Die Heinrich Göbel GmbH ist offen für Veränderung

Hellwach und besonnen bleiben

Zur Automobilbranche gibt es viele offene Fragen: Welche Technik hat Zukunft? Wird es Fahrverbote geben? Wie lange werden Autos noch von Menschen gesteuert? Wie ändern sich Berufsbilder und Arbeitsweisen? Stefan Göbel, Geschäftsführer und Inhaber der Heinrich Göbel GmbH, ist gelassen, aber aufmerksam. Sein Unternehmen hat in 95 Jahren viele Veränderungen erlebt.

Stefan Göbel (r.), Susanne Jetter (l.) und Christoph Kupper (M.) beschreiben, wie das Autohaus Göbel aktuelle Veränderungen in der Branche annimmt und sich auf zukünftige vorbereitet. Foto: Arens-Dürr/IHK

„Natürlich wandelt sich die Mobilität. Aber nicht auf einen Schlag. Es fahren nicht gleich alle Autos autonom und es gibt nicht plötzlich nur noch E-Autos“, erklärt Personalleiterin Susanne Jetter. Das Unternehmen passt sich an, um erfolgreich zu bleiben: Es hat weitere Marken und Produkte ins Portfolio aufgenommen, zum Beispiel das kompakte E-Auto Birò, dessen Akku an einer normalen Steckdose geladen wird. Oder: Es wurde ein innovatives Ladenkonzept entwickelt, das seit 2013 als Autohaus-Café „Gorillas and Cars“ in Frankfurt-Sachsenhausen besteht. Die Ausbilder stellen sich auf neue Berufe wie System- und Hochvolttechniker ein. „Wir sind hellwach“, sagt Göbel. „Aber wir reagieren nicht voreilig und überlegen genau, welche Felder für die Zukunft wichtig sind.“

Alle müssen lernen

Jetter beschreibt, was das für die Anforderungen an die Mitarbeiter und die Arbeitsweisen bedeutet: „Fahrzeuge werden längst über einen Stecker von Computern ausgelesen, die ausgeben, wo sie Fehler gefunden haben. Die Elektronik spielt heute eine große Rolle. Trotzdem muss weiterhin ein Mensch analysieren, was unternommen werden soll, und die Reparatur ausführen. Die Kollegen arbeiten mit Tabletcomputern an den Fahrzeugen. Sie müssen sich immer wieder neu qualifizieren. Herr Göbel sagt nie ‚Nein‘, wenn sich jemand fortbilden will.“

1991 hatte die Heinrich Göbel GmbH 45 Mitarbeiter. Derzeit sind es 200. Sie arbeiten an sechs Standorten im Kreis Offenbach und in Frankfurt. Das Unternehmen findet noch gut Fachkräfte und Auszubildende. „Zum Glück haben wir ein interessantes Produkt“, meint Göbel. „Jugendliche lernen gerne bei Automarken mit hoher Attraktivität. Mercedes-Benz gehört dazu. Wir bieten darüber hinaus aber noch viele Extras, die unseren Betrieb interessant machen. Und wir übernehmen die ausgelernten Azubis zu 99 Prozent“, berichtet er. Führungskräfte entwickelt das Unternehmen vorzugsweise aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter, die den Betrieb und die Kunden kennen.

Familiärer Führungsstil

„Natürlich ist ‚Lean Leadership‘ auch für uns ein Schlagwort. Wie die ‚schlanke‘ Mitarbeiterführung gelebt wird, muss allerdings zum Unternehmen passen“, sagt Marketingleiter Christoph Kupper. „Wir haben weiter Abteilungsleiter und der Chef bleibt der Chef. Die Abteilungsleiter treffen sich wöchentlich zum Austausch. Wichtige Informationen kommunizieren sie an ihre Teams.“ Göbel fügt hinzu: „Für einen 95 Jahre alten Betrieb unserer Größe bedeutet ‚Lean Leadership‘: Wer passt auf welchen Platz? Wie kann ich Personen im Unternehmen bestmöglich unterbringen und entwickeln?“

Der Familienbetrieb bietet auch andere Vorteile: „Wenn es irgendwo knirscht, kann ich immer sagen: ‚Sprich doch mit Herrn Göbel.‘ Seine Bürotür steht offen und er nimmt sich Zeit, auch für die Azubis“, berichtet Kupper. „Ich versuche, in allen Betrieben häufig als Ansprechpartner präsent zu sein“, erklärt der Geschäftsführer und sagt: „Unsere Mitarbeiter verbringen die meiste Zeit des Tages am Arbeitsplatz. Nur wenn sie zufrieden sind, machen sie ihren Job auch ordentlich. Wer unzufrieden ist, kündigt innerlich.“ Jeder Standort entsendet einen Mitarbeiter, der die Interessen der Arbeitnehmer wahrnimmt, in den Beirat des Unternehmens.

Wie wollt ihr arbeiten?

Vor zwei Jahren wurden die Mitarbeiter im Rahmen eines Forschungsprojekts nach ihrer Zufriedenheit und ihren Verbesserungswünschen befragt. Dabei sei deutlich geworden, welche Arbeitsbereiche „etwas angeschoben werden“ mussten. Außerdem wurde die Ergonomie der Arbeitsplätze verbessert. „Wir wollen kein ‚hire and fire‘“, versichert Göbel. „Mitarbeiterreklamationen sind genauso wichtig für uns wie Kundenreklamationen. Diese Werte müssen konsequent durch alle Hierarchien gelebt werden.“ 2019 soll erneut eine Umfrage stattfinden.

Auch die betriebliche Gesundheitsförderung genießt einen hohen Stellenwert. Im März wurden die Auszubildenden zu einem branchenspezifischen Präventionsprogramm in ein Fitness-Studio eingeladen. Wie trage ich Reifen durch die Werkstatt, ohne mich zu verheben? Was tun, wenn ich täglich lange vor dem Computer sitze? Die Teilnehmer lernten, beim Arbeiten den Rücken zu schonen und ohne großen Aufwand ihren Körper zu trainieren. Von der Initiative profitieren beide Seiten: Die Jugendlichen hatten Spaß und werden sich weniger verletzen. Das Unternehmen bindet die zukünftigen Fachkräfte an sich und kann auf einen niedrigen Krankenstand hoffen.

Aufgeschlossen zeigt sich Göbel auch in Sachen Arbeitszeit. So testeten die Meister eine Vier-Tage-Woche. Der Geschäftsführer erklärt: „Das Modell hatte den Vorteil, dass es uns das ‚One
Face to the Customer‘-Prinzip ermöglichte. Der Kunde gab sein Auto morgens bei dem Mitarbeiter ab, der es ihm am Abend wieder zurückgab. Die Meister hatten einen Tag in der Woche frei. Das kam zuerst gut an. Dann baten die Mitarbeiter, es wieder umzustellen.“ Die Arbeitszeiten ließen sich nicht gut mit dem Privatleben vereinbaren. Das Team ist zu einer Arbeitswoche mit Früh- und Spätschicht zurückgekehrt.

Eine gute Mischung

Damit sein Team zukunftsfähig bleibt, setzt der Geschäftsführer auch auf Diversität: „Zu einer lebendigen und vielfältigen Arbeitskultur gehört, dass hier sowohl Männer als auch Frauen angestellt sind, Menschen über 50 und junge Mütter mit Kindern, Flüchtlinge, Mitarbeiter mit und ohne Migrationshintergrund sowie Beschäftigte unterschiedlicher Nationalitäten, kultureller Prägungen und persönlicher Hintergründe. Diese Vielfalt in der Belegschaft ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.“

www.mb-goebel.de

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
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