Was tut Hessen, um die Verkehrssituation in der Region zu verbessern?

Der IHK-Expertenrat Mobilität fragt – Hessen Mobil antwortet

Alexander Pilz, der regionale Bevollmächtigte für die Region Rhein-Main bei Hessen Mobil, hat fünf Experten Rede und Antwort gestanden. Hessen Mobil ist die zuständige Straßenbaubehörde des Landes, die für die Planung, den Bau und die Unterhaltung der Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen verantwortlich ist.

V.l.n.r: IHK-Geschäftsführer Frank Achenbach, Andreas Maatz, kvgOF mbH, Simon Bock-Janning, Hessische Flugplatz GmbH, IHK-Referentin Judith Müller, Alexander Pilz, Hessen Mobil, Holger Rehberg, DHL Paketzentrum Obertshausen, Roland Wernig, Argotrans Logistik GmbH, Georg Duwensee, Duwensee Spedition & Lagerhaus GmbH. Foto: Linke/IHK

Herr Pilz, steigen wir direkt ins Thema ein: Die A 3 zwischen dem Autobahnkreuz Offenbach und der Anschlussstelle Hanau ist einer der stauanfälligsten Autobahnabschnitte Deutschlands. Was tut sich aktuell und wann kommt der Ausbau?

Der Bund hat im Bundesverkehrswegeplan festgelegt, für welche Verkehrsprojekte Geld an die Länder fließt. Die A 3 ist auf diesem Streckenabschnitt in der höchsten Dringlichkeitsstufe im sogenannten „Vordringlichen Bedarf“ enthalten. Die Strecke soll auf insgesamt acht Fahrstreifen ausgebaut werden. Leider ist der Ausbau der Strecke nicht in Sicht, da das Land Hessen auch innerhalb des Vordringlichen Bedarfs Prioritäten setzen muss; Fachpersonal für die Planung solcher Projekte ist schwer zu finden und das vorhandene Personal reicht nicht aus, alle Projekte gleichzeitig zu planen. Unsere Behörde konzentriert sich daher vorerst auf die Ertüchtigung der Autobahnkreuze, denn hier gibt es die größten Engpässe bei der Leistungsfähigkeit. Die Voruntersuchungen für das Autobahnkreuz Offenbach sind bereits gestartet.

Die Verkehrsprognosen zeigen einen zusätzlichen Anstieg des Verkehrs. Wenn der Ausbau noch Jahrzehnte dauern kann, welche kurzfristigen Maßnahmen können zur Verbesserung des Verkehrsflusses vorgenommen werden? Beispielsweise am Tannenmühlkreisel?

Zum Tannenmühlkreisel an der B 45 / B 448 sind wir von Hessen Mobil mit dem Kreis Offenbach im Gespräch, der in diesem Falle die Aufgabe hat, entsprechende Maßnahmen anzuordnen. Wir erörtern gemeinsam, was helfen kann, den Verkehrsfluss zu verbessern. Vorstellbar sind z. B. Ummarkierungen oder die Errichtung einer Lichtsignalanlage. Sollte das nicht helfen, könnte eine Bypass-Lösung von der B 45 in Richtung Hainburg untersucht werden. Dies ist jedoch eine planerisch aufwändige Maßnahme, bei der es Wechselwirkungen mit der Anschlussstelle in Hanau gibt. Deren Umbau ist allerdings noch in weiter Ferne.

Wie sieht es mit dem Riederwaldtunnel aus? Was ist der aktuelle Stand und wie kann es zu derartigen Verzögerungen kommen?

Der Riederwaldtunnel soll die Lücke zwischen der A 66 und A 661 schließen und die Bewohner in Bornheim und Riederwald entlasten, wo täglich rund 24.000 Autos verkehren. Der Planfeststellungsbeschluss musste mehrfach ergänzt werden, z. B. in Bezug auf die Verkehrsprognose, so dass eine Planänderung notwendig wurde. Dieses Verfahren läuft derzeit; der Erörterungstermin hat im September 2018 stattgefunden.

Wir sind von der Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung überholt worden.

Verzögerungen gibt es vor allem, weil Untersuchungen aktualisiert werden müssen. Vor zehn Jahren ging man von einem Schrumpfen der Metropolregion aus. Wir sind von der Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung überholt worden. Außerdem gibt es eine hohe Zahl von Einwänden (etwa 650 Stück) gegen das Projekt, die bearbeitet werden müssen.

Zurzeit wird an drei sogenannten „Leitungsbrücken“ gearbeitet. Über diese werden Wasser-, Strom- und andere Leitungen über die künftige Baustelle geführt. Sie bilden an diesen Stellen den Tunneldeckel, verbleiben also so wie derzeit errichtet, wenn später der eigentliche Tunnel gebaut wird. Wenn alles glatt läuft, könnte ab 2020 der Tunnel gebaut werden. Zu dem Gesamtprojekt gehören 1,1 Kilometer Tunnel plus 1,1 Kilometer Strecke der Autobahn A 66, die Anschlussstelle Borsigallee der A 66 und das Autobahndreieck Erlenbruch. Die Bauzeit für den Tunnel beträgt voraussichtlich ca. sieben bis acht Jahre.

Warum wird eigentlich nicht nachts oder an Feiertagen an Baustellen gearbeitet? Wie können Baumaßnahmen beschleunigt werden?

Nächtliche Bauarbeiten bedeuten aufgrund der schlechteren Sichtverhältnisse ein deutlich erhöhtes Risiko für die Arbeiter; zudem leidet die Bauqualität und die Materialanlieferung (z. B. Asphalt oder Beton) stößt an Grenzen. Weiterhin können Blend- und Ablenkungseffekte die vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmer irritieren. Daher ist dies nur in bestimmten Fällen möglich.

Als Anreiz für kurze Bauzeiten erhalten die Unternehmen für verkehrlich besonders kritische Projekte eine Beschleunigungsvergütung, falls sie früher als geplant mit den Arbeiten fertig werden.

Lkw-Fahrer haben immer größere Probleme, einen Stellplatz zu finden, dabei müssen sie gesetzliche Lenk- und Ruhezeiten einhalten. Den Fahrern bleibt teilweise nichts anderes übrig, als von der Autobahn abzufahren und auf städtischem Gebiet zu parken. Dort gibt es aber nicht die notwendige Infrastruktur. Gravierend sind inzwischen die Ladungsüberfälle auf parkende Lkws durch organisierte Kriminelle, insbesondere bei den ungeschützt abgestellten Lkws. Warum ist die Schaffung neuer Stellplätze so schwierig?

In der Rhein-Main-Region ist es entlang der Autobahn kaum möglich, neue Stellplätze zu errichten, vor allem wegen Schutzgebieten wie z. B. Bannwald. Die Baurechtschaffung ist daher extrem schwierig. Oft scheitert sie auch am fehlenden politischen Willen. Alle Beteiligten sehen zwar die grundsätzliche Notwendigkeit, dennoch gestaltet sich die Suche nach geeigneten Flächen sehr schwierig. Optionen sehen wir – neben dem Neu- oder Ausbau von Rastanlagen – zum einen darin, Autohöfe in Autobahnnähe in Gewerbegebieten zu errichten. Dort könnten dann auch die entsprechenden infrastrukturellen und sicherheitstechnischen Anforderungen geboten werden. Eine weitere Option ist es, bestehende Parkflächen besser auszulasten. Mit Hilfe von digitaler Umrüstung kann kompakter geparkt und können z. B. Reststellplätze und Zeitslots angezeigt werden.

Zurzeit gibt es in der Region viele Baustellen gleichzeitig. Für Unternehmen mit zeitkritischen Produktionsabläufen und Lieferzyklen ist es schwierig, damit umzugehen. Wie erfahren Unternehmen künftig davon, wenn gebaut wird?

Bei der Kommunikation von Baumaßnahmen arbeiten wir eng mit den Kommunen und den Pressehäusern zusammen. Bei der Sanierung der Ortsumgehung Langen (B 486) in 2017 haben wir beispielsweise über das normale Maß hinaus – klassisches Instrument ist eine Presseinformation unseres Hauses – sehr engmaschig und frühzeitiger als üblich über jeden Bauabschnitt informiert und unser Netzwerk mit den Kommunen und Gewerbe genutzt, um die Informationen entsprechend über einen breiten Verteiler zu „multiplizieren“. Gerne nutzen wir auch in Zukunft die Möglichkeiten der jeweiligen IHK, Informationen zu anstehenden Baumaßnahmen möglichst breit und für die Gewerbetreibenden erkennbar zu streuen.

Hessen Mobil führt jedes Jahr im Februar / März Straßenbaukonferenzen durch, bei denen gegenüber den Kommunen und der Presse das Jahresprogramm vorgestellt wird. Auch denken wir über Ansätze nach, die vorhandenen Informationen über moderne (elektronische) Medien einem noch breiteren Personenkreis (insbesondere jüngere Verkehrsteilnehmer) zur Verfügung zu stellen.

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