Tag der Metropolregion 2019

Her mit der Mobilitätsstrategie für die Region und ihre Unternehmen

Die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main wächst – und mit ihr die Herausforderungen für eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur. Wie eine zukunftsfähige und effiziente Mobilität aussehen kann und welche Rolle dabei eine länderübergreifende Strategie spielt, wurde auf dem Tag der Metropolregion 2019 in Frankfurt diskutiert.

Der kritische Zustand der Verkehrsinfrastruktur in der Rhein-Main-Region war Thema beim Tag der Metropolregion in Frankfurt. Eine Mobilitätsstrategie muss schleunigst konzipiert werden. Foto: IHK Frankfurt

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine der Zuzugsregionen Deutschlands. Seit der Jahrtausendwende ist die Zahl der Einwohner um rund 300.000 und die der Beschäftigten um knapp 400.000 gestiegen. Mehr als eine Million Menschen pendeln innerhalb der Metropolregion zur Arbeit. Was die Stoßzeiten angeht, hat die Verkehrsinfrastruktur heute schon ihre Kapazitätsgrenze erreicht.

„Wir brauchen eine Mobilitätsstrategie, die die Pendlerbewegungen der gesamten Metropolregion berücksichtigt“, sagte Prof. Dr. Mathias Müller, zum Zeitpukt der Veranstaltung noch Präsident der IHK Frankfurt, beim Tag der Metropol-
region 2019. „Ohne eine Weiterentwicklung insbesondere der Schieneninfrastruktur lähmen wir Unternehmen, Pendler und damit die gesamte Entwicklung der Region.“ Dies sei ohne ein Konzept, das alle vier zur Metropolregion gehörenden Bundesländer einbezieht, nicht möglich.

Neben den Fachgruppen „Planungsbeschleunigung“, „Gründerregion“ und „Smart Region“ hat das „Strategieforum FrankfurtRheinMain“, dem die IHKs Frankfurt am Main, Darmstadt, Rheinhessen und Aschaffenburg als Vertreter der Wirtschaft angehören, 2018 die Fachgruppe „Mobilität“ ins Leben gerufen. Der Landrat des Hochtaunuskreises Ulrich Krebs leitet sie und erklärt: „Wenn Mobilität nicht an Ländergrenzen Halt machen soll, brauchen wir neue Ansätze.“ Ziel müsse daher eine intelligente Verknüpfung von ÖPNV und Individualverkehr mit unterschiedlichen Verkehrstypen sein. Dazu müsse man auch kreative Ideen zulassen.

Schneller planen – Innovationen fördern

An Ideen, die angespannte Verkehrssituation in der Metropolregion zu entlasten, mangelt es nicht: Fernbahntunnel, Ost-Tangente, S-Bahn-Ring, eine Seilbahn über den Feldberg oder zwischen Frankfurt und Offenbach sind Überlegungen, die schon lange diskutiert werden. „Aber bis zur Umsetzung dauert es viel zu lange“, erklärte Thomas Horn, Verbandsdirektor Regionalverband FrankfurtRheinMain und Leiter der Fachgruppe „Planungsbeschleunigung“. Heute seien Planungszeiten zwischen 30 und 40 Jahren die Regel. Diese gelte es mindestens zu halbieren.

„Mobilität beginnt im Kopf“, sagte Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Darmstadt und kommissarischer Leiter der Fachgruppe „Gründerregion“. Innovative Ideen wie Mobilitäts-Apps, die in Zukunft bei der Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger eine wichtige Rolle spielen werden, seien von Start-ups entwickelt worden. Um solche technischen Lösungen voranzutreiben, sei es unerlässlich, die Region als bevorzugten Gründer-Hotspot Deutschlands zu etablieren und die Verzahnung der mehr als 40 verschiedenen Gründungszentren zu stärken.

Die „Einfach machen“-Mentalität einiger Start-ups ist eine Herangehensweise, von der sich auch Institutionen viel abschauen können, ist Prof. Dr. Kristina Sinemus überzeugt. Die hessische Staatsministerin für Digitale Strategie und Entwicklung und Leiterin der Fachgruppe „Smart Region“ will ihr neu geschaffenes Ministerium deshalb im Stile eines Start-ups aufbauen und plädierte dafür, möglichst viele Digitalisierungsprojekte länderübergreifend zu erproben.

Wenn es dadurch schneller vorangeht, gut. Denn „Eile tut Not“, unterstrich Jens Marco Scherf. Das Wachstum findet nicht nur im Kern der Region statt, die Beschäftigung ist auch in den Kreisen und kreisfreien Städten gestiegen. Der Landrat des Landkreises Miltenberg sprach sich in der Podiumsdiskussion zur Zukunft der Mobilität für eine bessere Anbindung ländlicher Regionen an öffentliche Verkehrssysteme aus. Dann würden viele Pendler auch auf Bus und Bahn umsteigen. „Heute haben wir die Wahlfreiheit, im Stau zu stehen oder im überfüllten Zug den Anschluss zu verpassen“, polemisierte Scherf. Immerhin: Noch nie hätten sich so viele Menschen für die Zukunft der Metropolregion eingesetzt, um eben genau das zu ändern, stellte Müller fest.


Länderübergreifende Strategien

Im „Strategieforum FrankfurtRheinMain“ entwickeln Entscheider aus den Kommunen, Wirtschaftskammern und Regierungen der Länder Hessen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg über Ländergrenzen hinweg strategische Leitlinien und Visionen für die gesamte Metropolregion. Vorhandene Initiativen und Prozesse werden besser aufeinander abgestimmt. Bestehendes verzahnen, Neues denken – das ist der Anspruch des Forums. Dazu hat es vier Fachgruppen zu den Themen Planungsbeschleunigung, Gründerregion, Smart Region und Mobilität eingerichtet.

www.strategieforum-frankfurtrheinmain.de

Ideen für die Region

Auf der Online-Plattform der Wirtschaftsinitiative „Perform – Zukunftsregion FrankfurtRheinMain“, der die IHKs sowie Handwerkskammern aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern angehören, können Vorschläge eingereicht werden, wie sich die Situation in der Region verbessern lässt. Perform setzt sich dafür ein, dass die besten Ideen umgesetzt werden.

www.perform-frankfurtrheinmain.de

Kontakt:

Frank Achenbach
Telefon (069) 8207-241
achenbach@offenbach.ihk.de