Reingeschaut bei … Feines Design

Es hat von jetzt auf gleich funktioniert

Katrin Bauer hat 2016 ihre Ein-Frau-Agentur „Feines Design“ in Dreieich gegründet. Das bisherige Fazit der Diplom-Designerin: „Es ist ein völlig anderes Leben.“

Katrin Bauer sieht sich als „Allrounderin“, die ihren Kunden ein breites Spektrum an Design- und Konzeptlösungen bietet. Foto: Arens-Dürr/IHK

Wie lässt sich ein hohes Sicherheitsbedürfnis mit dem Wunsch nach Selbstständigkeit in Einklang bringen? Katrin Bauer hat sich Zeit genommen, um ihre Antwort auf diese Frage zu finden. Mit einer kaufmännischen Ausbildung und dem anschließenden Studium der visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach verfügte sie über ein solides Rüstzeug zum Gründen. Doch zunächst sammelte sie Erfahrung im Angestelltenverhältnis. „Ich habe nach dem Studium neun Jahre lang in Agenturen gearbeitet. Erst in einer klassischen Werbeagentur. Um breiter aufgestellt zu sein, habe ich in eine Web-Digital-Agentur gewechselt“, berichtet sie. Für große Kunden mit hohem Qualitätsanspruch gearbeitet zu haben, betrachtet sie rückblickend als ideale Vorbereitung auf die Selbstständigkeit. „Ich rate jedem, der an eine Unternehmensgründung denkt, erst einmal Erfahrungen im Angestelltenverhältnis zu sammeln“, sagt Bauer.

Noch während der Agenturzeit begann sie, in Absprache mit ihrem Arbeitgeber nebenberuflich Aufträge zu übernehmen. „Ungefähr drei Jahre lief das parallel. Dann bin ich aus der Agentur ausgeschieden und habe im August 2016 ein Einzelunternehmen angemeldet“, berichtet die Gründerin. Eine ordentliche Planung ging dem Schritt voraus. „Um einen Existenzgründungszuschuss zu beantragen, musste ich einen Businessplan schreiben. Deshalb habe ich Kontakt zur IHK Offenbach am Main aufgenommen, die ich von der Ausbildung schon kannte. Der IHK-Existenzgründungsberater Bernd Eckmann hat mir in zwei Gesprächen wichtige Tipps gegeben und mir geholfen, meine Zweifel auszuräumen. Ich wollte am liebsten alle Risiken minimieren“, erinnert sie sich und fügt hinzu: „Es ist klasse, dass es in der IHK ein ganzes Team mit Profis gibt, die sich auf das Thema Existenzgründung konzentrieren. Und im Internet muss man auch nicht lange nach Informationen suchen. Die IHK-Seite www.gruendungswerkstatt-suedhessen.de gibt einen Überblick über alles, was man wissen muss, wenn man sich selbstständig machen will. Zum Beispiel zu Finanzierung, Förderungen oder Versicherungen.“

Kontaktpflege zählt

Der Gründungszuschuss wurde gewährt und „es war ein eleganter Start. Es hat von jetzt auf gleich funktioniert“, freut sich die Designerin. Sie wirbt auf verschiedenen Online-Plattformen, in sozialen Netzwerken und mit ihrer Internetseite. Die meisten Aufträge kommen allerdings über Empfehlungen, weshalb Bauer es mit der Pflege ihrer Kontakte genau nimmt. „Mein Vorteil ist aber auch, dass ich das gesamte Grafikdesign- Spektrum abdecke. Als ‚Allrounderin‘ biete ich Konzept, Beratung und im Prinzip alles, was man bedrucken und alles, was man sich auf Bildschirmen ansehen kann, an.“

Dieses umfassende Angebot sei nicht die Regel. Wo sie an Grenzen stößt – „ich kann zum Beispiel nicht programmieren“ – greift sie auf ihr Netzwerk in der Region zu und nimmt einen entsprechenden Experten ins Boot.

Die Kunden von „Feines Design“ sind kleine und mittelständische Unternehmen – eine Veranstaltungsagentur, Handwerksbetriebe, IT- und PR-Berater aus den unterschiedlichsten Bereichen. Projektbezogen arbeitet sie für andere Agenturen. „Mal bekomme ich überschaubare Aufträge, vielleicht nur eine Bestellung für neue Visitenkarten. Andere Kooperationen sind umfangreich und dauern mehrere Monate. Die Abwechslung macht Spaß. Und es lohnt sich finanziell. Überhaupt hat die Selbstständigkeit für mich lauter Vorteile: die Freiheit, meine Zeit selbst einzuteilen und das Gefühl, mehr Einfluss auf die Projekte zu haben. Der direkte Kontakt zum Kunden tut gut“, findet sie. Sicher sei der Druck manchmal groß, weil alles an ihr hänge und sie den Anspruch habe, dass ihre Arbeit super sein soll. Sie sagt: „Ich arbeite mehr, manchmal drei Wochen am Stück. Trotzdem fühle ich mich weniger gestresst als früher in der Festanstellung.“

Mit Optimismus und doch vorsichtig sieht die Gründerin in die Zukunft: „Ich weiß, dass die wirtschaftliche Lage im Augenblick für alle ziemlich gut ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich frage mich, was passiert, wenn es gesamtwirtschaftlich nicht mehr so brummt. Deshalb ist es mein ständiges Ziel, neue Kunden kennenzulernen. Wenn es so positiv wie bisher weiterläuft, kann ich mir vorstellen, irgendwann jemanden einzustellen oder auszubilden, auf jeden Fall einen Praktikumsplatz anzubieten.“

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
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