Fuhrpark-Leasing: Das sind die Trends der Zukunft

Corporate-Carsharing, Digitalisierung, Vernetzung – auf die Branche kommen weitreichende Veränderungen zu

Bereits im vergangenen Jahr meldete der Bundesverband deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) einen neuen Rekord: 2017 waren die Leasing-Investitionen in Deutschland auf stolze 57,3 Milliarden Euro gestiegen. Verglichen mit dem Vorjahr war das ein Anstieg um 6,5 Prozent. Und es ging noch weiter nach oben. Im Jahr 2018 lag die Investitionssumme bei 59 Milliarden Euro. Laut einer Analyse des Marktforschungsinstituts Dataforce kommt inzwischen fast jedes zweite gewerblich genutzte Fahrzeug von einer Leasinggesellschaft. Je größer der Fuhrpark, umso höher ist diese Quote – bis hin zu 80 Prozent in einzelnen Großflotten.

Keine Frage: Leasing boomt und spielt wegen seiner vielen Vorteile (zum Beispiel Kostenkontrolle und ein hohes Maß an Planungssicherheit) in deutschen Fuhrparks die zentrale Rolle. Dabei ist ein klarer Trend hin zu Full-Service-Angeboten erkennbar – und noch darüber hinaus. Das traditionelle Fuhrparkmanagement wandelt sich zu einem umfangreichen Mobilitätsmanagement.

„Wir beobachten, dass sich immer mehr Unternehmen zusätzlich zum Full-Service-Angebot mit umfangreichen Serviceleistungen für Mobilitätslösungen entscheiden, die das Angebot über den klassischen Dienstwagen hinaus ergänzen“, zitiert die Zeitschrift „Fuhrpark“ die Vorsitzende der Geschäftsführung von Alphabet Deutschland, Ursula Wingfield. Nach ihrer und der Einschätzung anderer Experten werden variable Konzepte wie Corporate Carsharing oder Leasingmodelle mit flexiblem Zeitrahmen in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Schon heute sinkt laut Marktbeobachtern die Bereitschaft von Kunden, sich über drei oder vier Jahre fest an einen Leasingvertrag zu binden. Auf der anderen Seite nutzen immer mehr Unternehmen auch Langzeitmietmodelle. Fakt scheint zu sein: Die Vielfalt an Leasingmöglichkeiten wird weiter steigen.

Das hat unter anderem auch Auswirkungen auf die Budgetplanung im Fuhrparkmanagement. Stand bei der Betrachtung der Kosten bisher das TCO-Prinzip („Total Cost of Ownership“) im Vordergrund, so rechnen Fachleute damit, dass in diesem Bereich künftig die Analyse der „Total Cost of Mobility“ (TCM) vorherrschen wird. Das bedeutet: Sämtliche Mobilitätskosten werden ganzheitlich betrachtet, mit dem Ziel, die zur Verfügung stehenden Ressourcen effektiver einsetzen zu können.

Ein Hintergrund dieser Entwicklung ist die zunehmende Zusammenführung unterschiedlicher Verkehrsmittel vom Auto über Bahn und Flugzeug bis hin zum Carsharing. Somit wachsen auch Fuhrpark- und Travelmanagement mehr und mehr zusammen, wie Knut Krösche, Geschäftsführer der Volkswagen Leasing GmbH, in einem „Fuhrpark“-Interview erklärt: „Dienstreisen und Dienstwagen werden nicht mehr getrennt betrachtet, sondern als zwei Seiten derselben Medaille. Hierzu erwarten immer mehr Kunden eine einheitliche, digitalisierte Lösung, die das gesamte Spektrum des Mobilitätsbedarfs im Unternehmen abdeckt“, so der VW-Leasing-Manager.

Damit gehen auch eine weitreichende Vernetzung von unterschiedlichen Systemen und die Verarbeitung großer Datenmengen einher. Telematik und digitale Kommunikation von Mensch zu Maschine (und umgekehrt) sowie von Fahrzeugen untereinander sind nur zwei Stichworte, die für Leasing­anbieter von wachsender Bedeutung sind – und dies stets unter Beachtung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO), die für den Umgang mit personenbezogenen Daten weitaus strengere Regelungen vorsieht als es früher der Fall war.

Schon heute gehören digitale Tools wie zum Beispiel spezielle Apps für Tablet oder Smartphone im Fuhrparkmanagement vielerorts zum Alltag. Telematik-Lösungen werden vor allem bei großen Serviceflotten bereits mit Erfolg eingesetzt. Laut einer Schätzung nutzt bereits jedes vierte große Unternehmen in Deutschland diese Technik, mit der sich unter anderem Wartungskosten und Kraftstoffverbrauch senken lassen.

Zudem werden sich nach Einschätzung vieler Experten vollständig autonome Fahrzeuge durchsetzen – wenn auch noch nicht kurz- oder mittelfristig, so doch langfris­tig. Arval-Commercial-Director Christian Schüßler hält es beispielsweise „nur für eine Frage der Zeit, bis sich Fahrzeuge (komplett) autonom bewegen können“, wie er der Zeitschrift „Fuhrpark“ sagte. Hochentwickelte Navigations- und Fahrassistenzsysteme sowie eine voranschreitende Konnektivität von Fahrzeugen untereinander werden seiner Ansicht nach dazu beitragen. Wie sich all das auf den Alltag im Fuhrparkmanagement der Zukunft auswirken wird, ist heute kaum abzusehen.