Herausforderungen annehmen – berufliche Bildung im Wandel

Deutschland und die IHK-Unternehmen brauchen heute und in Zukunft eine leistungsfähige berufliche Bildung. Nur sie sichert die praktisch qualifizierten Fachkräfte, die Wirtschaft und Gesellschaft dringend benötigen. Sie sorgt für einen wettbewerbsfähigen, innovativen Mittelstand – auch in Zeiten der Pandemie.

Fotos: Manroland Sheetfed GmbH Offenbach

Berufliche Bildung musste sich immer wieder verändern, um die Bedarfe der Unternehmen zu erfüllen und für junge Menschen attraktiv zu bleiben. Sie ist seit Langem ein zentrales Instrument der Fachkräfteentwicklung. Trotzdem hat ihr gesellschaftliches Ansehen deutlich abgenommen. Immer weniger Jugendliche entscheiden sich für eine Ausbildung. Viele tendieren zum Studium.

Arbeitsmarkt und Bildung sind bedeutende Standortfaktoren für die regionale Wirtschaft. Das belegen die Standortumfragen der IHK Offenbach am Main. Doch nur wenige Unternehmen sind mit der Verfügbarkeit von qualifizierten Auszubildenden und beruflich Qualifizierten zufrieden.

Fotos: Manroland Sheetfed GmbH Offenbach

Neue Wege beschreiten

Matthias Derzbach, Ausbildungsleiter bei der Manroland Sheetfed GmbH Offenbach am Main, und Mitglied im Berufsbildungsausschuss der IHK Offenbach am Main, weiß das: „Wir bilden aktuell 76 Auszubildende in zehn verschiedenen Ausbildungsberufen aus. Ausbildung ist für uns der zentrale Pfeiler, um uns personell so aufzustellen, dass wir wettbewerbsfähig sind und auch in Zukunft bleiben“, erklärt er. „Wir investieren in die Ausbildung junger Menschen. Der Schwerpunkt liegt im gewerblich-technischen Bereich. Dazu haben wir unser Ausbildungszentrum modernisiert und digitalisiert. Wir gestalten die Zukunft gemeinsam mit unseren Auszubildenden. Damit die Ausbildung für junge Menschen interessant bleibt, müssen wir uns weiter anstrengen und auch neue Wege beschreiten.“

Die betriebliche Berufsausbildung bleibt nur attraktiv, wenn Berufe und Ausbildungsinhalte konsequent modernisiert und angepasst werden, so wie die Metall- und Elektroberufe, zu denen heute Zusatzqualifikationen rund um die Digitalisierung gehören. So wie es für Kaufleute im Einzelhandel die neue Wahlqualifikation Online-handel gibt.

Der Wandel betrifft auch die Schüler. Die Schule muss sie besser und mit modular aufgebauten Angeboten auf die Ausbildung vorbereiten. IHK-zertifizierte Teilqualifikationen könnten weniger leistungsstarken Schulabgängern eine Berufsausbildung ermöglichen. Berufstätige, die keinen beruflichen Abschluss haben,v könnten ihre Kompetenzen mithilfe von Teilqualifikationen erweitern und dokumentieren.

Genauso wichtig sind gute Angebote für leistungsstarke Schulabgänger wie die Kombination einer Ausbildung mit IHK-geprüften Weiterbildungen („Abiturientenmodelle“) oder eine Verbindung von Ausbildung und dualem Studium, zum Beispiel in Kooperation mit der Berufsakademie Rödermark. Daneben sollten jungen Menschen, die sich nach Abbruch eines Studiums für eine Ausbildung interessieren, schon erworbene Studienleistungen auf die Ausbildungsprüfungen angerechnet werden. Gleichzeitig müssen Leistungen aus einer Berufsausbildung oder aus der höheren Berufsbildung im Studium anerkannt werden.

Offener, flexibler und digitaler

Noch werden die akademische und die Berufsbildung als getrennte Alternativen wahrgenommen. Der bildungspolitische Auftrag lautet, den wachsenden Überschneidungsbereich zu gestalten. Das Ziel ist ein zukunftsfähiges, integriertes System nachschulischer Bildung. Wir müssen vom „Entweder oder“ zum „Sowohl als auch“ kommen.

Das Lernen in der beruflichen Bildung muss digitaler und flexibler werden. Das geht nur in leistungsfähigen Berufsschulen auf dem neuesten Stand der Technik und mit digitalen Lehrkonzepten. Die bieten einen deutlichen Mehrwert – der Unterricht muss beispielsweise nicht immer zwingend vor Ort in einer Klasse stattfinden. Die freie Berufsschulwahl für den Ausbildungsbetrieb würde diesen Innovationsschub fördern.

Autoren

Heike Klepzig
Telefon 069 8207-333
klepzig@offenbach.ihk.de

Thomas Süsser
Telefon 069 8207-313
suesser@offenbach.ihk.de