Die Potenziale des Wirtschaftsraums Offenbach ausschöpfen

Herausforderungen für 2030 plus?

Was muss in der Region geschehen, damit ihre guten Zukunftschancen bestmöglich genutzt werden?

Durchdachte Mobilitätskonzepte sind ein Schlüssel für den Erfolg der Region. Im Osten des Kreises Offenbach nutzen Menschen gemeinsam das Sammeltaxi Hopper, wo der ÖPNV Lücken aufweist. / Foto: Bi pineda-fotografie

Die Stadt und der Landkreis Offenbach sind, von der Lage, der Vernetzung und ihrer Struktur, zentrale Elemente des prosperierenden Rhein-Main-Gebiets. Alle Studien und Prognosen bescheinigen der Region Rhein-Main eine hohe Dynamik und Attraktivität, so dass auch für den Raum Offenbach beste Voraussetzungen bestehen, auf denen künftig aufgebaut werden kann. Die Herausforderung besteht allerdings darin, in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft die Zukunftsaufgaben der nächsten Jahrzehnte anzugehen, wozu unter anderem die Themenfelder Nachhaltigkeit, Reaktion auf den demografischen Wandel und Digitalisierung zählen.

Aus Sicht der Stadtplanung wird es erforderlich, unsere Städte und Kommunen resilient zu gestalten, so dass die stärker werdenden Naturereignisse, wie zum Beispiel Starkregen, keine großen Schäden anrichten können. Für den Klimaschutz bedarf es zunächst der Umsetzung innovativer Neubauten (Passivhäuser, Plusenergiegebäude) und insbesondere der Sanierung und energetischen Ertüchtigung von Altbauten, da die Sanierungsrate weit hinter den Erfordernissen zurückliegt.

Während beim Bauen auf bewährte Konzepte zurückgegriffen werden kann, steht im Verkehr noch ein deutlicher Umbruch bevor. Für die Zukunft werden umfassende Mobilitätskonzepte mit einer Verknüpfung aller Verkehrsträger benötigt, bei denen neben Elektromobilität die gemeinschaftliche Nutzung von Fahrzeugen sowie die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und des Radfahrens eine große Rolle spielen. Der derzeit stark diskutierte Ersatz unserer Verbrennerfahrzeuge durch elektrogetriebenen Individualverkehr wird aufgrund des weiter anhaltenden Flächen- und Energieverbrauchs der „Individualgefäße“ nicht die alleinige Lösung sein.

Für eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung ist in hohem Maße der Umgang mit dem Faktor „Fläche“ relevant. Vorrangig geht es darum, vorhandene Wohn- und Gewerbeflächen mit hoher Dichte möglichst effizient zu nutzen und zu qualifizieren, die Naturraumfunktion und Biodiversität von Freiräumen zu erhalten und zu erhöhen und eine nachhaltige regionale Mobilität zu implementieren. Der aktuell diskutierte Bau eines Fernbahntunnels kann positive Wirkungen für die Raumstruktur entfalten, da die Kapazität im regionalen Schienensystem erhöht und dadurch die umweltfreundliche Vernetzung in der Region gefördert wird. Siedlungserweiterungen sollten im Sinne einer kompakten Siedlungsstruktur und einer Stadt der kurzen Wege möglichst konzentriert erfolgen. Eine intensivere Durchgrünung bebauter Bereiche kann klimatische Vorteile im Nahbereich erzeugen.

Der demografische Wandel mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter wird den Bedarf an Arbeitskräften in der Region noch erhöhen. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, wird ein breites Bündel an planerischen und strukturellen Maßnahmen erforderlich, beispielsweise die Erhöhung der Attraktivität der Region (Förderung der Urbanität, Wohnraumangebote für alle Einkommensschichten, attraktive Innenstädte, Freizeitangebote) oder die stärkere Vernetzung von Wirtschaft und Bildungseinrichtungen bei gleichzeitiger Digitalisierung der Schulen.

Das Rhein-Main-Gebiet bietet mit dem De-Cix-Internetknoten und der hohen Dichte an Rechenzentren und Serverfarmen beste Voraussetzungen für die Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft. In der Breite ist noch ein leistungsfähiger Ausbau der Netzinfrastrukturen, der 5G-Funknetze und die Förderung digitaler Wirtschaftsstrukturen anzugehen, so dass die Region fit für die digitale Zukunft wird. Der hohe Energieverbrauch der Rechenzentren sollte durch spezifische Lösungen reduziert werden, wie innovative Kühlsysteme, die Nutzung umweltfreundlicher Energieträger und insbesondere durch die Abwärmenutzung im Rahmen von integrierten (Quartiers-)Konzepten.

Für die nächste Dekade resultieren daraus große Herausforderungen für den Standort, deren Lösungen vielfach in wechselseitiger Vernetzung stehen, weshalb übergreifende Konzepte und Strategien entworfen und gemeinschaftlich umgesetzt werden sollten.

Autor

Stefan Kornmann
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