Wirtschaftsförderung nutzt beiden Seiten

Für erfolgreiche Unternehmen und starke Standorte

Wenn sich ein Unternehmen in einem Gewerbegebiet ansiedeln will, ein neues Gelände sucht oder dringend eine bestimmte Genehmigung braucht, dann ist die Wirtschaftsförderung die richtige Adresse. Sie kennt die Bedingungen vor Ort und ebnet den Weg zu den Entscheidern in der Verwaltung.

Vom Engagement der Wirtschaftsförderungen profitieren einzelne Standorte und die gesamte Region. Es zahlt darauf ein, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze vorhanden sind, Steuern in die Kassen der Kommunen fließen und ein guter Branchenmix besteht.

Ihre Sicht dazu schildern die Unternehmerin und IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller und Jochen Amberger, Wirtschaftsförderer der Stadt Offenbach.

Die Unternehmerin Kirsten Schoder-Steinmüller

Foto: IHK

Was ist Ihnen im Kontakt mit der Verwaltung besonders wichtig?

Schnelle Erreichbarkeit ist für mich der wichtigste Faktor. Wenn ich ein Problem oder eine Frage habe, möchte ich einen konkreten Ansprechpartner genannt bekommen. Mein Anliegen sollte dann zügig und zuverlässig geklärt werden.

Die Corona-Krise hat viele Entwicklungen in der Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Ändert sich für Sie der Fokus, bei dem Sie Unterstützung seitens der Wirtschaftsförderung benötigen? Würden Sie gerne bestimmte Services digital nutzen?

In Bezug auf das digitale Angebot besteht in den meisten Verwaltungen sicherlich noch Luft nach oben. In Zukunft kann ich mir viele digitale Services vorstellen, die gebündelt für Unternehmen bereitstehen, zum Beispiel Informationen zu Bodenrichtwerten, Parkraumbewirtschaftung, verfügbaren Gewerbeflächen und Leerständen. Daneben ist auch die frühzeitige Einbindung bei Einschränkungen durch Verkehrsprojekte sinnvoll.

Weiche Standortfaktoren wie die Wohnqualität, Erholungsmöglichkeiten oder das gastronomische Angebot stehen für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen inzwischen stärker im Fokus. Darüber würde ich mich künftig gerne noch intensiver mit den Kommunen austauschen.

Die Wirtschaftsförderungen aus dem Kreis Offenbach und seinen Kommunen, die IHK und die Kreishandwerkerschaft haben sich in der Initiative Standort Plus zusammengeschlossen. Welche Erwartungen haben Sie als Unternehmerin an einen solchen Zusammenschluss?

Bei der Initiative Standort Plus im Kreis Offenbach sehe ich vor allem zwei Aspekte im Vordergrund: die Unternehmen stärker zu vernetzen und mehr Sichtbarkeit in der Region zu schaffen.

Beim Netzwerken können Unternehmen voneinander lernen und profitieren. Aktuell finde ich es spannend, mehr über den praktischen Einsatz von künstlicher Intelligenz zu erfahren. Aber auch, wie andere Unternehmen mit Arbeitszeitmodellen während der Corona-Pandemie umgehen oder familienfreundliche Schichtmodelle umsetzen. Die Themen Regionalität und Nachhaltigkeit könnten wir über eine Art Börse stärken, in der Transparenz zu Produkten und Services aus der Region geschaffen wird.

Die Region Offenbach außer- und innerhalb der Metropolregion FrankfurtRheinMain sichtbarer zu machen, lässt sich nur mit gemeinsamer Kraft schaffen. Wir haben innovative, erfolgreiche Unternehmen und eine hohe Produktvielfalt hier am Standort, die der Region zum Beispiel durch unser Projekt IHK-Unikate ein schärferes Profil verleihen.

Der Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger

Foto: Stefan Wildhirt

Sie blicken auf eine langjährige Erfahrung in der Offenbacher Wirtschaftsförderung zurück: Was liegt den Unternehmen aus Ihrer Sicht besonders am Herzen?

Für die Unternehmen ist es wichtig, alle unternehmerischen Entscheidungen an einem Standort möglichst schnell, effizient und ungehindert umsetzen zu können. Jeder Entscheidung liegt eine zum Teil auch langwierige Planung zugrunde, an deren Ende die Umsetzung dann oft unter Zeitdruck steht. Wenn dann?die Stadt als Genehmigungsbehörde ins Spiel kommt, wird es oft schwierig für die Unternehmen. Es dauert seine Zeit, eine erforderliche Genehmigung zu bekommen, es werden Auflagen formuliert, die Zeit und Geld kosten oder gar die Umsetzung der Planung behindern, und viele der Themen, die von der Verwaltung aufgerufen werden, werden von Unternehmen als Belastung angesehen. Auch wenn Unternehmen einsehen, dass die Stadt die rechtlichen Vorgaben umsetzen muss, ist das belastend. Daher sind die Geschwindigkeit der Prozesse und die Kundenorientierung der Verwaltung besonders wichtig. Die Unternehmen müssen über die Prozesse jederzeit informiert sein und erfahren, dass die Verwaltung sie bei der Lösung von auftretenden Problemen unterstützt.

Warum ist die Wirtschaftsförderung als kommunale Aufgabe für die Stadt wichtig?

Die Wirtschaftsförderung ist im besten Falle der Lobbyist der Unternehmen in der städtischen Verwaltung. Sie verkürzt die Wege zu den Kontakten in der Verwaltung, unterstützt deren Projekte und hilft, in Konfliktfällen für die Unternehmen sinnvolle Lösungen zu finden. Die Einbindung in die Kommune und gleichzeitig die Nähe zu den Unternehmen ermöglichen es der Wirtschaftsförderung, Spielräume zu identifizieren und für Unternehmen nutzbar zu machen.

Vor Kurzem wurde ein Konzept für die Offenbacher Wirtschaftsförderung beschlossen. Was wird darin künftig garantiert? Welche Erfolgsfaktoren spielen eine Rolle?

Das Konzept ist extrem darauf ausgerichtet, die Verwaltung auf Kundenorientierung, Transparenz und Geschwindigkeit der Prozesse auszurichten. Es beinhaltet fünf Garantien:

  1. Lösungsorientierte Servicehaltung,
  2. Schnelligkeit und
  3. Erreichbarkeit der Verwaltung,
  4. Zuverlässigkeit der politischen Entscheidungen und
  5. ein ganzheitliches Denken mit dem Ziel, Lösungen für Unternehmen am Standort zu erarbeiten.

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist der, dass ein Unternehmen nach dem Kontakt zur Stadtverwaltung in seiner Kommunikation sagen kann: „Die haben mir schnell und lösungsorientiert geholfen!“

Die Fragen stellte
Judith Müller, Team Standortentwicklung der IHK Offenbach am Main