besonders hebt er die Kooperationsbereitschaft der Arbeitsagentur hervor: „Wir brauchen qualifizierte Mitarbeiter, die entweder bereits Erfahrungen im Baumarkt-Segment gemacht haben oder die einen handwerklichen Hintergrund haben. Und wir legen Wert darauf, Menschen aus der Region zu beschäftigen. Gerade mehrsprachige Fachkräfte sind für uns wichtig. Die konnten wir hier mit Hilfe der Arbeitsagentur finden. Derzeit arbeiten hier 60 Mitarbeiter, zehn weitere in unserem Markt in Dreieich.“ Bald wolle er Ausbildungsplätze anbieten.

Mehr Märkte

Screwfix wachse in Deutschland über Plan und expandiere weiter. „In Großbritannien haben wir ein Netzwerk an Märkten aufgebaut, das es 90 Prozent der Bevölkerung ermöglicht, innerhalb von 20 Minuten den nächstgelegenen Markt anzufahren. Wir wollen Screwfix näher zu unseren Kunden bringen. Dieses Modell wollen wir so auf Deutschland übertragen“, sagt Welz und berichtet, er sehe sich nach passenden Standorten von 1.500 bis 2.500 Quadratmetern Fläche um.

Dass Screwfix britisch ist und der Brexit naht, schreckt ihn nicht. Noch könne man über die Folgen nur spekulieren. Für ihn steht fest: „Ich fliege auch zukünftig alle zwei Wochen ins Vereinigte Königreich, um Ideen und Inspirationen für die Märkte in Deutschland zu sammeln.“

Informationen finden Sie unter:

www.screwfix.de.

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
E-Mail arens@offenbach.ihk.de