Europaministerin trifft Mittelstand

Hessische Unternehmen meist gut auf Brexit eingestellt

Ministerin Puttrich im Online-Gedankenaustausch mit der Spedition Duwensee aus Heusenstamm.

Am Brexit-Gespräch mit Europaministerin Lucia Puttrich nahmen neben Gregor und Georg Duwensee von der Spedition Duwensee in Heusenstamm aus dem hessischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten Nadja Hallert, Leiterin der Stabsstelle Brexit, sowie Pressesprecher René Brosius teil./ Foto: Hessisches Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten

Wie kommen Unternehmen aus Hessen damit zurecht, dass das Vereinigte Königreich aus der EU ausgeschieden ist? Die Logistikbranche ist besonders betroffen. Sie musste sich auf die veränderten Regelungen im Grenzverkehr, im Warenaustausch und auf unterschiedliche Zollvorschriften einrichten. Europaministerin Lucia Puttrich sucht regelmäßig den Austausch mit Vertretern der Branche. Im April sprach sie mit der Unternehmensleitung der Spedition Duwensee.

Das Unternehmen wurde 1965 von Gerhard Duwensee gegründet. Mit Gregor und Georg Duwensee steht die dritte Generation der Familie an seiner Spitze. Von Heusenstamm aus sind sie international tätig und bewahren als inhabergeführtes Familienunternehmen ihre Flexibilität und Eigenständigkeit.

Mit fünf täglichen Transporten von und nach Großbritannien verfügen die Spediteure über Erfahrungen aus erster Hand. Gregor Duwensees bisherige Einschätzung zum Brexit lautet: „Viele Prozesse sind bürokratischer geworden. Für Logistikunternehmen mit einem großen internationalen Radius, wie wir es sind, ist es etwas leichter. Mit Drittländern außerhalb der EU kennen wir diese Prozesse, und das Vereinigte Königreich gehört jetzt eben zu dieser Gruppe. Die Corona-Pandemie lässt aber derzeit eine Aussage über die tatsächlichen Auswirkungen des Brexits auf die Branche noch nicht zu. Viele Handelsbeziehungen sind derzeit reduziert und man wird schauen müssen, wie sich der Warenaustausch in der zweiten Jahreshälfte entwickelt. Für unser Unternehmen kann ich aber sagen, dass wir gut auf den Brexit vorbereitet waren.“ Georg Duwensee ergänzt:
„UK-Transporte sind jetzt ein Geschäft für Spezialisten.“

Die Europaministerin bedankte sich für den intensiven Austausch. „Ich bin immer wieder beeindruckt, wie sich Familienunternehmen im globalen Wettbewerb durchsetzen können. Sie sind innovativ und wertegetragen. Das macht nicht nur flexibel, auch auf unvorhergesehene Herausforderungen wie die Covid-19-Pandemie zu reagieren, sondern es hilft auch, wenn es Sondersituationen wie den Brexit zu bewältigen gibt. Nach wie vor herrscht bei dem Thema ein Stück Unsicherheit. Ich habe aber das Gefühl, dass viele Unternehmen in Hessen deutlich besser auf den Brexit vorbereitet waren als ihre Branchenpartner in Großbritannien. Ja, der Brexit ist ein scharfer Schnitt in den Beziehungen der EU und Großbritanniens. Wir stellen aber auch fest, dass der Schmerz nicht so sehr daher rührt, dass man nun Zollformalitäten zu erledigen hat. Wir haben einen Partner verloren, der in vielen politischen Fragen unser Verbündeter war. Bei soliden Haushalten, bei der Offenheit für Fragen des Welthandels, in der Sicherheitspolitik und im Politikverständnis des pragmatischen Ansatzes. Dieser Schmerz wird noch lange anhalten“, erklärt Puttrich.

https://duwensee-gmbh.de/